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Online Shopsysteme - Einordnung, Arten und Funktionen: Vergleich und anforderungsorientierte Bewertung moderner Shopsoftware

Bachelorarbeit 2012 64 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

1.2 Aufbau und Ziele

Diese Arbeit gibt einen Einblick in den Aufbau, die Funktionsweise, die Funktionen sowie über Möglichkeiten moderner Online-Shopsysteme verschiedener Preisklassen und Zielrichtungen. Dazu werden verschiedene Ansätze unterschiedlicher Ausrichtung zu Einsatzfeld und Geschäftsmodell sowie ausgesuchte Funktionen betrachtet und die jeweiligen Vor- und Nachteile dargestellt. Ziel ist der allgemeine Vergleich verschiedener Arten moderner Online-Shop-Lösungen.

Ein weiteres Ziel dieser Arbeit ist die Erarbeitung verschiedener Kriterien für eine anforderungsgerechte und damit für jeden Shopbetreiber individuelle Bewertung moderner Shopsysteme. Dazu werden unterschiedliche Faktoren bestimmter Anforderungsbereiche an eine Shopsoftware beschrieben und dargestellt. Für die Bewertung und den Vergleich verschiedener anforderungsgerecht vorausgewählter Shopsysteme werden auf wenige, aber grundsätzliche Bereiche reduzierte Bewertungskriterien erarbeitet und vorgestellt. Im Anschluss wird beispielhaft der Vorgang einer anforderungsgerechten Bewertung auf Grundlage der erarbeiteten Anforderungs- und Bewertungskriterien beschrieben.

Das Ergebnis soll keine Handlungsempfehlung für ein konkretes Shopsystem sein, sondern sollen einem Shopbetreiber helfen anhand der erarbeiteten Bewertungs- sowie Anforderungskriterien seine individuellen Anforderungen zu definieren und diesen bei der Entscheidungsfindung für ein geeignetes System unterstützen. Ebenso soll der geschaffene Überblick über die verschiedenen Arten moderner Online-Shopsysteme dazu beitragen.

Für die Einordnung von Shopsoftware und zum individuellen Verständnis werden zunächst die Begriffe E-Business und E-Commerce erklärt. Anschließend wird auf unterschiedliche Arten, Funktionen und die Funktionsweise von modernen Shopsystemen sowie den Bereich Mobile-Commerce eingegangen.

2 Einordnung, Arten & Funktionen moderner Shopsysteme

In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe um das Thema E-Commerce und Online-Shopsysteme erläutert. Was E-Commerce ist und wie es sich von dem Begriff E-Business abgrenzt. Weiterhin wird erklärt, welchem Bereich des E-Commerce die Online-Shopsysteme zuzuordnen sind, welche unterschiedlichen Arten von Shopsystemen es auf dem Markt gibt und wie die Geschäftsmodelle der Anbieter aussehen. Ebenso wird aufzeigt, wie heutige Shopsysteme aufgebaut sind und wie sie funktionieren. Der letzte Abschnitt konzentriert sich auf unterschiedliche Funktionen moderner Shopsysteme und beschreibt diese.

2.1 E-Commerce & E-Business

Der Begriff E-Business (Electronic Business) wird oft fälschlicherweise mit dem Begriff E-Commerce (Electronic Commerce) gleichgesetzt. Vielmehr verhält sich die Bezeichnung E-Business als Oberbegriff zum Bereich des E-Commerce. Dabei steht E‑Commerce für den Handel und Vertrieb von physischen und digitalen Gütern sowie Dienstleistungen mittels Internet. Der Begriff E-Business ist weiter gefasst und meint die Gesamtheit aller elektronischen Geschäftsprozesse, die über digitale Netzwerke abgewickelt werden[1]. Gemeint sind hier also alle Unternehmen, die in irgendeiner Weise Transaktionen über das Internet regeln. So fällt bereits das Bereitstellen von relevanten Informationen für Kunden auf der Unternehmenswebseite in den Bereich des E‑Business, ebenso wie die Kommunikation oder der Informationsaustausch in Sozialen Netzwerken.

