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Wie viel Warren Buffett und Benjamin Graham steckt in Apple? Anwendung der Anlagestrategien von Buffett und Graham auf die Apple-Aktie

Diplomarbeit 2012 64 Seiten

Leseprobe

2.3.3.2 Aktienarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Aktienarten im Überblick [1]

1. Einteilung nach der Übertragbarkeit der Rechte

Wie in Tabelle 1 zu sehen, kann man bezüglich der Übertragbarkeit der Rechte Inhaberaktien und Namensaktien bzw. vinkulierte Namensaktien unterscheiden. Doch über welche Rechte verfügen Aktionäre?

Zu den Rechten der Aktionäre zählt:

- Teilnahme- und Stimmrecht bei der Hauptversammlung
- Ggf. Auskunftsrecht der Aktiengesellschaft
- Recht auf Anteil am Bilanzgewinn
- Bezugsrecht junger Aktien
- Recht auf Anteil am Liquidationserlös

Die Rechte aus einer Inhaberaktie stehen dem Inhaber direkt zu. Diese wird nur herausgegeben, wenn der volle Nennwert bezahlt wurde. Ein Vorteil der Inhaberaktie ist die einfache Handelbarkeit. Daher ist sie hierzulande die gängige Aktienform. Die Übertragung einer Namensaktie ist etwas komplizierter. Hierbei muss der Name, der Wohnort und der Beruf des Aktionärs in das Aktienbuch des Unternehmens eingetragen werden, damit der Aktionär seine Rechte geltend machen kann. Sie sind somit nicht so fungibel wie Inhaberaktien und bedeuten ein Mehr an Verwaltungsaufwand. Diese werden angewendet, wenn Aktien ausgegeben werden bevor die vollständige Einzahlung statt gefunden hat.

Bei vinkulierten Namensaktien muss die Gesellschaft der Übertragung von Aktien zustimmen. Sie dienen dem Schutz vor Unternehmensübernahmen und ähnlichen Szenarien, da die Gesellschaft den Kauf und Verkauf dieser Art Aktien genau überwachen und steuern kann. Anwendung finden sie in erster Linie bei nicht börsennotierten Unternehmen.

2. Einteilung nach dem Umfang der Rechte

Hierbei kann man Stammaktien und Vorzugsaktien unterscheiden. Die Stammaktie enthält alle oben genannten Rechte laut Aktiengesetz. Sie gelten als Normaltyp an der Börse.

Anders ist dies bei den Vorzugsaktien. Hierbei werden den Aktionären bestimmte Vorzüge bezüglich der gewährten Rechte gegenüber der Stammaktie verbrieft. Die Vorzüge können bestehen aus Dividendenvorzügen (mit oder ohne Stimmrecht) oder Liquidationsvorzügen. Man kann außerdem zwischen relativen und absoluten Vor­zugsaktien unterscheiden. Sollte es sich um einen Vorzug handeln, der zusätzlich zu den normalen Aktionärsrechten gewährt wird, spricht man von absoluten Vorzugsaktien. Sollte der Vorzug jedoch mit einem Nachteil anderer Art verbunden sein, handelt es sich um eine relative Vorzugsaktie.

3. Einteilung nach der Zerlegung des Grundkapitals

In Bezug auf die Zerlegung des Grundkapitals kann die Aktiengesellschaft entscheiden, ob sie Nennwertaktien, Stückaktien (oder „unechte nennwertlose Stückaktie“) oder Quotenaktien ausgibt. Bei Nennwertaktien können unterschiedliche Nennwerte festgelegt werden und sie ergeben in ihrer Summe das gezeichnete Kapital. Im Unterschied dazu lauten Stückaktien nicht auf einen Nennwert. Der anteilige Betrag des Grundkapitals ergibt sich, wenn man das Grundkapital durch die Anzahl der im Umlauf befindlichen Anteile teilt.[2] Die Herausgabe von Stückaktien ist heutzutage wesentlich gängiger.

Quotenaktien verbriefen einen Anteil am gesamten Gesellschaftsvermögen z.B. 1/100 oder 1/1000. Diese finden vor allem in den USA und Kanada Anwendung.

2.3.3.3 Die Kapitalmärkte

Die Wertpapiermärkte sind Schauplatz für den börslichen oder außerbörslichen Han­del verschiedenster Wertpapiere- Aktien, Auslands- und Industrieanleihen, Optionsscheine und Genussscheine.

