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Geo Social Business: Eine Möglichkeit der streuverlustfreien Zielgruppenansprache

Bachelorarbeit 2011 48 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Grundlagen des Web 2.0
1.1 Definitionen
1.1.1 Web 2.0
1.1.2 Social Networks
1.1.3 Mobile Endgeräte
1.1.4 Mobile Business
1.1.5 Lokalisierungsverfahren
1.1.6 Geo Marketing
1.1.7 Geo Social Business
1.2 Zahlen und Fakten
1.2.1 Social Networks
1.2.2 Smartphones
1.2.3 Mobile Business
1.3 Aufgabenstellung

2 Der Weg zum Geo Social Business
2.1 eBusiness
2.2 Mobile Business
2.3 Social Media
2.4 Social Media Marketing
2.5 Geotagging Dienste
2.6 Geo Social Networks

3 Ansätze für Geo Social Business
3.1 Geo Social Marketing
3.1.1 Push/Pull und Permission Marketing
3.1.2 Gutscheinsysteme
Praktische Beispiele von existierenden Gutscheinsystemen
3.1.3 Personalisierte Werbung
3.1.4 Spiele
Praktisches Beispiel von Jimmy Choo
3.2 Business to Business

4 Vorteile des Geo Social Business
4.1 Unternehmensvorteile
4.1.1 Effektivere Budgetverwertung
4.1.2 Kundenakquise
4.1.3 Kundenbindung
4.1.4 Nischenprodukte
4.1.5 Regionale Unternehmen
4.2 Verbrauchervorteile
4.2.1 Nützliche Werbung
4.2.2 Zeitersparnis
4.2.3 Unterhaltung
4.2.4 Rabatte

5 Probleme des Geo Social Business
5.1 Kundenakzeptanz
5.2 Datenschutz
5.2.1 Persönlichkeitsprofile
5.2.2 Stalking
5.3 Geo Spam
5.4 Zielgruppe

6 Die Zukunft mit Geo Social Business
6.1 Channel-Hopping
6.2 GALILEO
6.3 Augmented Reality
6.4 Internet der Dinge
6.5 Semantic Web

7 Management Summary

Quellenverzeichnis

1 Grundlagen des Web 2.0

Am dritten Januar diesen Jahres kaufte die amerikanische Bank Goldman Sachs einen Anteil an dem Social Network Facebook, wodurch dessen Wert auf 50 Milliarden Dollar anwuchs. Facebook ist damit der dritt größte Web-Konzern in den USA und muss sich nur Google und Amazon geschlagen geben. Bei einem Blick auf die Besucherstatistiken führt Facebook diese sogar an und hat über ein Prozent mehr Seitenaufrufe wie die Suchmaschine Google [FAZN11; FINA11a; FINA11b]. Dies macht deutlich wie wichtig Social Media und insbesondere Social Networks in der heutigen Zeit geworden sind. Im Bezug auf die Nutzungsmöglichkeiten gibt es jedoch noch viel Platz für Neuerungen und große Wachstumsmöglichkeiten.

1.1 Definitionen

Zu Beginn der Arbeit erfolgt eine Klärung der wichtigsten in dieser Arbeit verwendeten Begriffe. Durch diese Definitionen soll eine einheitliche Wissensbasis in diesem noch sehr jungen Themengebiet geschaffen werden, um Missverständnisse erst gar nicht entstehen zu lassen.

1.1.1 Web 2.0

Der Begriff des Web 2.0 an sich wurde von dem Verleger Tim O’Reilly im Jahr 2004 geprägt. Auch wenn es den Begriff schon seit nunmehr sieben Jahren gibt, hat sich keine einheitlich akzeptierte Definition durchgesetzt, aktuell findet die Suchmaschine Google über 405 Millionen Einträge zu diesem Begriff [GOO G10a]. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die Abgrenzungen zwischen dem Web 1.0 und Web 2.0 teilweise nicht genau differenziert sind. Nach O’Reilly gibt es zudem keine genaue Begrenzung für den Begriff Web 2.0, da es sich vielmehr um eine Bündelung verschiedener Prinzipien und Praktiken handelt [OREI L05].