Im Gegensatz dazu, befasst sich E-Commerce klassischerweise nur mit dem Handel im Internet. In diesem Bereich können zwei Ausprägungsformen unterschieden werden, zum einen der Business-to-Consumer (B2C) und zum anderen der Business-to-Business (B2B) Bereich. In beiden Bereichen werden Produkte und Dienstleistungen angeboten. Jedoch richten sich beide an unterschiedliche Adressaten. Der B2B Bereich stellt die Handelsbeziehungen zwischen Unternehmen dar und der B2C Bereich richtet sich direkt an die Endkonsumenten und meint klassischerweise den Betrieb eines Onlineshops[2]. Online-Shopsysteme können damit einerseits dem B2C Bereich des E-Commerce zugeordnet werden und bilden als digitale Handelsplattformen erst die Grundlage für den internetgestützten Verkauf von Gütern an Endkonsumenten, andererseits ist der Einsatz einer modernen Shopsoftware durch einen geschützten Zugang auch im B2B-Bereich denkbar. Im Folgenden werden verschiedene, grundsätzliche Arten und Lizenzmodelle von Online-Shopsystemen beschrieben. Dabei lassen sich diese in kostenlose Open-Source-Shopsysteme, gekaufte Shopsoftware unterschiedlicher Preisklassen, Mietshops und individuell programmierte Lösungen unterteilen.

2.2 Open-Source-Shopsysteme

Open-Source-Shopsysteme zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie kostenlos sind und keinerlei Nutzungseinschränkungen unterliegen. Open-Source-Software darf beliebig oft kopiert, verbreitet oder benutzt werden ohne dafür irgendwelche Zahlungsverpflichtungen gegenüber einem Lizenzgeber eingehen zu müssen. Der große Vorteil von Open-Source-Shopsystemen liegt darin, dass auch der Quellcode offengelegt ist. Dadurch kann die Software nach Belieben angepasst und verändert werden. Allerdings sind für die Anpassung und Veränderung des Quelltextes umfassende Programmierkenntnisse erforderlich. Die Weiterentwicklung von Open-Source-Software basiert auf der aktiven Teilnahme von Nutzern und freiwilligen Entwicklern[3]. Dadurch sind sauber ausgearbeitete Dokumentationen oft nur vereinzelt verfügbar. Ebenso gibt es für Open-Source-Systeme in vielen Fällen keinen Herstellersupport. Jedoch wird dieser Umstand durch eine je nach Bekanntheit des Systems kleine oder große Community abgemildert[4]. So finden sich im Internet oft Lösungen für bereits bekannte Probleme. Durch aktive Teilnahme an der Community ist diese in vielen Fällen auch bereit, bei individuellen Problemen zu unterstützen. Obwohl Open-Source-Systeme kostenlos sind, bieten einige einen ähnlichen Funktionsumfang wie die teuren kommerziellen Systeme[5]. Aufgrund lückenhafter Dokumentationen und Fehlens eines Herstellersupports oder anderer Zusatzservices wie z. B. Installationsservice, eignen sich diese Systeme jedoch eher für Shopbetreiber mit weitreichenderem technischem Verständnis. Zudem ist der Aufbau eines Onlineshops mit Open-Source-Software zeitaufwändig. Allerdings besteht die Möglichkeit der Betreuung durch externe Dienstleister[6]. Diese bieten häufig zur Kostenersparnis bei der Shoplizenz und zur Zeitersparnis für den Betreiber Komplettpakete zum Aufbau eines Onlineshops auf Open-Source-Basis an. Entsprechend werden auch fehlende Leistungen und Services wie Support angeboten[7]. Durch die zunehmende Popularität der kostenlosen Open-Source-Systeme und den dadurch gestiegenen Servicebedarf dieser Systeme bieten einige Systemhersteller und Hostinganbieter mittlerweile auch einzeln zu buchbare Serviceleistungen an[8].

Im Folgenden ist eine Auflistung bekannter und viel genutzter Open-Source-Shop­systeme dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Beispiele für bekannte Open-Source-Shopsysteme

Als Beispiel für einen optischen Eindruck moderner Open-Source-Shopsysteme sind nachfolgend zwei Abbildungen dargestellt, die jeweils die Benutzeroberfläche (Frontend) und die Administrationsoberfläche (Backend) der PrestaShop Demo zeigen:

Benutzeroberfläche (Frontend), Url: http://demo-store.prestashop.com/de

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Beispiel für ein Open-Source-System - PrestaShop Demo – Frontend

(Quelle: PrestaShop AG [2012c]).