Die Wertpapierbörse segmentiert sich in den öffentlich rechtlichen Teil (Amtlicher Handel und Geregelter Markt) und den Freiverkehr.

Der Amtliche Handel und der Geregelte Markt gehören zu den EU- regulierten Wertpapiermärken. Der Freiverkehr ist hingegen von der Deutschen Börse privatrechtlich organisiert.[3]

Die Transparenzanforderungen und Zulassungsbedingungen der einzelnen Segmente sind unterschiedlich und bilden den Rahmen für die Marktbereiche General Standards, Prime Standards und Entry Standards.

Entry Standard

Beim Entry Standard werden vor allem kleine und mittelständische Unternehmen angesprochen, die einen günstigen und unkomplizierten Zugang zur Börse suchen. Mindestanforderungen bezüglich Größe und Alter des Unternehmens sind nicht vorgesehen. Es handelt sich hierbei um ein Segment des Open Marktes, weshalb die Freiverkehrsrichtlinien gelten.[4] Zu erstellen sind:

- Jahresabschluss und Zwischenbericht nach nationaler oder internationaler Rechnungslegung
- Unternehmenskurzportrait
- Unternehmenskalender (auf der Internetseite des Unternehmens)
- Ad Hoc Mitteilungen

General Standard

Der General Standard stellt die Mindestanforderungen der Gesetzgeber an Unternehmen dar, die am EU- regulierten Markt teilnehmen wollen. Dazu gehört:

- Jahres- und Halbjahresberichte
- Internationale Rechnungslegung nach US-GAAP oder IFRS
- Ad Hoc Mitteilungen in deutscher Sprache

Prime Standard

Der Prime Standard verlangt den gelisteten Unternehmen die größten Publizitäts- und Transparenzanforderungen ab. Zusätzlich zum General Standard gilt es folgende Anforderungen zu erfüllen:

- Quartalsberichte
- Ad Hoc Mitteilungen in englischer Sprache
- Unternehmenskalender
- Jährliche Analystenkonferenz

Der Prime Standard bietet international agierenden Investoren die Möglichkeit sich umfassend über die Unternehmen zu informieren, da es die größten Transparenzansprüche an die Unternehmen stellt.[5]

Indizes der Frankfurter Wertpapierbörse

Das Ziel von Indizes ist es den Aktienmarkt zu strukturieren und den Investoren so eine Orientierungshilfe zu bieten. Die verschiedenen Indizes werden auch als Benchmarks verwendet.

Der DAX stellt einen Index aus den 30 nach Marktkapitalisierung und Börsenumsatz größten Unternehmen der Frankfurter Wertpapierbörse dar. Die Indizes MDAX und SDAX fassen die Unternehmen zusammen, die dem DAX folgen. Der TECDAX enthält Technologieunternehmen außerhalb des DAX.

Weitere Indizes sind z.B. der CDAX, der GEX oder der DAX International 100.

2.3.3.4. Der Börsengang („Initial Public Offering“)

Motive für einen Börsengang

Der Börsengang ermöglicht es Unternehmen in erster Linie Wachstum zu finanzieren, da Eigenkapital in großer Menge zugeführt wird. Dadurch, dass infolgedessen die Anteile des Unternehmens fungibel sind, können Nachfolgeregelungen oder Veränderungen im Kreise der Altgesellschafter leichter umgesetzt werden. Die Außenwirkung eines Börsengangs führt zu Publizitäts- und Imageverbesserungen und die Eigenständigkeit des Unternehmens kann bewahrt werden.[6]