Zu diesen Prinzipien gehört als erstes „The Web as Platform“ [OREIL05]. Die Grundidee dahinter ist die Entwicklung des Web weg von einer Anhäufung vieler unterschiedlicher Webauftritte, hin zu einer Plattform. Während bei Web 1.0 der Großteil der Software auf den lokalen Rechnern selbst lief, wird nun immer mehr Software in Webanwendungen integriert.

Ein weiteres wichtiges Prinzip ist „Harnessing Collective Intelligence“ [OREIL 05], was soviel bedeutet wie die Nutzbarmachung der kollektiven Intelligenz. Häufig wird in diesem Zusammenhang auch von „User generated Content“ [HÄUS07, S. 21] gesprochen. Viele der bekanntesten Internetseiten setzten inzwischen auf die Nutzerbeteiligung bei Generierung ihrer Inhalte. Die Nutzerbeteiligung kann dabei auf unterschiedliche Arten erfolgen, von der aktiven Mithilfe bei der Programmierung von Open-Source Produkten, über die Erstellung eines Lexikon rein durch das Wissen der Nutzer wie bei Wikipedia, oder aber der Möglichkeit Produkte zu bewerten und alternative Vorschläge wie etwa bei Amazon. Die aktive Mitarbeit der Nutzer ist bei all diesen Seiten einer der wichtigsten Schlüssel zu ihrer jeweiligen Marktdominanz [HETT10, S. 6f.].

Ebenfalls wichtig ist die Nutzung verschiedener Anwendungen über die Grenzen einzelner Geräte hinaus. Gerade um mobilen Endgeräten den Zugang zu Webanwendungen zu ermöglichen. Durch die immer größer werdende Zahl an unterschiedlichen Gerätetypen, welche in die Entwicklung neuer Anwendungen eingebunden werden können, ergeben sich auch immer neue Funktionsmöglichkeiten solcher Anwendungen [OREIL05].

1.1.2 Social Networks

Social Networks gibt es in vielen verschiedenen Formen, nicht ausschließlich Online. In dieser Arbeit bezieht sich der Begriff jedoch auf sogenannte social networking sites or platforms im Internet. Solche Social Networking Plattformen im Internet helfen bei dem Aufbau und der Pflege von Netzwerken sowohl beruflicher als auch privater Natur. Die Plattformen im Internet erlauben das Erstellen von mehr oder weniger öffentlich zugänglichen persönlichen Profilen, um sich mit anderen Personen mit ähnlichen Interessen oder Ansichten zu vernetzen [DONA07]. Den Durchbruch erlebten Social Networks im Zuge der Entstehung des Web 2.0 [BOYD07]. Inzwischen verzeichnet die am meisten verbreitete Networking Plattform über 500 Millionen aktive Nutzer (Nutzer die mindestens alle 30 Tage einmal die Seite besuchen). Außerdem besuchen 50% der Nutzer Facebook sogar täglich [FACE10].

1.1.3 Mobile Endgeräte

Generell kann jede Art von portablem elektronischem Gerät, wie MP3-Player, Handys, Laptops oder auch Navigationsgeräte, als mobiles Endgerät bezeichnet werden, diese müssen nicht einmal zwangsweise drahtlos kommunizieren können [KIZI09]. Weiterhin werden als mobile Endgeräte jedoch nur noch Geräte bezeichnet, die über drahtlose Kommunikation verfügen, außerdem ohne große Mühe bei sich getragen werden können, jederzeit und überall empfangsbereit sind und zusätzlich noch die Möglichkeit zur Standortbestimmung mittels GPS oder Cell-of-Origin Verfahren, siehe dazu Kapitel 1.1.5, besitzen. Ein zusätzlicher Vorteil von Smartphones im Bereich der mobilen Endgeräte ist der Umstand, dass diese sich mittels der SIM-Karte eindeutig einem Benutzer zuordnen lassen, während andere mobile Endgeräte zwar auch identifiziert werden können, eine Zuordnung zu einer bestimmten Person allerdings nicht zwangsweise möglich ist [LEHN02, S. 19f.].