Administrationsoberfläche (Backend), Url: http://www.prestashop.com/demo/demo

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Beispiel für ein Open-Source-System - PrestaShop Demo – Backend

(Quelle: PrestaShop AG [2012d]).

Admin-Interface Demo-Zugangsdaten:

Benutzername: demo@prestashop.com

Passwort: prestashop_demo

Zusätzlich zu den bereits genannten Systemen bieten die kommerziellen Shopsystem-Hersteller OXID eSales, Magento und Shopware neben den kostenpflichten Versionen auch eine kostenlose Community Edition (CE) als Open-Source-Version.

2.3 Kommerzielle Shopsysteme

Grundsätzlich können bei den kommerziellen Shopsystemen zwei Geschäftsmodelle unterschieden werden, zum einen der Kauf eines Systems bzw. einer Lizenz zur Benutzung[9] und zum anderen verschiedene Mietmodelle[10]. Beide Varianten bieten unterschiedliche Vor- und Nachteile. Der Kauf eines Shopsystems ist mit höheren Anfangskosten verbunden. Dazu gehören z. B. die Shoplizenz, die Installation und die Einrichtung des Shopsystems, die Erstellung des Layouts, die Programmierung eines Templates sowie die Einweisung in das Shopsystem. Die Angebote der verschiedenen Shopsystem-Hersteller variieren von Standard- über Premium bis hin zu Enterprise-Versionen. Neben den kostenpflichtigen Versionen bieten viele Anbieter mittlerweile auch eine kostenlose Einstiegs-Standard-Version als Open-Source-Software ohne Zusatzservices oder Herstellersupport an[11]. Die Preise der kostenpflichtigen Versionen unterscheiden sich zum Teil erheblich und variieren zwischen hundert und mehreren tausend bis weit über zehntausend Euro. Das hängt vor allem mit der Leistung und den Funktionen eines Shopsystems sowie den zusätzlichen Services des Herstellers zusammen. Im Gegensatz zu den Open-Source-Shopsystemen bieten die meisten kommerziellen Anbieter häufig viele Zusatzservices wie Installation & Einrichtung des Shopsystems, Hosting, fertige Premium-Designs, Herstellersupport und Beratung an. Je nach Version eines Shopsystems sind einige dieser Leistungen bereits im Preis der Grundlizenz enthalten[12]. Zudem bietet eine sauber ausgearbeitete Dokumentation Hilfestellung bei Problemen[13]. Einen Überblick über erfolgreiche kommerzielle Shopsysteme gibt die folgende Tabelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Beispiele für erfolgreiche kommerzielle Shopsysteme

Zur Veranschaulichung folgen zwei Abbildungen des Shopware 3.5 DemoShop:

Benutzeroberfläche (Frontend), Url: http://www.shopwaredemo.de

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Beispiel für eine Kauflösung – Shopware 3.5 DemoShop – Frontend.

(Quelle: .shopware ag [2012c]).

Administrationsoberfläche (Backend), Url: http://www.shopwaredemo.de/backend/index

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Beispiel für eine Kauflösung – Shopware 3.5 DemoShop – Backend

(Quelle: .shopware ag [2012d]).

Im Gegensatz zu gekauften Shop-Lösungen wird ein Mietshop nicht anfangs einmalig bezahlt, sondern von einem Anbieter für einen monatlichen Betrag gemietet. Leistungen wie Hosting, Wartung, Sicherheitsupdates und Backups werden normalerweise vom Anbieter übernommen und sind im Mietpreis inbegriffen. Ebenfalls werden bei den Mietshops unterschiedliche Versionen von Basic bis Enterprise angeboten. Je nach Version unterscheiden sich Funktionsumfang, weitere Serviceleistungen und vor allem die Anzahl einstellbarer Artikel. Entsprechend sind die Preise von der ausgewählten Ausführung abhängig und liegen zwischen 10 Euro und durchschnittlich 70 Euro monatlich. Dabei liegt die Anzahl einstellbarer Produkte zwischen 100 und 30.000[14].