Der Prozess des Börsenganges

Wenn die Voraussetzungen für einen Börsengang erfüllt sind, werden in der Regel Konsortialbanken für die Durchführung der nächsten Schritte betraut. Es kommt zu einer sorgfältigen Prüfung des Unternehmens- der Due Dilligence- in den Bereichen Finanzen, Steuern, Wirtschaft, Recht und Management. Aufgrund dieser ausführlichen Prüfung können Analysten Vorschläge für einen angemessenen Emissionspreiskorridor der Aktien unterbreiten. Mit Hilfe von Börsenmultiplikatoren (Vergleich von Kennzahlen wie z.B. KGV mit anderen Unternehmen der Branche) oder der Discounted-Cashflow- Methode wird ein Unternehmenswert ermittelt. Anschließend wird das Wertpapierprospekt erstellt, welches alle relevanten Informationen für Investoren beinhaltet. Infolgedessen muss der Emissionspreis ermittelt werden. Hierfür gibt es zwei gängige Methoden- das Festpreisverfahren und das Bookbuilding. Bei dem Festpreisverfahren setzen Emittent und Konsortialbank den Emissionspreis fest bevor die Aktien auf den Markt kommen. Im Vergleich dazu orientiert man sich beim Bookbuilding an der Nachfrage der Anleger um den Preis fest zulegen, somit hat der Emittent keine Gewissheit über die Höhe des Eigenkapitalzuflusses.[7]

Nach der Börseneinführung ist es ratsam Maßnahmen zur nachbörslichen Stabilisierung zu treffen um das Vertrauen der Investoren zu erlangen.[8] Diese sind Neuemissionen gegenüber oft erst einmal skeptisch, da die Kursentwicklung sich praktisch nicht voraussagen lässt.

Investoren wie Buffett und Graham analysieren die zur Debatte stehenden Aktien oft in einem 10-Jahresrückblick weshalb Neuemissionen nur wenige Chancen haben in den Fokus beider Anleger zu gelangen.

2.3.3.5. Überblick über die Ansätze zur Aktienanalyse

Die Aktienanalyse versucht die für den Anleger entscheidenden Informationen, welche Auswirkung auf das Investment zu haben scheinen, zu erheben, auszuwerten und die Aktie auf ihre langfristige Entwicklung hin zu untersuchen. Für den Investor sind die zu erwartende Rendite und das dafür einzugehende Risiko entscheidend.[9]

Wesentlich bei dieser Art von Überlegungen ist es, welche Effizienz dem Markt zugestanden wird. Sollten sich alle wertrelevanten Informationen sofort im Preis der Aktie widerspiegeln, geht man von einem effizienten Markt aus in dem theoretisch keine Überrenditen möglich sind.[10]

Die Technische Analyse hingegen stützt sich auf die Untersuchung von Aktienkursverlaufsmuster um die Entwicklung von Aktienkursen vorherzusagen.

Die in der Diplomarbeit im Zentrum stehende Fundamentalanalyse geht davon aus, dass Aktienkurse um ihren inneren Wert schwanken. Die Aufgabe der Fundamentalanalysten besteht darin mit Hilfe der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen des Unternehmens den inneren Wert von Aktien zu bestimmen.

Liegt der Preis einer Aktie unter dem inneren Wert gilt sie als unterbewertet und sollte gekauft werden. Bei Erreichen des inneren Wertes sollte verkauft werden. Die Einflussgrößen sind der Jahresüberschuss, die Dividende und die zukünftigen Ertragsaussichten, wobei die Kriterien je nach Richtung der Fundamentalanalyse unterschiedlich gewichtet werden, was im folgenden Kapitel genauer beleuchtet wird.

3. Vergleich der Anlagestrategien von Benjamin Graham und Warren Buffett

3.1. Vorwort zum Vergleich

Buffett ist ein rein professioneller Investor und Graham schrieb Bücher für professionelle und private Investoren. Für einen Vergleich bietet sich an, den Privatinvestor außen vor zu lassen und sich beidseitig auf der professionellen Ebene zu bewegen.

Buffett folgte die ersten Jahre seiner Investmentkarriere streng den Regeln Grahams, doch entwickelte er zunehmend seine eigene Anlagestrategie, welche besonders von Charlie Munger und Philip A. Fisher inspiriert wurde. Ich will mich bezüglich des Vergleichs der Anlagestrategien auf den späteren Warren Buffett beziehen.

In Kapitel „3.2.Tabellarischer Vergleich“ erfolgt der Gegenüberstellung beider Investoren bezugnehmend auf die entscheidenden Kriterien der Anlagestrategien.

Im darauffolgenden Abschnitt „3.3. Detailvergleich der Investorenpersonen“ werden die wichtigsten Kriterien des tabellarischen Vergleichs ausgewählt und ausführlich besprochen.