1.1.4 Mobile Business

Mobile Business kann als eine Erweiterung des klassischen Electronic Business (eBusiness) in Bezug auf mobile Endgeräte betrachtet werden. Man kann Mobile Business also wie bereits das eBusiness als geschäftliche Kommunikation zwischen Personen und / oder Unternehmen sehen, wobei Transaktionen finanzieller Art nicht zwingenderweise stattfinden müssen, jedoch auch nicht ausgeschlossen sind. Zusätzlich zu der zumindest einseitigen mobilen Abwicklung im Mobile Business kommen noch einzigartige Dienste, wie orts- oder situations-abhängige Inhalte die mit den mobilen Endgeräten konsumiert werden können, jedoch nicht mehr zum Bereich des eBusiness gehören. Umgekehrt gibt es auch noch vereinzelt Dienste des eBusiness, die noch nicht im Mobile Business enthalten sind, wie zum Beispiel Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten [BUSE08, S. 31f.]. Diese Dienste werden jedoch durch die immer höhere Leistungsfähigkeit der mobilen Endgeräte zumindest technisch immer mehr reduziert.

1.1.5 Lokalisierungsverfahren

Im Bereich der Positionsermittlung kann derzeit in zwei verschiedene Methoden unterschieden werden.

Einerseits das netzwerkbasierte Lokalisierungsverfahren, das sich einer Grundfunktion des Mobilfunknetzes bedient, dem Cell-of-Origin Verfahrens. Jedes Mobilfunknetz ist in je nach Beanspruchung unterschiedlich große Funkzellen aufgeteilt, die sich eindeutig identifizieren lassen. Anhand der aktuellen Funkzelle eines Mobilen Endgerätes kann seine ungefähre Position bestimmt werden. Je nach Größe der Funkzelle ist so eine Positionsbestimmung mit einer Genauigkeit von bis zu 150 Metern zu erreichen. Mit Hilfe spezieller zusätzlich angewandter Verfahren kann sogar eine Genauigkeit von 50 Metern erreicht werden, jedoch nur in Gebieten mit einer entsprechend hohen Netzabdeckung.

Außerdem gibt es noch das terminalbasierte Lokalisierungsverfahren. Bei diesem Verfahren erfolgt die Positionsbestimmung über das Global Positioning System (GPS). Das System besteht aus 24 Satelliten in der Erdumlaufbahn, die Satelliten senden dauerhaft schwache Mikrowellen auf die Erde. GPS-fähige Geräte empfangen diese Mikrowellen und sobald sie Mikrowellen von vier verschiedenen Satelliten empfangen, ist es Ihnen möglich daraus Ihre aktuelle Position auf bis zu fünfzehn Meter genau zu errechnen. Unter zu Hilfenahme bestimmter Korrekturdaten ist sogar eine Genauigkeit von bis zu dreißig Zentimetern möglich. Trotz seiner Genauigkeit besitzt das terminalbasierte Verfahren jedoch eine gravierende Schwäche. Die von den Satelliten gesendeten Mikrowellen sind so schwach, dass Sie in Gebäuden oder dicht bebauten Gebieten nur sehr stark eingeschränkt zu empfangen sind. Da jedoch Signale von mindestens vier Satelliten empfangen werden müssen, ist in diesen Gebieten häufig eine längere Verzögerung von zum Teil mehreren Minuten in Kauf zu nehmen oder auch gar keine Berechnung der Position möglich [JAND 08].