Mietshops sind in Ihrer Darstellungsvielfalt gegenüber anderer Shopsysteme eingeschränkt und es besteht meistens nur die Auswahl an einer Vielzahl vorgefertigter Layouts mit geringer Anpassungsfähigkeit. Insgesamt ist die Anpassungsfähigkeit eines Mietshops geringer als bei anderen Lösungen. Da das Hosting und die Administration normalerweise in der Verantwortung des Anbieters liegen, hat der Shopbetreiber keinen Zugriff auf den Quelltext des Shopsystems. Daher ist die Entwicklung eigener Erweiterungen nicht möglich[15]. Allerdings sind die meisten Mietshops gerade für Einsteiger leicht zu verwalten und schnell aufzubauen. Zudem verursachen sie geringe Einstiegskosten. Bekannte Anbieter von Mietshops sind die Webhoster 1und1 (www.1und1.de), Strato (www.strato.de) und Hosteurope (www.hosteurope.de). Einige der kommerziellen Shopsystem-Hersteller bieten auch die Auswahl zwischen dem Kauf oder der monatlichen Miete ihrer Shopsysteme[16].

2.4 Individuelle Systeme

Individuell programmierte Shopsysteme bieten den Vorteil, dass sie optimal an die Bedürfnisse eines Shopbetreibers angepasst sind. Diese können sehr unterschiedlich sein und reichen von der Darstellung eines Shops über spezielle Funktionen und Schnittstellen bis zur Bedienbarkeit und Administration des Systems. Von Grund auf individuell programmierte Systeme sind mit einem hohen Entwicklungsaufwand verbunden und entsprechend sehr teuer. Daher kommt eine Eigenentwicklung grundsätzlich nur für kapitalstarke Unternehmen in Frage. Ebenso ist der Aufwand für die Endwicklung im Zusammenhang mit dem Nutzen eines individuellen Shopsystems zu berücksichtigen. Bei einer Vielzahl an verfügbaren und bewährten Shopsystem-Lösungen für vielfältige Anforderungen lohnt sich ein individuelles Shopsystem oft nicht. In vielen Fällen ist es praxisgerechter und kostengünstiger, auf eine der bekannten Shopsystem-Lösungen zu setzen und diese an seine individuellen Bedürfnisse anzupassen[17]. Ein weiterer Nachteil eigenentwickelter Systeme besteht in der Abhängigkeit zu dem Systementwickler. Support und Wartung sind meistens ebenfalls aufwendig und teuer. Zudem sind Eigenentwicklungen softwaretechnisch häufig nicht so weit ausgereift wie bewährte Systeme. Ob eine individuell entwickelte Lösung den am Markt verfügbaren Shopsystem-Lösungen überlegen ist, kann nur im Einzelfall entschieden werden[18].

2.5 Aufbau eines modernen Online-Shopsystems

Grundsätzlich sind Shopsysteme in zwei Bereiche unterteilt. Zum einen in das Frontend und zum anderen in das Backend. Das Frontend wird einem Besucher beim Betreten eines Onlineshops angezeigt und dient der reinen Benutzung eines Systems. Im Gegensatz dazu dient das Backend zur Verwaltung und Administration eines Systems. Hier werden Produkte verwaltet, Bestellungen bearbeitet oder Änderungen an den Grundeinstellungen eines Shopsystems vorgenommen. Das Backend ist normalerweise ohne HTML-, CSS- oder Programmierkenntnisse bedienbar. Ebenso ist der Zugang geschützt und nur der Shopbetreiber oder die Administratoren haben Zugriff darauf. Durch die Trennung von Front- und Backend hat ein Shopbetreiber die Möglichkeit im Backend zu arbeiten, obwohl Kunden das System gleichzeitig nutzen. Einstellungen und Daten über Produkte, Bestellungen, Kunden, Statistiken, etc. werden in einem modernen Shopsystem üblicherweise in einer Datenbank gespeichert[19]. Dadurch werden Inhalte und Einstellungen von der logischen Struktur und den Programmdaten eines Shopsystems getrennt. Das bietet den Vorteil, dass beide Teile getrennt voneinander administriert und gewartet werden können. Sollte es zu schwerwiegenden Fehlern im Shopsystem kommen, so bleiben die Inhalte unberührt – und umgekehrt. Idealerweise laufen Datenbanken auf einem eigenen Datenbankserver und entlasten so den Webserver mit den Programmdaten. Dadurch entsteht ebenfalls die Möglichkeit, eine Datenbank auf mehreren Datenbankservern parallel zu betreiben. Gründe dafür sind die Erhöhung der Ausfallsicherheit und die Entlastung eines einzelnen Datenbankservers bei starker Auslastung eines Onlineshops. Ein weiterer Vorteil von Datenbanken ist, dass sie bereits für die Verwaltung und Abfrage vieler Datensätze ausgelegt und optimiert sind. So können Datenanfragen schneller verarbeitet werden. Dies wirkt sich vor allem bei starker Nutzung eines Onlineshops und bei vielen Produkten aus.

