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Die Zukunft des TV: Social TV, Google TV und Co.

Bachelorarbeit 2011 53 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

2.1 Das klassische TV

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es das Medium Fernsehen, welches klassischerweise zur Unterhaltung und Entspannung genutzt wird.[1]Der Zuschauer sitzt dabeipassivvor dem Fernseher und konsumiert das Fernsehprogramm, in das er sich jederzeit einklinken kann.[2]Damit stellt das Fernsehen ein sogenanntes „Lean Back“ – Medium dar. Im Gegensatz hierzu stehen die „Lean Forward“ – Medien, wie beispielsweise Computer, bei denen der Nutzeraktivnach Informationen sucht.[3]

Zum Empfang von Fernsehen gibt es mehrere Möglichkeiten. Klassischerweise erfolgt dieser analog über Kabel, Satellit oder eine terrestrische Antenne. Während der deutsche Zuschauer 1977 nur 9 Sender zur Auswahl hatte, waren es 2005 bereits 114 Sender. Die Tendenz ist weiterhin steigend.[4]Die Sender lassen sich dabei in öffentlich-rechtliche Sender und private Sender unterteilen. Während sich die privaten Sender fast ausschließlich über Werbung finanzieren, erfolgt die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender neben Werbung über staatlich festgelegte Gebühren.[5]Ein erwähnenswertes Geschäftsmodell des klassischen Fernsehens ist das Pay-TV, bei dem der Nutzer für den Empfang einiger zusätzlicher Sender, die seinen Interessen entsprechen, eine monatliche Gebühr zahlt.

Das Fernsehen spielt heute eine wichtige Rolle. Annährend jeder Haushalt weltweit besitzt mindestens ein Fernsehgerät, wobei die durchschnittliche Nutzung bei mehreren Stunden täglich liegt.[6]Somit stellt das Fernsehen eines der am meisten genutzten Massenmedien dar. Menschen planen ihren Alltag und ihre Termine häufig um das Fernsehprogramm herum. Bestimmte Sendungen zu schauen, wie beispielsweise die „Tagesschau“ in Deutschland, kann mittlerweile als Ritual bezeichnet werden.[7]

Bis zum Anfang der 1980er Jahre wurde angenommen, dass die Fernsehzuschauer sich zu Hause genauso verhalten wie Kinobesucher während eines Films, also ohne weitere Aktivitäten auf dem Sofa sitzen und sich von den Fernsehinhalten unterhalten lassen.[8]Häufig wurde das Fernsehen auch als kontaktarme und ungesellige Tätigkeit gesehen.[9]Seit den 1980er Jahren begannen soziologische Forscher mit der Erforschung von Angewohnheiten der Zuschauer.[10]Dabei wurde herausgefunden, dass der Fernseher häufig nur im Hintergrund läuft während die Zuschauer alltäglichen Aufgaben nachgehen.[11]Studien haben aber gezeigt, dass Fernsehen dennoch größtenteils eine soziale Aktivität ist, die die meiste Zeit in Gruppen betrieben wird.[12]So treffen sich Freunde oder Familien beispielsweise, um gemeinsam Sport-Events oder beliebte Filme zu schauen. Ein Großteil der Fernsehnutzung findet dabei am Abend, am Wochenende und im Urlaub statt.[13]

Es wird sich jedoch nicht nur zu diesen Events getroffen, auch außerhalb der Zeiten, an de­nen man gemeinsam fernsieht, wird über Inhalte von Fernsehprogrammen geredet. Das Fernsehen kann somit zwei Formen der Gesellschaftlichkeit fördern- diedirekte, d.h. wäh­rend des gemeinsamen Fernsehens wird sozial untereinander agiert, und dieindirekte. Da­bei wird zum Beispiel in einem anderen Umfeld über die zuvor gesehenen Sendungen gesprochen.[14]

Durch die vielen Gespräche über kommende und vergangene Fernsehsendungen stellt das Fernsehen die größte gemeinsame Grundlage für alltägliche Konversationen dar.[15]Auf Grund der großen Verbreitung des Fernsehens stellt es allerdings nicht nur Gesprächsstoff für untereinander bereits bekannte, sondern auch für Menschen dar, die sich noch nicht kennen und unterschiedliche Interessen haben.[16]

Wie andere Massenmedien spielt auch das Fernsehen eine zentrale Rolle in der Art und Weise, wie Familien und andere soziale Gruppen untereinander agieren.[17]

2.2 Interaktives TV

2.2.1 Definition Interaktives TV

Interaktion kann auf verschiedene Weisen definiert sein. So kann definitionsabhängig be­reits das Umschalten zwischen verschiedenen Kanälen als Interaktivität bezeichnet werden.