1.1.6 Geo Marketing

Die Idee des Geo Marketing entstand bereits Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts in den USA und geht auf die mikrogeographische Analyse zurück, deren Grundidee ist der sogenannte Nachbarschaftseffekt. Der Nachbarschaftseffekt besagt, dass Bewohner einer kleinen geographischen Einheit, wie zum Beispiel ein Wohnblock, Vorort oder ein Postleitzahlbezirk, einen ähnlichen sozialen Status und Lebensstil besitzen. Als Folge dessen gleicht sich auch das Kaufverhalten der Bewohner eines Gebietes, während es sich zu Bewohnern anderer Gebiete unterscheidet. Die Entwicklung des Geo Marketing entstand aus dem Bestreben heraus, effizienter und zielgerichteter mit dem Kunden zu kommunizieren [KOTL95, S. 406f, 431f.].

Durch das Internet und auch durch Social Media bekommt das Geo Marketing nun einen neuen Schub und eine neue Richtung. Zum einen geben viele Personen gerade in Social Networks und anderen Web 2.0 Diensten immer mehr Informationen preis, die dann über den angegebenen Wohnort oder auch die IP-Adresse dem Geo Marketing hinzugefügt werden können und somit das Erstellen von genaueren Profilen erlauben. Auch können über das Internet Kampagnen leicht regionalspezifisch ausgestrahlt werden [SPIE10].

Auch aus der Möglichkeit zur Ortung von mobilen Geräten ergeben sich neue Ansätze, durch das Sammeln und Auswerten von bewegungs-, sowie zeit- und personenabhängigen Daten, für das Geo Marketing [ZUNK10]. Einige dieser Ansätze und Ideen werden in Kapitel 3 dieser Arbeit noch näher beschrieben.

1.1.7 Geo Social Business

Das Geo Social Business an sich ist als eine Unterkategorie des Mobile Business zu sehen. Es verknüpft hierbei Elemente des Mobile Business mit Elementen von Social Networks und dem jeweils aktuellen Standort des Nutzers. Eingesetzt wird das Geo Social Business von Unternehmen vor allem wegen seiner nahezu streuverlustfreien Zielgruppenansprache. Kampagnen, die der Kundenbindung und der Gewinnung neuer Kunden dienen, sind mit Hilfe dieser zielgenauen Ansprache von Kunden für Unternehmen sehr effektiv umsetzbar.

1.2 Zahlen und Fakten

Wie viel theoretisches Potential in dem Bereich des Geo Social Business steckt, wird im folgenden Abschnitt mittels aktueller Zahlen in den zu kombinierenden Bereichen aufgezeigt.

1.2.1 Social Networks

Social Networks gehören zu den aufstrebendsten Entwicklungen der heutigen Zeit, weltweit sind Social Networks von immer wichtigerer Bedeutung. Seit 2005 ist in der von Google erstellten Statistik mit den am meisten wachsenden Suchbegriffen weltweit immer mindestens ein Social Network vertreten. 2010 ist Facebook in Deutschland nicht nur auf dem 7. Rang der am stärksten wachsenden Suchbegriffe, sondern gleichzeitig auch auf Platz 1 der am häufigsten gesuchten Begriffe [GOOG10b].

Alleine das größte Social Network (Facebook) kommt inzwischen auf über 500 Millionen Benutzer, dies entspricht ca. 13% der aktuellen Weltbevölkerung von 6,9 Milliarden Menschen, welche die Seite mindestens einmal im Monat abrufen. Außerdem gibt es ca. 250 Millionen Benutzer, die die Seite sogar täglich be­suchen. Bereits über 200 Millionen Benutzer nutzen Facebook regelmäßig von einem mobilen Endgerät aus. Im Durchschnitt kreiert jede Person bei Facebook um die 90 Einträge jeglicher Art pro Monat und ist pro Tag ungefähr eine drei-viertel Stunde auf Facebook unterwegs [FACE10].

1.2.2 Smartphones

Auch die Verbreitung und immer stärkere Nutzung von Smartphones und generell internetfähigen Endgeräten sind ein starker Katalysator von Geo Social Business. Dieses Jahr sind in Deutschland ca. 69% der Bevölkerung mit einem internetfähigem Handy ausgerüstet, allerdings nutzen nur 17% davon auch das mobile Internet.