Auch die Programmstruktur und das Design einer modernen Shopsoftware sind voneinander getrennt. So wird das Layout über sogenannte Templates (engl. für Schablonen) in ein Shopsystem eingebunden. Ein Template kann als eine Art Mustervorlage betrachtet werden. Es besteht wie eine normale statische Internetseite aus HTML-Strukturelementen und CSS-Layoutelementen, die das Grundgerüst für die spätere Anzeige im Browser bilden. Ebenso sind die Grafiken für das Shopdesign enthalten. Zusätzlich enthält ein Template verschiedene Variablen. Diese werden beim Aufrufen des Onlineshops vom System durch Inhalte wie Menüstruktur und Produkte ersetzt[20]. Die Trennung von Design und Struktur hat den Vorteil, dass mit Einbinden eines neuen Templates ein komplettes Shopdesign schnell geändert werden kann[21]. Dabei bleiben auch hier die Struktur und die Inhalte eines Onlineshops unberührt. Ein zusätzlicher Vorteil der Trennung von Design und Struktur ist die Möglichkeit der Nutzung unterschiedlicher Templates für verschiedene Anzeigegeräte. Dadurch kann das Shoplayout für die jeweilige Anzeige und Bedienung unterschiedlicher Geräte wie Smartphone, Tablet-PC, Laptop, etc., optimiert und angepasst werden. Zur besseren Darstellung des Aufbaus moderner Online-Shopsysteme dient die folgende vereinfachte schematische Abbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Vereinfachter schematischer Aufbau moderner Online-Shopsysteme

Insgesamt sind heutige Shopsysteme modular aufgebaut. Das bedeutet, dass einzelne Teile und Funktionen eines Systems getrennt voneinander weiterentwickelt werden können, ohne dabei andere Funktionen zu beeinträchtigen. Der zweite wichtige Vorteil des modularen Aufbaus ist die Erweiterbarkeit von Shopsystemen.

2.5.1 Modulare Erweiterungen

Wie im vorherigen Abschnitt beschrieben, ist moderne Shopsoftware modular aufgebaut und bietet entsprechend die Möglichkeit zur Erweiterung. Dies können zum Beispiel grafisch besonders aufwendige Artikelgalerien oder neue Zahlungsmethoden sein.[22]

Bei den kommerziellen Shopsystemen werden die Erweiterungen kostenpflichtig oder als kostenlose Zusatzmodule angeboten. Die Anzahl verfügbarer Erweiterungen variiert je nach Shopsoftware zwischen einigen wenigen und mehreren tausend[23]. Ebenso unterscheiden sich die direkt im Funktionsumfang enthaltenen Funktionen. Manche Anbieter bieten selbst die Funktionen zur Suchmaschinenoptimierung nur als Zusatzmodul an.[24]

Bei den Open-Source-Shopsystemen hängt die Anzahl vorhandener Zusatzmodule mit der Popularität des Systems und entsprechend mit der Größe der Community und mit der Menge an Entwicklern zusammen. So sind für die verbreiteten Systeme mittlerweile mehrere hundert bis sogar tausende Erweiterungen verfügbar. Diese werden entweder kostenlos als Open-Source-Software freigegeben oder als Premium-Komponente kommerziell vertrieben.[25] Da die Open-Source-Shopsysteme kostenlos sind, ist der meistens günstige Zukauf von Premium-Komponenten für viele Shopbetreiber sicherlich ein guter Kompromiss aus geringeren Kosten und besonderen Funktionen. Manche Dienstleister bieten zudem die kostenpflichtige Erstellung von Erweiterungen und individuellen Lösungen für Open-Source oder kommerzielle Systeme an[26].

