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Turnen mit Style: Le Parkour als Möglichkeit, um das Turnen für Schüler im Schulsport ansprechender zu gestalten

Examensarbeit 2012 41 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

2.1.2 Turnen im Sportunterricht

Turnen im Sportunterricht ist, wie aus der geschichtlichen Entwicklung hervorgeht, schon immer Bestandteil des Schulsports gewesen. Dabei spricht das Turnen wie keine andere Sportart die nach Kurz (2001) formulierten sechs pädagogischen Perspektiven an. Das sind:

1. Die Wahrnehmungsfähigkeit verbessern, Bewegungserfahrung erweitern
2. Sich körperlich ausdrücken, Bewegung gestalten
3. Etwas wagen und verantworten
4. Das Leisten erfahren, verstehen und einschätzen
5. Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen
6. Gesundheit fördern, Gesundheitsbewusstsein entwickeln

Eine Erläuterung dieses Konzepts erfolgt in Kapitel 3.4. Es wird deshalb hier nicht näher darauf eingegangen. Das traditionelle Turnen untergliedert sich in das Bodenturnen, den Sprung und das Turnen an den verschiedenen Geräten wie Barren, Stufenbarren, Schwebebalken, Reck, Ringe und Pauschenpferd.

Schwierigkeiten, die Lehrer mit dem Unterrichten des Turnens haben, sind einerseits, dass „ein direkter Transfer von theoretisch erarbeiteten Konsequenzen in die tatsächliche Unterrichtspraxis im Schulturnen aus vielerlei Erwägungen heraus äußerst schwierig, wenn nicht sogar unmöglich ist (Hafner 2009, S. 8). Sei es aus Materialmangel, Sicherheitsaspekten oder auch aus Zeitmangel. Andererseits tragen Überlegungen hinsichtlich der Realisierung verschiedener Ziele im Turnen, wie zum Beispiel der Kippe am Reck oder der Salto, schon ein gewisses Maß an Unsicherheit und Fragwürdigkeit in sich. So arbeitet man in der Schule mit vielen verschiedenen Schülern, die in ihren Lernvoraussetzungen nicht unterschiedlicher sein könnten und somit eine ausgiebige Differenzierung unerlässlich machen. Ausgehend von den neuen Kerncuriccula geht es ohnehin nicht mehr um spezielle Lernziele, sondern um Kompetenzen, die die Schüler während des Sports erwerben sollen. Wie sollte das Turnen nun also gestaltet werden, damit man möglichst jedem einzelnen Schüler gerecht wird, ohne ihn zu über- oder unterfordern und somit den Spaß am Turnen zu ermöglichen. Eine interessante Möglichkeit das zu erreichen, bietet meiner Meinung nach „Le Parkour“.

2.2 Le Parkour: Warum gerade diese Trendsportart?

2.2.1 Sinn und Ziele von „Le Parkour“: Die Philosophie

Der Begriff „Le Parkour“ kommt aus dem Französischen und bedeutet soviel wie „Kurs“ oder „Strecke“. Vom französischen Militär in Vietnam während der 50er Jahre ausgebildet und mit der damaligen, vom Militär entwickelten, méthode naturelle (Die Erläuterung dieser Methode erfolgt unter Abschnitt 2.2.2) vertraut, übte Reymond Belle mit seinem Sohn David im natürlichen Gelände entsprechende Bewegungsfertigkeiten(Angriff, Flucht und geschicktes Verhalten). Als die Familie Ende der 80er Jahre nach Lisses, einem Vorort von Paris umzog, übertrug der Sohn David Belle die in der Natur durchgeführten Bewegungen, auf das urbane Umfeld der Stadt(vgl. Schmitt-Sinns, 2010, S.31). Es entstand der Begriff Le Parkour. Man spricht bei Le Parkour von einer Crossover -Sportart, da sie Elemente aus verschiedenen Sportarten wie Leichtathletik(Springen und Laufen) und Turnen(Hangeln, Stützen und Rollen) vermischt.

Aufgrund des Bekanntheitsgrades und seiner anhaltenden anziehenden Wirkung auf junge Leute besitzt Le Parkour inzwischen den Status einer Trendsportart und ist mehr als nur eine Modeerscheinung(vgl. Wopp, 2006, S. 16 f.).