3.2. Tabellarischer Vergleich

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Vergleich der Anlagestrategien von Warren Buffett und Benjamin Graham [11]

3.3. Detailvergleich der Investorenpersonen

3.3.1. Zur Persönlichkeit beider Investoren

Benjamin Graham war ein Wirtschaftswissenschaftler und Investor, der hoch angesehene Bücher für Wertpapieranalysten geschrieben hat. Graham wurde 1894 in London als Benjamin Grossbaum geboren und zog mit einem Jahr nach New York. Sein Vater war Porzellanhändler, brachte die Familie zu Wohlstand, verstarb aber 1903. Die Familie verarmte langsam, so dass seine Mutter das Haus zu einer Pension machen musste und sie versuchte mit auf Kredit gekauften Aktien aus der Misere zu kommen. Aktienkäufe auf Kredit waren zu der damaligen Zeit in der Gesellschaft nichts Außergewöhnliches und seine Mutter hatte damit nicht viel Glück. Dieser Zustand hat ihn sehr geprägt.

Graham lebte die nächsten Jahre in ärmlichen Verhältnissen, schloss aber trotz alledem mit Hilfe eines Stipendiums mit 20 Jahren sein Studium als sehr guter Student an der Columbia University ab, so dass er von drei Fakultäten für eine Lehrtätigkeit umworben wurde. Entschieden hat er sich jedoch für eine Arbeit an der Wall Street und seine Tätigkeit mündete später in der „Graham-Newman-Partner­ship“, die eine frühe Form des heutigen Investmentfonds darstellte.

Ab 1928 unterrichtete er an der Columbia University und begegnete später dort seinen Schüler Warren Buffett.

Warren Buffett wurde 1930 in Omaha geboren. Sein Vater war Aktienhändler und später Kongressabgeordneter. Er wuchs in gut bürgerlichen Verhältnissen auf, zeigte früh eine Vorliebe für Zahlen sowie ausgeprägte unternehmerische Fähigkeiten. Mit acht Jahren begann er die Börsenbücher seines Vaters zu lesen und die Berufsrichtung war frühzeitig festgelegt

Benjamin Graham veröffentlichte 1934 gemeinsam mit David L. Dodd das Buch „Security Analysis“ (Die Geheimnisse der Wertpapieranalyse), welches Buffett im Kindesalter las.

1949 erschien ein weiteres Buch von Graham mit dem Namen „The Intelligent Investor“. Für Buffett gilt dieses Buch heute noch als eines der besten Bücher, das jemals für Analysten geschrieben wurde.

Es gilt als Auslöser für Buffetts Entscheidung bei Graham studieren zu wollen.

Die Chemie zwischen beiden stimmte sofort, so dass Graham dem jungen Buffett nach dessen Studienabschluss einen Arbeitsplatz in seinem Unternehmen anbot. Als sich Graham zur Ruhe setzte, ging Buffett nach Omaha zurück und eröffnete eine Investmentgesellschaft. 1965 erwarb Buffett das Textilunternehmen Berkshire Hathaway. Jedoch wendete sich Berkshire Hathaway mit Buffett an der Unternehmensspitze mehr und mehr vom Textilgeschäft ab und erwarb diverse Unternehmen und Beteiligungen. Die A-Aktie von Berkshire Hathaway wird mit einem Kurs von momentan 95.991,12$ (Stand: 8.06.2012; 19:15Uhr) gehandelt.

3.3.2. Die Grundeinstellung zur Aktie

Für beide Investoren stellt eine Aktie immer ein Miteigentum an einem Unternehmen dar. Es spielt keine Rolle, ob nur eine Aktie oder ein Unternehmen gekauft wird. Beide Vorgänge machen sie zu einem Besitzer des Unternehmens und aus diesem Grund sind Kriterien zu beachten, die auch ein Eigentümer an sein Unternehmen stellt.

Die jeweilige Aktie hat einen Wert, der nicht vom Kurs der Aktie abhängt. Somit kann die Aktie über oder unter dem Wert gehandelt werden und der Markt ist entweder zu optimistisch oder zu pessimistisch.