2.5.2 Shopsysteme als CMS Erweiterung

Klassische, reine Onlineshop-Systeme sind komplette Systeme, die selbständig und ohne Basissoftware lauffähig sind. Daneben gibt es auch Shopsysteme, die nicht selbständig, sondern als Erweiterung eines anderen Systems funktionieren[27]. Die Basis für solche Shop-Lösungen bilden sogenannte Content-Management-Systeme (CMS). CMS dienen der Verwaltung von Text- oder Multimediainhalten. Ziel eines solchen Systems ist die zielgruppengerechte Darstellung der Inhalte in einem Webbrowser[28]. Im Gegensatz zu einem Shopsystem ist ein CMS damit eher auf allgemeine statt auf spezielle E-Commerce-Inhalte fokussiert. Dadurch entstehen verschiedene Einsatzfelder. Diese reichen vom Aufbau einer eher statischen Internetseite über Online-Blogs bis hin zu sehr dynamischen Redaktionswebseiten.[29] Ein CMS ist ähnlich aufgebaut wie ein Shopsystem: Front- und Backend, Datenbank, Trennung von Struktur und Design sowie modularer Aufbau - also erweiterbar[30]. Um mit einem CMS nicht nur Inhalte zu verwalten, sondern um dieses auch als Verkaufsplattform nutzen zu können, sind für viele CMS Onlineshop-Lösungen als Erweiterung verfügbar[31]. Dabei bedienen sich die Erweiterungen bereits vorhandener Grundfunktionen eines CMS und bauen auf diesen auf. Dieses können zum Beispiel Funktionen für Datenbankanbindung, Benutzerverwaltung oder Template-Verwaltung sein. Ziel der Integration einer Shopsystem-Erweiterung in ein CMS ist es, die Vorteile der normalerweise getrennten Systeme in einem System nutzen zu können. Daher eignet sich diese Kombination entsprechend vor allem dann, wenn ein kleiner Onlineshop vollständig in die Struktur und das Design einer Webseite integriert werden soll. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass eine bereits bestehende und CMS gestützte Webseite nachträglich schnell und einfach um E‑Commerce Funktionalitäten erweitert werden kann. Der Aufbau eines komplett eigenständigen Onlineshops ist in den meisten Fällen mit wesentlich mehr Aufwand und Kosten verbunden. Im Folgenden ist ein Beispiel eines Onlineshops auf Basis des CMS Joomla! mit der Shopsystem-Erweiterung VirtueMart dargestellt. Der Onlineshop wurde nachträglich eingerichtet und vollständig in das Layout der Webseite integriert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Beispiel eines Onlineshops auf CMS-Basis mit Shopsystem-Erweiterung

(Quelle: Modehaus Boot [o. J.]).

Das nächste Beispiel zeigt die in das CMS integrierte Administrationsoberfläche anhand des VirtueMart Demo Shop:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: VirtueMart Demo Shop – Backend

(Quelle: VirtueMart eCommerce Solution [2012b]).

Der Nachteil bei den verfügbaren Shopsystem-Erweiterungen besteht darin, dass sie den reinen Shopsystemen in Funktionalität und Bedienkomfort unterlegen sind. Der Nachteil im Bedienkomfort wird durch die Einbettung in ein CMS begründet. Systembedingt müssen verfügbare Shopsystem-Erweiterungen für eine nahtlose Integration an die Struktur des CMS angepasst werden. Diese sind jedoch auf die Verwaltung von Inhalten optimiert und nicht speziell für den Einsatz im E-Commerce. Der eingeschränkte Funktionsumfang lässt sich damit erklären, dass es nicht Ziel dieser Kombinationslösungen ist, umfangreiche Onlineshops mit vielen tausend Produkten und Bestellungen am Tag aufzubauen. Für ein solches Vorhaben empfiehlt sich der Einsatz einer dafür optimierten reinen Shopsoftware mit entsprechenden Funktionen. Vielmehr bleibt in dem beschriebenen Szenario die Fokussierung auf der geeigneten Präsentation von Inhalten mit dem Zusatz, präsentierte Produkte direkt in einem integrierten Shop zum Verkauf anzubieten zu können. Insgesamt eignen sich diese Lösungen also nur für bestimmte Einsatzfelder.