Durch die Medienkonvergenz wird das klassische Fernsehen um neue Funktionen erweitert[18], bei denen der Nutzer mit dem Fernseher und dessen Inhalten interaktiv agieren kann. „Die Entwicklungsrichtung ist klar: Wir wollen nicht mehr nur passive Informationsverarbeiter sein, sondern aktiv in die Medienwirlichkeit eingreifen. Und ‚aktiv‘ heißt im Zusammenhang mit Medien immer ‚interaktiv‘.“[19]

Interaktives TV bedeutet also, dass der Zuschauer die Möglichkeit hat, das Programm aktiv zu beeinflussen und weiteren Nutzen aus neuen Funktionen des TVs zu haben, wie zum Beispiel durch Video on Demand Diensten, bei denen der Zuschauer Filme und Serien jederzeit abrufen kann oder durch elektronischen Programm Guides (EPG), die eine Art digitale Programmzeitschrift darstellen.

Die Interaktion kann dabei nach Beckert in verschiedene Interaktivitäts-Level unterteilt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Interaktivitätslevel[20]

Während der Nutzer bis Level 3 noch sehr passiv ist, wird er in Level 4 aktiv in die Programmgestaltung eingebunden, der Nutzer kann individualisierte Programme er­stellen. In Level 4 wird erstmals die Möglichkeit der Kommunikation genannt.

Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie der Zuschauer interaktiv in das Programm eingebunden werden kann. Einige Beispiele sind hier Umfragen während Sendungen, bei denen der Zuschauer per Telefon oder SMS abstimmen kann, Call-In Show, bei denen der Zuschauer an Gewinnspielen teilnehmen kann, oder Home-Shopping Kanäle. Ein Beispiel für zusätzlichen Nutzen, den der Zuschauer aus neuen Funktionen haben kann, ist der EPG, mit dem das Fernsehprogramm der verschiedenen Fernsehsender durchsucht und für den Zuschauer interessante Inhalte verwaltet werden können. Der EPG stellt eine digitale Form der klassischen Fernsehzeitung dar, kann diese jedoch um weitere Funktionen ergänzen, wie die Möglichkeit, gezielt nach speziellen Sendungen zu suchen oder eine Erinnerungsfunktion.

Aber auch die Spielfilme können interaktive Elemente enthalten. Ein Beispiel für einen interaktiven Film ist der Film „Mörderische Entscheidung - Umschaltung erwünscht“, der gleichzeitig auf zwei verschiedenen Sendern ausgestrahlt wurde. Dabei wurden Teile der Handlung aus verschiedenen Perspektiven erzählt, so dass der Zuschauer entscheiden konnte, welche Perspektive er zu welcher Zeit sehen will.[21]

2.2.2 Anforderungen an interaktives TV

Um einen Nutzen von interaktivem Fernsehen zu haben, muss dem Zuschauer ein Mehrwert im Vergleich zum klassischen Fernsehen geboten werden. Dieser Mehrwert kann in Form von Interaktionsmöglichkeiten mit dem Programm selber, wie der Möglichkeit den Verlauf einer Sendung durch einen Anruf mit zu entscheiden oder die aktive Teilnahme an einer Quiz-Show, gegeben sein. Der Mehrwert kann aber auch durch die Interaktion mit weiteren Funktionen des Fernsehens zustande kommen, wie beispielsweise dem Videotext, bei dem der Nutzer unabhängig vom aktuellen Programm nach Informationen suchen kann.

Die Zuschauer lehnen solche Anwendungsmöglichkeiten häufig jedoch zunächst ab, da sie den Umgang mit weiteren Funktionen nicht lernen wollen, um „besser“ fernzusehen.[22]Vor allem junge Zuschauer sind wenig an der Möglichkeit interessiert, zusätzliche Informationen über den Fernseher zu erhalten, sondern nutzen diesen hauptsächlich zur Unterhaltung und Entspannung. Informationen können schnell im Internet gefunden werden, da sie in der Regel den Umgang mit dem Computer gut beherrschen. Ältere Menschen, die den Umgang mit dem Computer nicht beherrschen, könnten die Informationssuche über den Fernseher daher eher annehmen.[23]