3.3.3. Kernaussagen der Anlagestrategien

3.3.3.1. Die Personifizierung des Mr. Market

Graham hatte sich jahrelang mit der Psychologie von Anlegern auseinandergesetzt und kam zu dem Schluss, dass „das größte Problem eines Investors, und auch sein schlimmster Feind – wahrscheinlich er selbst“[12] sei. Er ist der Meinung, dass ein guter Anleger psychologische Eigenschaften wie Geduld, Disziplin und Lernfähigkeit vorweisen sollte. Er sollte die psychische Stärke besitzen der Irrationalität der Märkte zu widerstehen. „Spekulative Kursbewegungen ... [schlagen]...in beide Richtungen, nach oben und nach unten, häufig zu weit ... [aus]. Dies gilt oft für den gesamten Markt, immer aber für einzelne Titel. Außerdem kann eine Aktie unterbewertet sein, weil sich niemand für sie interessiert oder weil es ungerechtfertigte, verbreitete Vorurteile gegen sie gibt. [Es herrscht]...eine Diskrepanz zwischen Kurs und Wert.“[13]

Beide Investoren vertreten somit die Meinung, dass die Märkte kurzfristig unberechenbaren Schwankungen unterliegen, welche auf menschlichen Reaktionen beruhen. Diese können nicht vorhergesagt werden, da die Psychologie der Anleger diese kurzfristig bestimmen.

Langfristig werden aber umfangreiche Untersuchungen einer unterbewerteten Aktie einen fairen Wert rechtfertigen.

Graham personifiziert die Börsenschwankungen in Form des so genannten Mr. Market. Jeden Tag sagt Mr. Market was eine Aktie wert ist und bietet Kauf- und Verkaufskurse an. Er ist launisch und das, was er anbietet kommt einem geschulten Investor oft irrational vor. Diese Stimmungsschwankungen reichen von übertriebener Freude bis zur tiefen Verzweiflung und es ergeben sich teure und billige Kurse. Dadurch, dass ein geschulter Investor darauf nicht eingehen muss, den fairen Wert (innerer Wert) seiner Anteile kennt, wird er nur mit Mr. Market ein weiteres Geschäft eingehen, wenn sich beide einig sind. Bietet er einen übertrieben hohen Preis an, sollte verkauft und nicht gekauft werden. Bietet er einen zu geringen Preis an, sollte gekauft und nicht verkauft werden. Die restliche Zeit sollte den Zahlen und Informationen des Unternehmens gewidmet werden. Langfristig wird auch der Markt erkennen, wie viel ein Unternehmen wert ist.

„Graham warnte seine Studenten: ... Wenn Mr. Market in verrückter Stimmung ankommt, steht es einem frei, ihn zu ignorieren oder ihn auszunutzen, aber wenn man unter seinen Einfluss gerät, wird das katastrophal.“[14]

Der Begriff Mr. Market findet heutzutage genauso Platz in den Aktionärsbriefen Buffetts. Der richtige Umgang mit Mr. Market nach Graham stellte eine wichtige Lerneinheit für Buffett dar. Beide teilten die Ansicht, dass der Markt zu einem Großteil aus Psychologie besteht, welche selten auf Fakten beruht.

3.3.3.2. Der Unterschied von Investition und Spekulation

Ein nächster Kernpunkt der Arbeit Grahams besteht in der konsequenten begrifflichen Trennung von Investition und Spekulation, welche in seiner Zeit neuartig war.

Graham schrieb: „Eine Kapitalanlage [hier Investition] liegt dann vor, wenn sie nach gründlicher Analyse die Sicherheit des eingesetzten Kapitals und einen angemessenen Gewinn verspricht. Anlagen, die diesen Kriterien nicht entsprechen sind spekulativ.“[15] Die Analyse umfasst das Untersuchen aller vorhandenen Fakten mit dem Ziel logische Schlussfolgerungen ziehen zu können und so nicht den Turbulenzen am Markt ausgeliefert sein zu müssen.

Graham räumt ein, dass die angestrebte Sicherheit nie vollkommen sein kann, denn jede Handlung hat ein spekulatives Element. Sie stellt eher einen Schutz vor hohen Kapitalverlusten dar, den es zu vermeiden gilt.

Die Akteure an der Börse können demnach als Investoren oder Spekulanten auftreten. Ein Investor möchte Einkünfte generieren, ein Spekulant Gewinne. Hier zeigt sich die psychologische Einstellung des Käufers zum Wertpapier. Ein Investor sieht sich eher als Eigentümer des Unternehmens. Einkünfte lassen auf eine längerfristige Anlage schließen. Der Spekulant fühlt sich mit dem Unternehmen nicht verbunden. Es soll ausschließlich der schnellen Geldvermehrung dienen. Die kurzfristigen Markschwankungen, welchen der Investor keine Bedeutung beimisst, sollen dem Spekulant zu Profit verhelfen.