Andersherum bieten die heutigen Shopsysteme ebenfalls CMS-Funktionalitäten. Diese sind jedoch wiederum denen eines CMS unterlegen. Welche der beiden Lösungen, reiner Onlineshop oder in ein CMS integrierter Onlineshop die bessere ist, hängt im Endeffekt von der Zielsetzung und der Fokussierung der Webpräsens ab. Liegt der Fokus auf der Präsentation von Inhalten mit einigen Produkten, die zum Verkauf angeboten werden sollen, so bietet sich eine integrierte Lösung an. Ist das Ziel der Verkauf von sehr vielen Produkten mit vielen Bestellungen, so ist eine reine, dafür optimierte Shoplösung zu empfehlen.

2.6 Funktionsweise eines Shopsystems

Die grundsätzliche Funktionsweise verschiedener moderner Onlineshop-Systeme ist aus Kundensicht standardisiert. Betritt ein Kunde einen Onlineshop, werden ihm verschiedene Produkte oder Dienstleistungen präsentiert. Diese werden bei vielen Angeboten üblicherweise in verschiedene Kategorien eingeteilt. Angebote, die ein Kunde bestellen möchte, legt er durch Klicken auf einen entsprechenden Button in den Warenkorb, der ein Kernelement eines jeden Onlineshops ist.

Nachdem der Auswahlvorgang abgeschlossen ist, klickt der Kunde auf den Warenkorb. Dort hat er die Möglichkeit die ausgewählten Angebote zu bestellen. Das geschieht entweder einmalig als Gast, ohne Erstellung eines Kundenkontos oder durch Registrierung. Die zweite Variante bietet den Vorteil, dass die eingegebenen Kundeninformationen im Kundenkonto für spätere Bestellungen gespeichert werden. Weiterhin hat ein Kunde dort üblicherweise die Möglichkeit, den aktuellen Bearbeitungsstatus seiner Bestellung einzusehen. Ebenso sind im Kundenbereich frühere Bestellungen durch einen Kunden abrufbar. Manche Shopsysteme bieten für registrierte Kunden auch die Funktion, einen zusammengestellten Warenkorb zu speichern und erst später zu bestellen.

Startet ein Kunde den Bestellvorgang, wird dieser dann entweder gebeten sich in sein vorhandenes Kundenkonto einzuloggen oder seinen persönlichen Daten wie Name, Kontaktdaten und Lieferadresse einzugeben. Sofern ein Shopbetreiber die Gastbestellung zulässt, findet sich hier auch die Auswahlmöglichkeit zur Bestellung als Gast oder zur Erstellung eines Kundenkontos. Für die Erstellung eines Kundenkontos muss der Kunde zusätzlich ein Passwort und unter Umständen einen Loginnamen vergeben. Viele Systeme vergeben den Loginnamen für ein Benutzerkonto automatisch. Häufig wird hierfür auch die E-Mail-Adresse oder die durch das System vergebene Kundennummer verwendet. Bereits an dieser Stelle des Bestellvorgangs wird der Kunde oft schon gebeten zu bestätigen, dass dieser die AGB des Onlineshops gelesen hat.

In den nächsten Schritten wählt der Kunde die Versandart seiner Bestellung und die Zahlweise. Bei Auswahl eines modernen E-Payment Verfahrens wie PayPal wird der Kunde nach Abschluss der Bestellung üblicherweise direkt an den jeweiligen Anbieter weitergeleitet. Besitzt das verwendete Shopsystem Funktionen zur Nutzung von Gutscheinen, so wird dem Kunden während des Bestellvorgangs die Möglichkeit zur Eingabe entsprechender Gutscheincodes gegeben. Dies geschieht je nach Shopsystem an unterschiedlichen Stellen.

Im letzten Schritt der Bestellung bekommt der Kunde nochmal eine komplette Übersicht mit den ausgewählten Angeboten, Rechnungs- und Lieferinformationen sowie gewählte Versand- und Zahlungsart angezeigt. Hier hat der Kunde dann die Möglichkeit noch einmal Änderungen an seiner Bestellung vorzunehmen oder den Bestellvorgang abzuschließen. Nach Abschluss des Bestellvorgangs bekommt der Kunde sofort eine Bestätigungsmail. Diese enthält noch einmal alle Informationen zur getätigten Bestellung und je nach ausgewählter Zahlungsart, zusätzlich noch die Zahlungsinformationen.