Die vergleichsweise geringe Nutzung lässt sich vor allem durch die Besitzer internetfähiger Handys, die noch keine Funktionen eines Smartphones besitzen, erklären, da gerade einmal 16% dieser Gruppe mobiles Internet benutzt. Diese Gruppe stellt mit ca. 50% aber noch die Mehrheit. Smartphone Besitzer nutzen das mobile Internet zu über 50%.

43% der Nutzer von mobilen Internetdiensten allerdings nutzen diese Dienste dafür bereits täglich. Während die Zahl der internetfähigen Handys und der Nutzer von mobilem Internet im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant bleibt, ist der Anteil der Smartphones unter den internetfähigen Handys um 7% Punkte zum Vorjahr gestiegen [ACCE10].

Die momentane Zielgruppe für Geo Social Business, die sowohl mobiles Internet nutzen, als auch ein Profil bei einem Social Network im Web 2.0 haben, liegt Hochrechnungen zufolge bei gerade einmal 2,69 Millionen was 3,8% der deutschen Bevölkerung über 14 Jahren entspricht [AXEL10].

1.2.3 Mobile Business

Mobile Business ist derzeit auf einem aufstrebenden Ast. So kaufen einer Studie zufolge bereits 56% der Smartphone Besitzer regelmäßig mobil auf ihrem Smartphone ein. 80% der Smartphone Besitzer besorgen sich regelmäßig auf selbigen aktuelle Informationen über Produkte oder Dienstleistungen und 43% kaufen ihre Tickets oder Fahrkarten bereits mobil [DENK10]. Einer anderen Studie von Rio Mobile zufolge wird bereits bis in zwei Jahren jeder fünfte Euro des eCommerce über das mobile Internet abgewickelt. Weiterhin gaben 63% der Befragten an, dass sie damit rechnen binnen der nächsten zwei Jahre die für sie relevante Zielgruppe effektiv über das mobile Internet erreichen zu können [RIOM10].

Das Internetversandhaus Amazon erreichte eigenen Angaben zufolge bereits 2009 einen weltweiten Umsatz von über einer Milliarde US Dollar alleine durch Bestellungen von mobilen Endgeräten [WONH10].

1.3 Aufgabenstellung

Ziel dieser Arbeit wird es sein, sowohl bereits bestehende als auch mögliche neue Anwendungsmethoden im Bereich des hier eingeführten Geo Social Business für unterschiedliche Unternehmen herauszuarbeiten. Außerdem gilt es die unterschiedlichen Vorteile sowie Probleme, die sich sowohl für Unter-nehmen als auch für Verbraucher ergeben, zu identifizieren.

2 Der Weg zum Geo Social Business

Bevor überhaupt die Idee aufkam, dass Geo Social Business technisch und soziokulturell überhaupt möglich ist und es auch rentabel sein könnte, mussten zuerst einige Grundsteine technischer und mentaler Natur gelegt werden.

2.1 eBusiness

Ein wichtiges Ziel im Bereich des eBusiness ist die Einsparungen von Kosten. Erreicht wird dies über eine Verringerung des Aufwandes bei der Bearbeitung von Prozessen. Für die Anwendung des Geo Social Business sind dabei vor allem die immer weiter fortschreitende Digitalisierung und die automatisierte Be­arbeitung von Prozessen entscheidend, denn jede dieser Technologien wird zwingenderweise für die Umsetzung von Geo Social Business Ideen benötigt [THOM 02]. Ein ebenfalls sehr wichtiger Aspekt des eBusiness für das hier behandelte Thema ist die Integration und Verknüpfung der verschiedenen Objekte untereinander, um so Informationen automatisch verarbeiten und gezielt auf die Zielperson abstimmen zu können [THOM06, S. 73f.].