Auch Buffett unterteilt Aktienkäufer in Investoren und Spekulanten. Für ihn sind Investoren diszipliniert, logisch und rational. Die Stimmung am Markt treibt sie nicht, denn sie untersuchen rational ihre Fakten, so wie es auch in der in Kapitel 4 folgenden Apple Inc. Analyse zu Tage kommt. Keiner der Investoren interessiert sich hierbei für kurzfristige Marktschwankungen, nur die langfristig positiven Aussichten des Unternehmens sind entscheidend.

Sie schwimmen nicht mit der Masse, sondern haben Disziplin gegenüber ihren Prinzipien.

Somit stellt das Konzept von Investition und Spekulation eine weitere Gemeinsamkeit in der Anlagephilosophie Grahams und Buffetts dar.

3.3.3.3. Die Sicherheitsmarge

Das Konzept einer soliden Anlage reduzierte Graham auf die Anwendung einer Sicherheitsmarge (englisch: „margin of safety“), welche sich praktisch durch seine gesamte Anlagestrategie zieht.

Ein Sicherheitsabstand liegt klassischerweise dann vor, wenn Wertpapiere unter ihrem tatsächlichen Wert gehandelt werden. Die Marge ergibt sich hierbei aus der Differenz vom innerem Wert und dem Ankaufswert. Bei der Aktie von Apple zeigt sich bei Grahams Berechnungsart eine Sicherheitsmarge ein 1829,69$, was ein sehr klares Kaufsignal für Graham darstellen dürfte.

Ein anderes Beispiel zu Grahams Anwendung der Sicherheitsmarge ist eine Eisenbahngesellschaft, die „die Fixkosten mehr als fünf Mal verdient haben, und das über Jahre hinweg“[16] damit sich ein Unternehmen als interessant erweist. Sollte in Zukunft eine Einkommensminderung eintreffen, hat der Investor ein Sicherheitspolster für seine Anlage. Wichtig hierfür ist die Herangehensweise des Anlegers. Dieser erwartet laut Graham nicht, dass die Gewinnsituation eines Unternehmens weiterhin konstant verläuft, sonst könnte man auf eine Sicherheitsmarge verzichten.[17] Buffett hingegen ist der Meinung, dass es einige wenige Unternehmen mit einer zukünftig konstanten Gewinnsituation gibt, welche man nur sehr genau suchen muss.

Was den Aktienkurs betrifft ist der günstiger Einstiegskurs auch für Buffett ausschlaggebend. Er ist der Meinung man sollte „ein Wertpapier nur dann kaufen..., wenn es ausreichend Grund zu der Annahme gibt, dass der Preis, den man zahlt, deutlich niedriger ist als der Wert, den man bekommt.[18]

Die Eigenkapitalquote ist ebenfalls ein Instrument zur Erfassung der Sicherheitsmarge. Einen wirklichen Verlust muss der Investor erst erleiden, wenn das Eigenkapital aufgebraucht wurde.

Wachstumsaktien können laut Graham durch steigende Gewinne grundsätzlich Sicherheit bieten. Diese Steigerung des Gewinns muss sich in der Zukunft jedoch erst beweisen und der Kurs ist bei guten Wachstumsunternehmen in der Regel kein Schnäppchen im Sinne Grahams mehr.

Bei so genannten Schnäppchen-Aktien wird das Konzept besser verständlich. Hier ergibt sich eine renditeträchtige Differenz aus niedrigem Kurs und weitaus höherem inneren Wert. Das Unternehmen hat seinen Wert schon fundamental bewiesen. Die Spanne lässt die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns größer erscheinen als die Wahrscheinlichkeit eines Verlustes.

Auch Buffett kauft gerne mit Abschlag jedoch investiert er in erstklassige Unternehmen. Die Kaufkurse weisen bei Ihm oft ein höheres KGV auf als das bei Graham.