Erst nach Abschluss des kompletten Bestellvorgangs wird eine Bestellung dann als neue oder offene Bestellung in das Shopsystem übernommen und kann durch den Betreiber weiterverarbeitet werden. Dieser kann dann im Bedarfsfall Änderungen an einer Bestellung vornehmen, den aktuellen Status einer Bestellung ändern, Bestellungen stornieren oder Kontakt zu dem Kunden aufnehmen. Kommt es zu Statusänderungen einer Bestellung wird der Kunde im Normalfall automatisch vom Shopsystem per E-Mail über den aktuellen Status informiert.

Allgemein funktioniert die Bedienung eines modernen Shopsystems aus Kundensicht immer ähnlich. Unterschiede finden sich eher im Detail. Damit sich ein Kunde schnell in einem ihm unbekannten Onlineshop zurechtfindet, ist es notwendig, dass gewisse erlernte Bedienstandards eingehalten werden. Diese Standards betreffen vor allem den strukturellen Aufbau sowie den Ablauf des Bestellvorgangs in einem Onlineshop. Aus diesem Grund sind die meisten Onlineshops nach einem ähnlichen Schema aufgebaut. Trotz Einhaltung gewisser Standards bieten gerade die Bereiche optischer Auftritt des Onlineshops, die Produktpräsentation, die Bereitstellung von Zusatzfunktion und die Serviceangebote einiges an Differenzierungspotential für einen Shopbetreiber.

Im Gegensatz zur Kundensicht gestaltet sich die Bedienung und Verwaltung eines Onlineshops für den Betreiber je nach Shopsystem sehr unterschiedlich. Je mehr Funktionen und Einstellmöglichkeiten ein Shopsystem bietet, umso komplexer ist es zu verwalten und umso umfangreicher wird das Backend. Zudem sind die verschiedenen Administrationsoberflächen der Systeme unterschiedlich strukturiert und optimiert. Ein weiterer Faktor für die Verwaltung eines Onlineshops ist der Integrations- und Automatisierungsgrad durch Anbindung nachgelagerter Systeme.

[...]


[1] Vgl. Wardag [2002].

[2] Vgl. Meier/ Stormer [2008], S. 2.

[3] Vgl. Brügge/ Harhoff/ Picot/ Creighton/ Friedler/ Henkel [2004], S. 19ff.

[4] Vgl. Stahl/ Krabichler/ Breitschaft / Wittmann [2009], S. 47f.

[5] Vgl. PrestaShop AG [2012a].

[6] Vgl. Finke/ Bahl/ Rodenkirchen [2009].

[7] Vgl. Mediashake [2012].

[8] Vgl. PrestaShop AG [2012b].

[9] Vgl. shopware ag [2012a].

[10] Vgl. STRATO AG [2012].

[11] Vgl. shopware ag [2012a].

[12] Vgl. shopware ag [2012a].

[13] Vgl. JTL-Software-GmbH [2012a].

[14] Vgl. STRATO AG [2012].

[15] Vgl. Höschl [2009], S. 23f.

[16] Vgl. Omeco GmbH [2012].

[17] Vgl. Stahl/ Krabichler/ Breitschaft/ Wittmann [2009], S. 47.

[18] Vgl. Wittmann/ Stahl / Weinfurtner/ Weisheit/ Pur [2011], S. 25.

[19] Vgl. Angeli/ Kundler [2008] S. 246ff.

[20] Vgl. Shop-Hilfe.com [o. J.].

[21] Vgl. Angeli/ Kundler [2008] S. 253.

[22] Vgl. shopware ag [2012b].

[23] Vgl. Magento Inc. [2012a].

[24] Vgl. JTL-Software-GmbH [2012b].

[25] Vgl. Open Source Matters, Inc. [2012].

[26] Vgl. Mediashake [2012].

[27] Vgl. VirtueMart eCommerce Solution [2012a].

[28] Vgl. cmsmadesimple [o. J.].

[29] Vgl. Joomla! [o. J.].

[30] Vgl. cmsmadesimple [o. J.].

[31] Vgl. VirtueMart eCommerce Solution [2012a].

Details

Seiten
64
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783863419431
Dateigröße
7.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v296855
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius; Köln
Note
1,3
Schlagworte
E-Commerce Open-Source-System Content-Management-System CMS E-Business M-Commerce

Autor

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