Obrist stellt verschiedene Nutzergruppen und deren jeweiligen Präferenzen bei interaktivem Fernsehen tabellarisch dar (siehe Abbildung 2). Während jüngere Nutzer mehr Interesse an sozialen Anwendungen von interaktivem Fernsehen, wie Unterstützung von Kommunikationsmöglichkeiten, haben, sind ältere eher an zusätzlichen Informationen interessiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Anforderungen an interaktives Fernsehen[24]

Da Nutzer von Anwendungsmöglichkeiten interaktiven Fernsehens häufig überfordert sind, weil diese als schwierig und zu komplex empfunden werden, ist es wichtig, die Anforderungen der Nutzer an die interaktiven Anwendungen zu kennen.[25]Damit interaktives Fernsehen erfolgreich sein kann, müssen Lösungen angeboten werden, bei denen der Nutzer und dessen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.[26]

Wie in Abschnitt 2.1, bereits erwähnt handelt es sich beim TV um ein „Lean Back“ – Medium. Um diese Eigenschaften zu erhalten ist es wichtig, dem Nutzer die Interaktion so einfach und entspannt möglich zu bieten.[27]

Dies bedeutet zum einen, dass es ein unkompliziertes Eingabegerät gibt. Hier wird von den Nutzern weiterhin eine Fernbedienung gewünscht- obwohl selbst diese aufgrund einer stark gestiegenen Anzahl von Tasten häufig als zu komplex und schwierig zu bedienen empfunden wird.[28]Zum anderen müssen die Anwendungen, die beim interaktiven Fernsehen angeboten werden, in ihrem Aufbau benutzerfreundlich und leicht zu bedienen sein.[29]

Die Benutzerfreundlichkeit lässt sich dabei anhand von drei Faktoren messen: Wie erfolgreich, effizient und zufriedenstellend die Nutzer ihre Anforderungen erfüllen können.[30]

Die interaktiven Anwendungen müssen dem Zuschauer außerdem Unterhaltung bieten.[31]Bei einem interaktiven Quiz kann dies bedeuten, dass der Zuschauer, durch sein Wissen und die dadurch korrekt beantworteten Fragen oder den Wettbewerb mit anderen Zuschauern Erfolge erlebt.

Eine weitere Anforderung der Nutzer ist die Möglichkeit zur Kommunikation mit anderen Zuschauern.[32]Zum Beispiel sollte der Zuschauer in dem bereits genannten interaktiven Quiz mit seinen Mitspielern kommunizieren können. Auf die Möglichkeit der Kommunikation unter Zuschauern wird im Rahmen von Social TV im weiteren Verlauf dieser Arbeit noch detaillierter eingegangen.

2.2.3 Technische Voraussetzungen

Damit der Nutzer interaktiv agieren kann, muss zunächst ein Rückkanal vorhanden sein, über den Eingaben des Zuschauers zurückgesendet werden können. Der Rückkanal kann dabei zum Beispiel über die Telefonleitung oder Internetverbindung realisiert werden.

Während das klassische Fernsehen analog übertragen wurde, ist für interaktives Fernsehen eine technische Voraussetzung das digitale Fernsehen.[33]Statt in Form von analogen Signalen liegen die Daten beim digitalen Fernsehen in Form von Zahlenkombinationen vor, können komprimiert werden und beim Empfänger in die ursprünglichen Informationen zurückversetzt werden.[34]

Im Vergleich zur analogen Übertragung von Fernsehsignalen führt die Digitalisierung zunächst zu einer um das Fünffache erhöhten benötigten Kanalkapazität. Durch effiziente Kodierungsverfahren für Ton- und Videodaten konnte dieser Nachteil jedoch ausgeglichen werden.[35]

Den wichtigsten Standard stellt dabei der MPEG-2 (Moving Picture Experts Group) Standard dar. Zur Datenreduktion wird hierbei die Tatsache verwendet, dass sich Bildinhalte beim Fernsehprogramm in der Regel in kurzer Zeit nur wenig ändern. Bei MPEG-2 kodierten Daten wird in regelmäßigen Abständen ein Keyframe übertragen, der die kompletten Bildinformationen enthält. Für die Bilder zwischen den Keyframes werden jedoch nur die Änderungen zum jeweils vorigen Bild gesendet.[36]Außerdem werden für das menschliche Ohr nicht hörbare Töne herausgefiltert. Ohne einen für den Zuschauer bemerkbaren Qualitätsverlust kann dem MPEG-2 Verfahren die Datenmenge auf durchschnittlich 4% der ursprünglichen Datenmenge reduziert werden.[37]

Mittlerweile hat die digitale Technik die analoge bereits fast verdrängt, so fallen 95% des Marktes für Unterhaltungselektronik bereits auf digitale Geräte.[38]

Eine weitere Voraussetzung sind im Vergleich zur Übertragung von analogen Signalen leistungsfähigere Computerchips zur Kodierung und Dekodierung der Daten.[39]Der Zuschauer benötigt zum Empfang von digitalen Fernsehinhalten daher eine neue Set-Top-Box.