Das Ziel der Akteure dieser Sportart ist es, den kürzesten und elegantesten Weg zwischen zwei Punkten einer Strecke zu finden und die dabei vorkommenden Hindernisse möglichst fließend zu überwinden(vgl. Kraft, 2007, S.176). Dies kann sowohl in der Natur als auch in der Stadt sein. Der Sportler dieser Trendsportart nennt sich Traceur. Auch dieser Begriff kommt aus dem Französchen und bedeutet soviel wie: Der eine Linie zieht, oder auch der sich den Weg ebnet(vgl. Kraft, 2007, S. 176). Das Ziel des Traceurs ist vor allem Effizienz und Schnelligkeit und nicht das perfekte Ausführen einer Lehrbuchtechnik. Dabei stehen der fließende Bewegungsablauf, die Effektivität in Bezug auf den festgelegten Parkour und der Spaß im Vordergrund. Im Gegensatz zum Freerunning kommt es dabei nicht auf waghalsige und tollkühne Sprünge an. Dieses Ziel kommt vor allem heterogenen Schulklassen entgegen und bietet großzügigen Bewegungs- und Gestaltungsspielraum.

Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene männlichen Geschlechts fühlen sich von dieser Sportart angesprochen. Diese eigenständige Jugendszene weist dabei in Kleidung und Musik Parallelen zur Hip-Hop und Skaterszene auf.

Trotz der Uminterpretierung der festgelegter Funktionen der Architektur und die Idee der Zurückeroberung des urbanen Raums, ist ein wichtiges Hauptprinzip von Le Parkour ein respektvoller Umgang mit der Umgebung und den Mitmenschen(vgl. Schmitt-Sinns, 2010, S. 33).Die Philosophie von Le Parkour zeichnet sich durch die Verbindung von Mensch und Natur aus und durch die sozialkritische Auseinandersetzung mit seiner unmittelbaren Umwelt. Es kommt dabei zu einem Training von Körper und Geist durch die Umsetzung natürlicher Bewegungen aus der Natur.

2.2.2 Entstehung von Le Parkour und seine Aktualität

Wie schon im vorhergehenden Abschnitt angerissen, wurde Le Parkour von David Belle erfunden, der von seinem Vater Raymond die méthode naturelle erlernte und sie auf den urbanen Raum der Stadt übertrug. Raymond Belle erlernte diese Art des Trainings als französischer Soldat während seiner Militärzeit in Indochina. Sie ermöglichte es ihm, schnell durch unwegsames Gelände zu laufen.

Entwickelt wurde die méthode naturelle von George Hebert (1875-1957). Er war der Auffassung, dass das Training in und mit der Natur den Menschen widerstandsfähiger macht. Inspiriert dazu wurde er auf seinen zahlreichen Reisen nach Afrika und andere ferne Länder, bei denen er Menschen beobachtete die eng im Einklang mit der Natur lebten. Sein Training bestand dabei aus Laufen, Rennen, Klettern, Balancieren, Springen, Schwimmen und Selbstverteidigung. Dadurch wurden neben den konditionellen Fähigkeiten wie Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer auch die mentalen Fähigkeiten wie Selbstvertrauen, Anpassungsfähigkeit, Respekt und Bescheidenheit trainiert. Es blieb jedoch nicht beim Überwinden natürlicher Hindernisse. So wichen die natürlichen Hindernisse mit der Zeit „Parcourstrecken“, die mit künstlich erbauten Hindernissen im Gelände bestückt waren(vgl. Schmitt-Sinns, 2010, S. 30).

Der Sporthistoriker Carl Diem sah das hébersche System als Teil des natürlichen Turnens(Hindernisturnens) an, wie es sich ausgehend von Österreich auch im Deutschen und Schwedischen Turnen ausbreitete(vgl. Diem, 1960, S.877).

Ausgehend von der méthode naturelle entwickelte David Belle mit seinen Freunden eine auf ihre natürlichen Begebenheiten angepasste Sportart, die es ihnen ermöglichte sich auch im urbanen Raum der Stadt schnell fortzubewegen.

Zunächst nur in Frankreich bekannt, verbreitetet sich Le Parkour und wurde in vielen Ländern zum Trend unter Jugendlichen. Es entstand die Gruppe Yamasaki, mit der David Belle einige Jahre gemeinsam die „Kunst der Fortbewegung“ weiter entwickelte, von der er sich aber nach Auffassungsunterschieden wieder trennte. Sébastien Foucan erweiterte die Bewegungen durch Akrobatische Elemente und machte so die Sportart auch für das Fernsehen interessant. Parkour hatte nicht mehr das Ziel so schnell wie möglich von A nach B zu kommen, sondern die Strecke möglichst spektakulär zu überwinden. Es entstand das sogenannte Freerunning.[1] Eine gute Übersicht zur Entstehung der verschiedenen Bewegungskünste zeigt nachfolgende Grafik:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb 1: Übersicht, Entstehung, Zusammensetzung und Relation aktueller Bewegungskünste (zitiert nach Müller, 2009, freerunning.net)

Anfang 2005 gründete David Belle die Parkour Worldwide Association(PAWA) und verließ sie wegen der oben beschriebenen Auffassungsunterschiede. Besonders das Internetportal YouTube sorgte für die rasche Verbreitung vieler spektakulärer Videos, auf denen die Traceure immer spektakulärere Bewegungen durchführten.