Die Sicherheitsspanne zieht sich durch viele weitere Gedanken von Buffett. Wenn er den Unternehmenswert berechnet und den Zinssatz für Staatsanleihen als Diskontsatz heranzieht, addiert er auf den Zinssatz ein paar Prozentpunkte dazu, falls dieser im Langzeitvergleich zu niedrig erscheint. Hier sichert er sich gegen steigende Zinsen ab und der Unternehmenswert sinkt. Ist der Unternehmenswert aber immer noch attraktiv, stellt es für ihn ein gutes Investment dar.

Das Konzept der Sicherheitsmarge wirkt durchaus stimmig und logisch.

Jedoch gilt es als Herausforderung für Graham und Buffett den inneren Wert bestimmen um eine Investition mit Sicherheitsabstand überhaupt identifizieren zu können.

[...]


[1] Eigene Darstellung, angelehnt an: Stiefl, Jürgen; Finanzmanagement; S.33; Oldenbourg Verlag; München- 2005

[2] Vgl. Wöhe, Günter/ Bilstein, Jürgen/ Ernst, Dietmar/ Häcker, Joachim; Grundzüge der Unternehmensfinanzierung; S. 59; Verlag Franz Vahlen; München- 2009

[3] Vgl. Perridon, Louis/ Steiner, Manfred; Finanzwirtschaft der Unternehmung; S. 161; Verlag Franz Vahlen GmbH; München- 2004

[4] Vgl. Wöhe, Günter/ Bilstein, Jürgen/ Ernst, Dietmar/ Häcker, Joachim; Grundzüge der Unternehmensfinanzierung; S. 109; Verlag Franz Vahlen; München- 2009

[5] Wöhe, Günter/ Bilstein, Jürgen/ Ernst, Dietmar/ Häcker, Joachim; Grundzüge der Unternehmensfinanzierung; S. 110; Verlag Franz Vahlen; München- 2009

[6] Wöhe, Günter/ Bilstein, Jürgen/ Ernst, Dietmar/ Häcker, Joachim; Grundzüge der Unternehmensfinanzierung; S. 108; Verlag Franz Vahlen; München- 2009

[7] Wöhe, Günter/ Bilstein, Jürgen/ Ernst, Dietmar/ Häcker, Joachim; Grundzüge der Unternehmensfinanzierung; S. 122 ff; Verlag Franz Vahlen; München- 2009

[8] Vgl. Busse, Franz-Joseph; Grundlagen der betrieblichen Finanzwirtschaft; S.180 ff.; Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH; München- 2003

[9] Vgl. Perridon, Louis/ Steiner, Manfred; Finanzwirtschaft der Unternehmung; S. 218; Verlag Franz Vahlen GmbH; München- 2004

[10] Vgl. Hartwig, Karl-Heinz/Thieme, H. Jörg; Finanzmärkte: Integrationseffekte und ordnungspolitische Konsequenzen; S.114; Lucius & Lucius Verlags GmbH; Stuttgart-1999

[11] Eigene Darstellung der Diplomandin

[12] Graham, Benjamin; Intelligent Investieren; Der Bestseller über die richtige Anlagestrategie; S.23; FinanzBuch Verlag; München- 2005

[13] Ebd. S. 46

[14] Hagstrom, Robert G.; Warren Buffett; Sein Weg. Seine Methoden. Seine Strategie; S. 241; Börsenmedien AG; Kulmbach- 2011

[15] Graham, Benjamin; Intelligent Investieren; Der Bestseller über die richtige Anlagestrategie; S.33; FinanzBuch Verlag; München- 2005

[16] Graham, Benjamin; Intelligent Investieren; Der Bestseller über die richtige Anlagestrategie; S.537-538; FinanzBuch Verlag; München- 2005

[17] Vgl. Ebd. S. 538

[18] Cunningham, Lawrence A.; Die Essays von Warren Buffett; Das Buch für Investoren; S. 26; VNR Verlag für Deutsche Wirtschaft AG; Bonn- 2002

Details

Seiten
64
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783863419592
Dateigröße
344 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Technische Hochschule Wildau, ehem. Technische Fachhochschule Wildau
Erscheinungsdatum
2015 (Februar)
Note
1,3
Schlagworte
iPhone iPad Fundamentalanalyse Aktienanalyse innerer Wert

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Titel: Wie viel Warren Buffett und Benjamin Graham steckt in Apple? Anwendung der Anlagestrategien von Buffett und Graham auf die Apple-Aktie