2.2.4 Aktueller Stand der Entwicklung

Mittlerweile gibt es eine große Anzahl an interaktiven Angeboten für Fernsehzuschauer. Bei verschiedenen Sendungen können die Zuschauer an telefonischen Umfragen teilnehmen und bei Quiz-Shows können die Fragen teilweise zeitgleich online am Computer selber gelöst werden.[40]In Call-In Gewinnspielen werden verschiedene Rate- und Quiz-Spiele angeboten, an denen der Zuschauer über einen Telefonanruf oder per SMS teilnehmen kann.

Eine Konvergenz von Fernseh- und Internetinhalten ist zu erkennen. Viele Hersteller von Fernsehgeräten bieten Hybrid-Fernseher an, bei denen ein Zugriff auf verschiedene Web-Inhalte möglich ist. Anhand der hohen Nachfrage nach diesen Fernsehgeräten lässt sich erkennen, dass der Zuschauer bereit ist, Inhalte des Internets auf dem Fernseher zu schauen.[41]Weiterhin kann der Zuschauer über entsprechende Set-Top-Boxen verschiedene Video on Demand Dienste nutzen, über die er Filme und Serien jederzeit abrufen kann.

Im Folgenden werden einige Konzepte mit besonders hohen Interaktivitätsmöglichkeiten genannt.[42]

2.2.4.1 Home-Shopping – Am Beispiel QVC

Der internationale Home-Shopping Sender QVC (Quality, Value and Convenience) startete 1986 in den USA mit seinem Home-Shopping Angebot, 10 Jahre später auch in Deutschland. Außerdem ist der Sender in Großbritannien, Italien und Japan verfügbar. QVC bietet dem Zuschauer in seinem Programm Produkte aus allen Bereichen an, die dieser telefonisch bestellen kann. Gesendet wird 23 Stunden täglich live an 364 Tagen im Jahr.

In Deutschland hat QVC über fünf Millionen Kunden, somit lag der Nettoumsatz 2008 bei über 650 Millionen Euro, der EBITDA betrug 106 Millionen Euro. Der weltweite Gesamt-Nettoumsatz betrug 7,3 Milliarden US-Dollar.[43]

2.2.4.2 Personal Video Recorder – Am Beispiel TiVo

TiVo (Television Input / Video Output) ist ein weit verbreiteter Personal Video Recorder in den USA, Australien, Großbritannien, Kanada, Mexiko und Neuseeland. Zur Nutzung wird eine TiVo Set-Top-Box benötigt, als Steuerung wird eine Fernbedienung verwendet. Einige Funktionen lassen sich alternativ auch über Anwendungen, die für verschiedene mobile Geräte verfügbar sind, steuern.

Durch eine eingebaute Festplatte besteht die Möglichkeit des Time-Shifting. Das bedeutet, der Zuschauer kann Fernsehinhalte aufzunehmen oder pausieren und zeitversetzt schauen. TiVo verfügt über eine Lernfunktion, die automatisch Inhalte aufzeichnet, die für den Nutzer interessant sind. Zur Navigation und Suche im Fernsehprogramm gibt es einen fortschrittlichen EPG. Die Planung von Aufnahmen kann auch online über einen Computer erfolgen.

Neben dem normalen Fernsehprogramm kann auf verschiedene Video on Demand Dienste, wie NetFlix[44]oder Amazon Instant Video[45], sowie unterschiedliche Webdienste, zum Beispiel YouTube[46]Videos, zugegriffen werden.[47]

2.2.4.3 Apple TV

Apple TV ist ein Video on Demand Dienst der Firma Apple, bei dem der Zuschauer zusätzlich auf verschiedene Internetdienste zugreifen kann. Apple TV bietet Zugriff auf Filme und Serien aus dem iTunes Store[48], bei dem Filme, wahlweise in HD- (1280 x 720 Pixel) oder SD-Qualität (720 x 480 Pixel), geliehen werden können.