2.2 Mobile Business

Auch das Mobile Business war ein großer Schritt in Richtung Geo Social Business, da jetzt erstmals Electronic Business Anwendungen orts- und zeit-unabhängig abgerufen werden konnten. So ist es beispielsweise möglich unterwegs oder direkt in einem Geschäft Preisabfragen und –vergleiche durchzuführen. Außerdem bieten sich nun auch gänzlich neue Anwendungsmöglichkeiten. Informationen können zeitnah versendet werden, der Nutzer ist immer und überall zu erreichen und es wird keine Vorlaufzeit wie beispielsweise an einem stationären PC benötigt. Die Identifikationsmöglichkeiten bei einem mobilen Endgerät sind gegenüber normalen Computern deutlich leichter zu erfassen, Handys werden in der Regel immer nur von einer Person regelmäßig benutzt und diese ist über die Sim-Karte identifizierbar. Computer werden nicht selten von verschiedenen Personen genutzt und können dadurch nicht so leicht einer bestimmten Person zugeordnet werden. So ergibt sich zum Beispiel eine bequeme Zahlungsmöglichkeit per Sim-Karte oder aber die Möglichkeit individueller Werbung ganz nach dem Modell des One-to-One-Marketings [BUSE02, S. 92f.].

2.3 Social Media

Abbildung 1 : Conversation Prism [SOLI10].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Von Nutzern generierte Beiträge jeglicher Form, Interaktion zwischen den Nutzern und eine möglichst leichte Integration in andere Seiten, sind Merkmale für eine Social Media Seite. Im Gegensatz zu der bei Massenmedien wie Zeitungen, Fernsehen oder Radio zustandekommenden 1:n-Beziehnung zwischen dem Erzeuger des Beitrags und den Nutzern, handelt es sich bei Social Media um eine n:n-Beziehung in der jeder seinen Beitrag leisten darf, angefangen bei den Medienunternehmen, bis hin zu einer einzelnen Privatperson. Dieser Grundgedanke macht eine Vielzahl verschiedener Seiten möglich. Die Vielfalt dieser Seiten unter dem Sammelbegriff Social Media wird in Abbildung 1, dem Conversation Prism von Brian Solis deutlich.

Durch diese neue Art der Informationsweitergabe und Beschaffung hat sich die gesamte Struktur, Entscheidungen zu fällen, verändert [HETT10, S. 14f.].

2.4 Social Media Marketing

Die neue Art der Informationsbeschaffung schlägt sich auch in einer aktuellen „Digital Influence Index“ Studie von Harris Interactive nieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Informationsquellen bei Entscheidungen [HARRI10].

Wie Abbildung 2 sehr gut zeigt, ist das Internet, mit Ausnahme der Information durch Freunde und Bekannte, die inzwischen mit Abstand wichtigste Informa­tionsquelle, vor allem wenn man Emails als eine Kombination von Internet und den Information durch Freunde und Bekannte einschließt. Im Gegensatz zu den Freunden und Bekannten, die ein Unternehmen nur indirekt beeinflussen kann, besteht im Internet die Möglichkeit zur aktiven Einflussnahme. Hier knüpft das Social Media Marketing an. Im Unterschied zu der klassischen Online-Werbung, bei der ein rückläufiger Trend zu beobachten ist, befasst sich das Social Media Marketing mit den Möglichkeiten die das Web 2.0 bietet [HETT10, S. 31f.]. Der Rückgang der klassischen Online-Werbung und das starke Wachstum von Social Media Marketing verwundern hinsichtlich der Ergebnisse der aktuellen Digital Influence Index Studie jedoch kaum. Im Bereich Urlaub und Freizeit lassen sich gerade einmal 10% der Befragten durch Online-Werbung beeinflussen. Während die Beeinflussung durch Kommentare anderer Nutzer bei 31% liegt. Die Beeinflussung durch Ergebnisse und Werbung in Suchmaschinen liegt sogar bei 46% [HARRI10].