Die zunehmende Kommerzialisierung von Le Parkour durch Filme wie Yamaksi oder James Bond – Casino Royal, oder Werbefilme von Toyota, Nissan und Nike als auch Musikvideos z.B. von Madonna – Hung up, trägt zwar zur Popularisierung bei, stößt aber bei seinen Anhängern zunehmend auf Kritik(vgl. Schmitt-Sinns, 2010, S. 33), denn was in solchen Filmen zu sehen ist, sind nur waghalsige Aktionen des „Free Runnings“. Die nur wenig mit der Idee von Le Parkour zu tun haben.

Unabhängig von solchen Differenzen, ist es gerade die inhaltliche kreative Freiheit zur Gestaltung, die den Sport für Jugendliche so interessant und attraktiv macht. So sind bis heute immer mehr Kleingruppen entstanden, die Le Parkour und Freerunning betreiben und sich darüber austauschen. Aus diesem Grund sollte man im Schul- und Vereinssport Le Parkour und Freerunning immer als Mix anzubieten, da so die Schüler ihren Fähigkeiten entsprechend selbst differenzieren können. Durch den problemorientierten Ansatz, die kreative Freiheit und den Lebenswelt- und Altersbezug bedarf es im Sportunterricht keiner Motivationskünste um Schüler für diese Sportart zu begeistern.

2.2.3 Bewegungselemente und ihre Funktion

Ausgehend von der Philospohie der Sportart Le Parkour gibt es verschiedene Basis­bewegungen die es dem Traceur ermöglichen Hindernisse jeglicher Art zu überwinden. Neben der im vorherigen Kapitel angesprochenen Effizienz und Ökonomie der Hindernis-überwindung spielt vor allem der individuelle Bewegungsstil eine bedeutende Rolle und ist ein grundlegendes Merkmal von Le Parkour.

Deshalb sollte jede Lehrkraft Wert auf die Eigenkreativität der Schüler und weniger auf die technisch saubere Ausführung der Elemente legen. Trotz der kreativen Freiheit gibt es einige Grundelemente, die dem Traceur Problemlösungsstrategien zur Überwindung der Hindernisse an die Hand geben. Grundelemente von Le Parkour sind das Laufen, Hangeln, Stützen, Schwingen, Überwinden, Hochziehen, Loslassen und eine Vielzahl verschiedener Sprünge. Den Sprüngen wird meist eine Rolle angefügt, da sie die Fallgeschwindigkeit drosselt und so Verletzungen vorbeugt. Die gilt vor allem bei Sprüngen aus großer Höhe.

Aus diesem Grund sollte die Rolle in den ersten Stunden von Le Parkour gerade im Sportunterricht eingeführt werden. Wichtig für die optimale Auswahl der entsprechenden Elemente ist eine entsprechende realistische Selbsteinschätzung durch die Schüler. Diese versuche ich durch Reflexionsgespräche am Ende jeder Stunde zu fördern, da sie aus einer Vielzahl von Bewegungen die für sich passende und ihrem können entsprechende Bewegung auswählen müssen.

Die verschiedenen Elemente lassen sich besonders gut anhand der nachfolgenden Tabelle darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Schmidt-Sinns, 2010, S.111 ff.)

3 Präsentation der Einheit

Nach den Erläuterungen verschiedener begrifflicher und inhaltlicher Grundlagen zu Einheit folgt in diesem Abschnitt die Präsentation der durchgeführten Einheit. Wie in der Einleitung beschrieben, versuche ich mit dieser Einheit, das Turnen durch die Trendsportart Le Parkour, für die Schüler wieder attraktiver zu gestalten. In diesem Abschnitt wird zunächst ein Überblick über die durchgeführten Unterrichtsstunden zur Einheit gegeben.

Daran schließt sich eine Analyse der Lerngruppe, bezogen auf ihre Lernausgangslage, an. Danach folgen die Lernziele der Einheit, ein Überblick über das angewendete sportdidaktische Modell, die methodische Überlegung und die Präsentation zweier Doppelstunden.