Der Zuschauer kann auf Online-Dienste wie YouTube, NetFlix, MobileMe[49]und Flickr[50]zugreifen, sowie eigene Musik und Videos aus iTunes Mediatheken auf den TV streamen. Außerdem können auch Inhalte von iPhones, iPods und iPads über den Dienst AirPlay auf den Fernseher gestreamt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Apple TV Set-Top-Box[51]

Die Voraussetzung für Apple TV ist neben einem HD-fähigen Fernsehgerät mit HDMI-Anschluss und einem Internetanschluss eine Apple TV Set-Top-Box. Diese ist seit Ende 2010 in der zweiten Generation verfügbar. Gegenüber der ersten Generation haben die Boxen keine Festplatte mehr, so dass die Inhalte ausschließlich auf den Fernseher gestreamt werden und nicht aufgezeichnet werden können. Die Set-Top-Box wurde sehr klein gehalten (siehe Abbildung 3).

Die Steuerung von Apple TV erfolgt über eine Fernbedienung oder über die Applikation Remote[52], die für aktuelle Produkte von Apple verfügbar ist.

Innerhalb der ersten zwei Monate nach Einführung der zweiten Generation wurden über eine Million Apple TV Set-Top-Boxen verkauft und täglich werden über 400.000 TV Sendungen, sowie mehr als 150.000 Filme über iTunes geliehen.

Da Apple TV auf dem Betriebssystem iOS basiert, ist eine Erweiterung von Apple TV um die Möglichkeit, eigene Apps zu installieren, denkbar. Aktuell ist dies jedoch nicht möglich.

3 Social TV

Zunächst wird in diesem Kapitel eine Definition von Social TV gegeben. Anschließend werden Anforderungen genannt, die an Social TV gestellt werden, die technischen Voraussetzungen für Social TV beschrieben und einige Social TV Systeme vorgestellt.

3.1 Definition Social TV

[53]In der Literatur lassen sich verschiedene Definitionen zu Social TV finden. Diese lassen sich in weiter sowie enger gefasste Definitionen unterteilen (siehe Tabelle 1). Nach der weiten Definition kann Social TV jede Technologie sein, die soziale Gewohnheiten unterstützt, die in Verbindung mit dem Fernsehen stehen. Die Technologie muss also nicht zeitgleich mit dem Fernsehen genutzt werden, wie beim gemeinsamen Fernsehen, sondern kann auch Aktivitäten wie Gespräche über kommende oder vergangene Sendungen unterstützen. Die engere Definition hingegen beschränkt Social TV auf ein System, das auch Zuschauern, die räumlich getrennt sind, das Gefühl gibt, sie würden gemeinsam fernsehen. Dies wird dadurch erreicht, dass Kommunikationsmöglichkeiten in den TV oder dessen Umfeld integriert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[54][55][56][57][58][59][60][61][62]

Tabelle 1: Übersicht Definitionen Social TV[63]

In dieser Arbeit wird die engere Definition von Social TV verwendet. Ein Social TV System ist definiert als der Teil eines einfach zu nutzenden Systems, das die Fernsehzuschauer dabei unterstützt, miteinander zu kommunizieren. Dadurch soll ihnen das Gefühl vermittelt werden, gemeinsam fernzusehen.[64]Dabei müssen die Zuschauer sich nicht am selben Ort befinden und das Fernsehen muss nicht zeitgleich geschehen.[65]

[66]Es gibt drei Situationen, für die Social TV Systeme erforderlich sind:

Zeitgleiches (synchrones) Fernsehen von verschiedenen Orten:Mit Social TV Systemen ist es möglich, gemeinsam fern zu sehen, obwohl die Zuschauer sich an verschiedenen Orten aufhalten.

Zeitversetztes (asynchrones) Fernsehen von verschiedenen Orten:Häufig leben andere Zuschauer, mit denen man gemeinsam Fernsehen will nicht nur an einem anderen Ort, sondern auch in einer anderen Zeitzone, oder man hat einen zu verschiedenen Alltag, um zeitgleich fern zu sehen. Mit Social TV Systemen kann es möglich sein, die geschauten Sendungen mit seinen eigenen Reaktionen und Interaktionen zu individualisieren und diese anschließend befreundeten oder bekannten Zuschauern zur Verfügung zu stellen.

Zeitversetztes Fernsehen am selben Ort: Auch bei Zuschauern, die zusammen oder in derselben Stadt leben, kann es zum Beispiel aufgrund verschiedener Verpflichtungen im Alltag passieren, dass diese keine Möglichkeit haben gemeinsam fern zu sehen. In dieser Situation kann ein Gefühl des gemeinsamen Fernsehens durch dieselbe Strategie, wie beim asynchronen Fernsehen von verschiedenen Orten, erzeugt werden.