2.5 Geotagging Dienste

Der Begriff Geotagging setzt sich aus den Begriffen Geo und Tagging zusammen. Das neudeutsche Wort Tagging bedeutet so viel wie markieren oder kennzeichnen. Unter Geotagging versteht man also das Markieren oder Kennzeichnen von Daten, wie zum Beispiel Bildern, mit geografischen Informationen wie dem Längen- und Breitengrad an dem das Bild entstanden ist [WIKI10]. Während Geotagging bei Bildern bereits recht geläufig ist, bieten neuere mobile Endgeräte auch die Möglichkeit sich selbst mit einem Geotag zu versehen. So kann man beispielsweise die eigene Joggingstrecke aufzeichnen und anschließend anhand der Geodaten Rückschlüsse ziehen, wie zum Beispiel die Länge der gelaufenen Strecke oder auch die Durchschnittsgeschwindigkeit. Um auf die Geschwindigkeit schließen zu können, muss man allerdings neben den Geodaten auch noch die aktuelle Uhrzeit in den Geotag mit aufnehmen. In Verbindung mit dem Web 2.0 können diese Daten dann auch Anderen zugänglich gemacht, beziehungsweise mit Anderen geteilt werden.

2.6 Geo Social Networks

Wie auch bei Social Networks geht es bei Geo Social Networks um das Knüpfen und Pflegen von Kontakten. Neben den üblichen Informationen wie Interessen, Wohnort oder Arbeitsplatz, spielt bei diesen Netzwerken der momentane Standort eine entscheidende Rolle. Es wird dadurch möglich die virtuelle soziale Identität mit der wirklichen Identitäten und dem aktuellen Standort zu verknüpfen. Aus diesem Grund sind Geo Social Networks auch inzwischen für den mobilen Gebrauch konzipiert und setzten somit mobile Endgeräte für die Nutzung des vollen Funktionsumfangs voraus.

Bei frühen Geo Social Networks (zum Beispiel Dodgeball), auch Mobile Social Networks genannt, erfolgte die Ortsbestimmung per Kurzmitteilung. Anderen Nutzern wurde ebenfalls per Kurzmitteilung mitgeteilt, sobald sich Freunde in der Nähe anmeldeten [HUMP07]. Inzwischen nutzen Geo Social Networks die bei Mobiltelefonen integrierte automatische Ortung, sodass der Nutzer lediglich an einem gewünschten Ort an dem er sich befindet einchecken muss. Diese sogenannten Check Ins bilden wie auch schon bei den frühen Geo Social Networks das zentrale Instrument dieser Netzwerke, sind nun aber mit deutlich weniger Aufwand verbunden, als bei den Anfängen dieser Netzwerke. Auch benötigen Sie keine Kurzmittelungen mehr um Benutzer auf den aktuellen Stand zu bringen. Sie setzen vielmehr auf eigene Applikationen mit grafischer Benutzeroberfläche für Smartphones. Wichtige Aktualisierungen von vernetzten Personen werden mittels Push-Diensten bei Wunsch direkt auf das Display gebracht. Ein gutes Beispiel für diese Art von Applikationen bietet foursquare, eines der größten reinen Geo Social Networks, mit seinen Umsetzungen für mobile Geräte [FOUR10].

3 Ansätze für Geo Social Business

Ansätze die versuchen Geo Social Networks oder aber eine Kombination aus Social Media mit Geodaten für kommerzielle Zwecke zu nutzen, werden in dieser Arbeit als Geo Social Business bezeichnet. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf Verwendungen im Mobile Business gelegt, da in diesem Bereich der größte Mehrwert durch die Verwendung von Geodaten generiert wird. Geo Social Networks sind ebenfalls für die mobile Verwendung ausgelegt und können somit am besten im Mobile Business eingesetzt werden. Social Networks für kommerzielle Zwecke einzubinden, ermöglicht es gezielt Informationen der Kunden zu verwenden, um effizienter agieren zu können. In Tabelle 1 werden Informationen gezeigt, die bei Facebook gespeichert und an Dritte weitergegeben werden können.