3.1 Überblick zur durchgeführten Einheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Lernvoraussetzungen der Schüler und Schülerinnen

Die Klasse 10 C setzt sich aus 24 Schüler/innen[2] zusammen. Die Klasse unterrichte ich seit Beginn des Schuljahres im Fach Sport.

Das Arbeitsverhalten und die Lernmotivation innerhalb der Gruppe sind positiv. Die Klasse ist sehr aufgeweckt und bewegt sich gern, vor allem zur Musik. Im Bereich Spiele wurde die große Einsatzbereitschaft und Freude am sportlichen Vergleich deutlich. Schwierigkeiten bestehen beim Übergang von einer Phase der sportlichen Aktivität in eine Phase des Erklärens. Besonders den Jungen fällt es hier schwer sich zu beruhigen und aufmerksam zuzuhören. Vor allem Thomas, Markus, Jürgen und Rolf haben das Bedürfnis sich immer wieder unaufgefordert verbal zu äußern. Meist geschieht dies nicht auf das Thema bezogen, sondern dient eher dem Zweck, die Aufmerksamkeit der anderen Schüler auf sich zu ziehen. Da alle vier Schüler aber sehr ehrgeizig und am Sport interessiert sind, reicht meist ein kritischer Hinweis durch den Sportlehrer und die Schüler folgen wieder konzentriert dem Unterricht. Bei den Mädchen stören vor allem Svenja[3], Anna und Sophie durch ständige Privatgespräche während einer Reflexions- oder Kommunikationsphase. Durch ein gezieltes Befragen der störenden Schüler zu den genannten Antworten, wird ihnen meist schnell bewusst, dass sie mit ihrem Verhalten den Unterricht stören.

Im Bereich des Sozialverhaltens wird vor allem bei Spielen wie Völkerball deutlich, dass die Klasse im Team zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt. Die Einhaltung von Regeln im Spiel ist sehr gut, so gibt es kaum Fouls oder absichtliche Regelverstöße um einen Vorteil für das eigene Team zu erwirken.

Die Kommunikation innerhalb der Klasse ist manchmal aufgrund der Wortwahl etwas ungewohnt grob, aber doch meistens positiv gemeint. Peter, Mark, Stefan, Justus und Julia, gehören zu den zurückhaltenden Schülern der Klasse. Sie überlassen oft den oben beschriebenen dominanten Personen in der Klasse das Wort. Um dem entgegenzuwirken, werden sie von mir häufig aufgerufen und bei Gruppenarbeiten in Gruppen verteilt, bei denen sie auch zu Wort kommen. Vor allem Julia ist extrem zurückhaltend und auch noch nicht solang im Sportunterricht dabei, da sie erst Mitte September in aus dem Urlaub zurück gekommen ist. Sie nahm auch nicht an der Klassenfahrt teil. Von den Klassenkameraden wird Sarah ignoriert und als Mitglied der Klasse kaum anerkannt. Deshalb versuche ich sie immer wieder zur Mitarbeit zu ermutigen und durch gezieltes Loben zu motivieren.

In Bezug auf die Stoffeinheit ist die allgemeine sportliche Leistungsfähigkeit als heterogen anzusehen. Da die Klasse von mir koedukativ unterrichtet wird, müssen geschlechts­spezifische Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen berücksichtigt werden. Im Vergleich zu den Sportspielen hat sich im Bereich des Turnens an Geräten und hier im Besonderen bei Le Parkour ein ziemlich gemischtes Leistungsbild ergeben. Das hängt sowohl mit den unterschiedlichen Vorerfahrungen und Interessen als auch mit den körperlichen Voraus­setzungen der Schüler und Schülerinnen zusammen. Zu den leistungsstarken Schülern gehören bei den Jungen Thomas, Markus, Jürgen Stefan, Justus und Rolf. Sie zeigen Stärken im Bereich Kondition und Koordination. Bei den Mädchen gehören vor allem Stefanie, Nancy und Cora zu den Leistungsstärkeren. Besonders wichtig bei Le Parkour ist der Mut zur Wagnis, welcher auch den Unterschied zwischen den Leistungsstärkeren und den Leistungsschwächeren ausmacht. So zeigen alle oben genannten Schüler und Schülerinnen keine Angst beim Ausprobieren verschiedener Möglichkeiten zum Überwinden von Hindernissen. Im Gegenteil, man muss sie bremsen, da sie immer höhere und schwierigere Hindernisse überwinden wollen und damit größere Risiken eingehen.. Insgesamt zeigt die Klasse meist großes Engagement und Motivation. Zu den schwächeren Schülern zählen Horst, Phillip, Leon, Tanja, Stefanie. Neben den koordinativen Problemen ist ihre eigene Überwindungsangst das größte Problem. Vor allem bei den Mädchen hat sich diese Angst im Laufe des Sportunterrichts verstärkt, da sie in den vorangegangenen Jahren immer wieder Negativerlebnisse im Turnen gesammelt haben. Vor allem beim Springen über Hindernisse wird dies deutlich. Gerade hier bietet es sich an, differenzierte Angebote zu machen, um ihnen diese Angst zu nehmen. Im leistungsmäßigen Mittelfeld bewegen sich Jana, Carolin, Mathias und Peter. Beim Überwinden von Hindernissen probieren sie viel aus, geben aber auch schnell auf, wenn Schwierigkeiten auftreten. Hier helfen meist motivierende Worte durch den Lehrer, um die Schüler und Schülerinnen zu ermutigen, verschiedene Bewegungen durchzuführen. Grundsätzlich ist für alle Schüler der Klasse das Turnen in dieser Form neu. Es wurde zwar in den vorangegangen Jahren im Sportunterricht geturnt, jedoch geschah dies im klassischen Sinn an den verschiedenen Geräten.