Es gibt also zwei Dimensionen, die soziale Aspekte des Fernsehens beeinflussen (siehe Abbildung 4) und in denen Social TV Systeme Verwendung finden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Dimensionen gemeinsamen Fernsehens[67]

Die Möglichkeiten des Zuschauers bei interaktivem Fernsehen, mit dem Fernsehprogramm zu interagieren und dieses zu individualisieren, werden bei Social TV um die Möglichkeit der Kommunikation mit anderen Zuschauern erweitert.

[...]


[1]Vgl. Gerhards (2007), S. 298.

[2]Vgl. Hachmeister / Zabel (2004), S.160.

[3]Vgl. Obrist (2008), S.177.

[4]Vgl. Hagenah (2008).

[5]Vgl. GEZ (2011).

[6]Vgl. Nielsen (2010), S. 5.

[7]Vgl. Bolz (2004), S.133.

[8]Vgl. Obrist (2008), S. 177.

[9]Vgl. Ducheneaut (2008), S. 136.

[10]Vgl. Harper (2003).

[11]Vgl. Obrist (2008), S. 177.

[12]Vgl. Morrison (2001), S. 153 ff, Hachmeister (2004), S.159 f und Harboe (2008), S. 116.

[13]Vgl. Obrist (2008), S. 180.

[14]Vgl. Ducheneaut (2008), S. 136.

[15]Vgl. Chorianopoulos (2008), S. 113 f.

[16]Vgl. Lee (1995), S.14 ff.

[17]Vgl. Lull (1990), S.198.

[18]Vgl. Iatrino (2007), S.31.

[19]Bolz (2004), S. 135.

[20]Vgl. Beckert (2002), S.73.

[21]Vgl. Ring (2004), S. 175.

[22]Vgl. Stipp (2004), S. 125.

[23]Vgl. Obrist (2008), S. 191 f.

[24]Vgl. Obrist (2008), S. 192.

[25]Vgl. Bernhaupt (2009), S. 119.

[26]Vgl. Obrist (2008), S. 174.

[27]Vgl. Arvola (2003), S.85 f.

[28]Vgl. Bernhaupt (2007), S.154.

[29]Vgl. Arvola (2000)

[30]Vgl. Dix (2004)

[31]Vgl. Arvola (2003), S. 85 f.

[32]Vgl. Arvola (2003), S. 85 f.

[33]Vgl. Beckert (2002), S.97.

[34]Vgl. Clement (2000), S. 13.

[35]Vgl. Schäfer (2004), S. 67.

[36]Vgl. Beckert (2002), S. 64.

[37]Vgl. Clement (2000), S. 13.

[38]Vgl. BITKOM (2010a).

[39]Vgl. Beckert (2002), S. 65.

[40]Vgl. RTL (2011).

[41]Vgl. BITKOM (2011).

[42]Das Folgende nach QVC (2011).

[43]Das Folgende nach TiVo (2011).

[44]http://www.netflix.com/

[45]http://www.amazon.com/Instant-Video/

[46]http://www.youtube.com/

[47]Das Folgende nach Apple (2011).

[48]http://www.apple.com/de/itunes/

[49]http://www.me.com/

[50]http://www.flickr.com/

[51]Vgl. Apple (2011).

[52]http://www.apple.com/de/itunes/remote/

[53]Das Folgende nach Harboe (2009), S. 6 f.

[54]Harboe (2008a), S. 1.

[55]Chorianopoulos (2007), S.24.

[56]Ducheneaut (2008), S. 136.

[57]Klym (2008), S. 5.

[58]Harboe (2008b), S. 3.

[59]Chorianopoulos (2007), S.29.

[60]Ducheneaut (2008), S. 137.

[61]Gross (2008), S. 155.

[62]Geerts (2008), S.7.

[63]Vgl. Harboe (2009), S. 7.

[64]Vgl. Chorianopoulos (2008), S.115.

[65]Vgl. Gross (2009), S. 62 f.

[66]Das Folgende nach Chorianopoulos (2008), S. 118.

[67]Vgl. Chorianopoulos (2008), S. 119.

Details

Seiten
53
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783955495664
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v296952
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Schlagworte
interaktives Fernsehen Interactive TV Soziales Fernsehen Medium Medien Massenmedien

Autor

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