Tabelle 1 : Persönliche Profildaten in Facebook [FACE11].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Geo Social Business ist daher sehr stark auf Daten verschiedenster einzelner Unternehmen angewiesen, weshalb diese Unternehmen untereinander Kooperationen eingehen müssen, um diese Daten miteinander zu verbinden und dann den Kunden ein zufriedenstellendes Angebot zur Verfügung zu stellen [SCHÄ08, S. 19f.].

3.1 Geo Social Marketing

Durch die immer größer werdende Bedeutung von Sozialen Netzwerken sowie das starke Wachstum von Social Media Marketing bietet sich für das Geo Social Business in diesem Bereich ein breites Anwendungsspektrum. Gerade durch die Kombination von Geodaten mit Social Media Marketing ergibt sich mit dem Geo Social Marketing eine interessante Anwendungsmöglichkeit.

Geo Social Marketing wird hierbei, wie auch das mobile Marketing als Direktmarketinginstrument verwendet. Der Vorteil dieser Marketing Strategie ist die zielgerichtete und individuelle Ansprache der einzelnen Kunden, um somit eine direkte Reaktion der Kunden zu erzeugen [BUSE08, S. 444f.].

Um eine solche direkte Ansprache des Kunden zu ermöglichen, müssen entsprechende Vorraussetzungen erfüllt werden. Man muss den Kunden jederzeit an jedem Ort individuell ansprechen können, was durch die immer stärkere Verbreitung von Smartphones immer besser möglich wird. Außerdem muss dem Kunden die Möglichkeit zur Interaktion gegeben werden. Dies wird ebenfalls durch die stärkere Verbreitung von Smartphones begünstigt. Schließlich muss es dem werbetreibenden Unternehmen möglich sein, das Marketing individuell an Interessen und Gewohnheiten der Kunden anzupassen und somit die individuelle Ansprache überhaupt erst zu ermöglichen [BUSE08, S. 445f.]. Durch die Verknüpfungen des Marketings mit Sozialen Netzwerken ist es möglich, genaue Kundenprofile zu erstellen, womit auch das individuelle Anpassen des Marketings an den Kunden ermöglicht wird.

Einige Methoden für ein solches Geo Social Marketing werden hier nun genauer behandelt.

3.1.1 Push/Pull und Permission Marketing

Für die Ansätze des Geo Social Marketing gibt es zwei sich grundsätzlich unter-scheidende Marketingansätze. Zum einen das Push-Marketing bei dieser Art des Marketings werden die Inhalte auf die mobilen Endgeräte, wie der Name schon andeutet, geschoben. Der Nutzer muss die Inhalte nicht jedes Mal erneut explizit anfragen, sondern bekommt neue Inhalte immer direkt auf sein mobiles Endgerät gesendet. Er muss lediglich einmal zu Beginn des Push-Dienstes sein Einverständnis geben, danach darf das Unternehmen selbstständig neue Informationen an den Nutzer schicken [BUSE08, S. 448f.]. Um den gesetzlichen Datenschutzbestimmungen genüge zu tun, ist die Einholung des Einverständnisses notwendig, somit erfüllt das Push-Marketing auch die Prinzipien des Permission Marketing. Dieses wurde 1999 eingeführt. Permission Marketing reagierte auf den Umstand, dass unerwünschte Werbung von Konsumenten als störend empfunden wird und als Folge daraus sogar zu negativen Effekten führen kann. Das Permission Marketing dämmt außerdem nicht nur den negativen Effekt von unerwünschter Werbung, sondern zusätzlich wird auch der Marketingetat zielbringender eingesetzt, da Streuverluste besser vermieden werden [KIZI09, S. 7].

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Details

Seiten
48
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783863416942
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Erscheinungsdatum
2013 (Juli)
Note
2
Schlagworte
Mobile Business Geo Marketing Social Network eBusiness Social Media Geotagging Augmented Reality

Autor

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