3.3 Übergeordnete Lernziele

Bei der der Durchführung der Einheit gibt es verschiedene Kompetenzen die bei Schüler und Schülerinnen gefördert werden. Vor allem die Bewegungskompetenz, die Urteils- und Entscheidungskompetenz und die Soziale Kompetenz werden bei Parkour angesprochen.

Die Bewegungskompetenz bezieht sich dabei vor allem auf die folgenden Punkte.

Die Lernenden können

- Grundformen der Bewegungen bezogen auf die jeweilige Zielsetzung anwenden und gezielt im Rahmen der eigenen Möglichkeiten verbessern.
- in sportlichen Handlungssituationen Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit anforderungsgemäß anwenden.
- Bewegung anforderungsgemäß steuern und situationsadäquat variieren.
- grundlegende Möglichkeiten der Fortbewegung, des Richtungswechselns und Anhaltens auf situationsspezifische Erfordernisse anwenden.
- Bewegungsanforderungen unter Präzisions-, Zeit- und Variabilitätsdruck bewältigen.
- situationsbezogen fallen und landen.

(vgl. Kerncurriculum Sport, 2010, S. 19)

Im Bereich der Urteils- und Entscheidungskompetenz werden vor allem folgende Punkte gefördert.

Die Lernenden können

- Bewegungs- und Körpererfahrungen reflektieren.
- sich im handelnden Umgang mit Bewegung persönliche Ziele setzen, diese konsequent verfolgen und Strategien zu deren Erreichung reflektieren.
- ein fachbezogenes Repertoire an Methoden und Strategien zur Gestaltung von Bewegungssituationen nutzen.
- Ressourcen und Bewegungsräume, insbesondere die Natur, verantwortungsbewusst nutzen und die zugrunde liegenden Zusammenhänge erklären.
- Risiken benennen, Gefahren vermeiden, Wagnisse kontrolliert eingehen, verantwortungsbewusst sichern und helfen.
- das eigene Bewegungsvermögen realistisch einschätzen, reflektieren und situationsbezogen handeln.

(vgl. Kerncurriculum Sport, 2010, S. 20)

Im Rahmen der Sozialkompetenz sollen die Schüler vor allem ihre Teamkompetenz fördern, indem sie Stationen errichten und dabei auf die individuellen Fähigkeiten jedes Einzelnen achten. Dies geschieht durch differenziertes Denken, das einen wichtigen Schwerpunkt der Einheit darstellt. Daneben solle die Schüler auch ihr Selbstkonzept stärken, um eine positive Einstellung zum Turnen im Sportunterricht zu entwickeln und negative Erlebnisse aus der Vergangenheit zu verdrängen.

Diese Übersicht macht deutlich, inwieweit Le Parkour die Möglichkeit bietet, die Schüler und Schülerinnen in vielen verschiedenen Kompetenzbereichen zu fördern.

[...]


[1] Freerunnning bezeichnet eine erweiterung der Bewegungskünste durch Akrobatik und andere Kunstfertigkeiten, unabhängig von der zweckmäßigen Zielsetzung von A nach b zu gelangen(vgl. Schmitt-Sinns, 2010, S. 32).

[2] 11 Mädchen und 13 Jungen

[3] Alle nachfolgenden Namen sind frei erfunden.

Details

Seiten
41
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783863417727
Dateigröße
360 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v296680
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2
Schlagworte
Trendsportart Sportunterricht Unterrichtseinheit Sport Trendsport

Autor

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