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Ehrbezogene Gewalt in der türkisch patriarchalischen Diaspora in Deutschland im Fokus der institutionellen Netzwerkarbeit

Bachelorarbeit 2012 56 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

2 Begriffserläuterungen

2.1 Was ist ehrbezogene Gewalt?

„Ehrbezogene Gewalt ist jede Form seelischer oder körperlicher Gewalt aufgrund einer kollektiven Mentalität in Reaktion auf eine (drohende) Schändung der Ehre eines Mannes oder einer Frau und damit seiner oder ihrer Familie, von der die Außenwelt erfährt oder zu erfahren droht.“ (Ferwerda und Van Leiden 2005, 25 in Janssen 2009, 30).

Van Eck[1] sagte im Dezember 2004 in einer niederländischen Tageszeitung, dass von ehrbezogener Gewalt gesprochen wird, „wenn die Keuschheit der Frau […] in Frage gestellt wird. Schließlich (handelte es sich um) Mord oder Todschlag aufgrund gekränktem männlichen Stolzes. Hierbei wird nicht die Ehre der Frau, sondern die des Mannes […] in Zweifel gezogen.“[2] (Van Eck 2004 in Janssen 2009, 24). Laut Bundeskriminalamt[3] ist weiterhin eine Begriffsabgrenzung dringend notwendig. So wird im BKA unterschieden zwischen ‚Verbrechen im Namen der Ehre‘ gegenüber der so genannten ‚Blutrache‘ oder ‚Blutfehde‘. Hierbei handelt es sich nämlich „vor allem um die Ermordung von Männern, die wiederum als Vergeltung einen anderen Mord aus der Sippe des Mörders nach sich zieht“ (BKA 2006, 5).

Bei der Suche nach einer wörtlichen Übersetzung des Begriffes ‚ehrbezogene Gewalt‘ oder dem differenzierteren, aber eher umgangssprachlich verwendeten, Begriff ‚Ehrenmord‘ in die türkische Sprache, ist ein Scheitern fast unerlässlich. Lediglich der Begriff ‚Gewalt‘ findet sich einzeln betrachtet als „kuwet“ oder „kudret“ (www.deutsch-tuerkisch.net 2012). Betrachten wir hingegen den umgangssprachlich verwendeten Begriff ‚Ehrenmord‘ als die allerletzte Form der ‚Wiederherstellung der Ehre‘, kommen wir einem Erklärungsversuch schon näher. Höffe benennt mit Hobbes Hilfe den Begriff der Ehre wie folgt: „Unter Ehre versteht man die im menschlichen Zusammenleben bekundete Anerkennung und Schätzung, die man selbst empfängt und anderen erweist. Ehre ist das in Worten und Taten sich äußernde positive Urteil, die symbolisch vermittelte Manifestation des Wertes, den wir uns gegenseitig beimessen (Hobbes). Welche Qualitäten als Gegenstand begründeter Ehre gelten, […] hängt entscheidend von den Wertvorstellungen und der soziokulturellen Verfassung einer Gesellschaft ab.“ (Höffe 1986, 40). Daran anknüpfend lässt sich auch anhand aktueller Studien von Janssen feststellen, dass der Ehrbegriff wie sie selber sagt, einen „universellen Charakter hat“ und kein Merkmal bestimmter Kulturen ist. Ihrer Auffassung nach, hat sich bereits „im Lauf der Geschichte herausgestellt, dass Menschen aus allen Himmelsrichtungen große Stücke auf ihre Ehre halten“ (Janssen 2009, 27).

Ich vermag, durch einen Blick in diverse Literatur zum Thema, ebenfalls nicht definieren, wo in der westlichen Welt der Ehrbegriff seinen Ursprung fand. Janssen benennt in ihrem Werk „Im Namen der Ehre“ historische Persönlichkeiten die sich bereits mit dem Begriff der ‚Ehre‘ auseinandersetzten. Um nur einige zu nennen: den griechischen Philosophen Aristoteles (ca. 400 Jahre v. Chr.), den römischen Schriftgelehrten Cicero (ca. 1 Jh. v. Chr.), das Rittertum im Mittelalter sowie moderne Denker und Philosophen wie Hobbes (1588-1679), Rousseau (1712-1778), Kant (1724-1804) und Márquez (1981) in seinem Werk „Chronik eines angekündigten Todes“ (Janssen 2009, 28). Ich fand darüber hinaus die literarischen Werke von Friedrich Schiller: „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ (1964) sowie Heinrich Böll: „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1976), die sich eingehend mit dem Umgang der Ehre im westlichen Raum beschäftigen. Auch können wir beim Blick in die Geschichte über verschiedene Formen von Ehre sprechen. Schopenhauer[4] (1788-1860) spricht zum Beispiel in seiner Abhandlung über sexuelle, nationale, private und öffentliche Ehre. Sogar die Berufsehre spricht er an (Schopenhauer in Janssen 2009, 29).

Das BKA stellte 2006 in einer Pressemitteilung „Eine Frage der Ehre?“ Ergebnisse einer Auswertung zum Phänomen ‚Ehrenmorde‘ vor. Hier wird mangels polizeilicher Definition des Begriffes, in Anlehnung an Phänomenbeschreibungen, in der Literatur von einer Arbeitshypothese ausgegangen: „Ehrenmorde sind Tötungsdelikte, die aus vermeintlich kultureller Verpflichtung heraus innerhalb des eigenen Familienverbandes verübt werden, um der Familienehre gerecht zu werden.“ (BKA 2006, 3). Diese Definition der deutschen Polizei kommt der, diesen Abschnitt einleitenden These nach Ferwerda und Van Leiden, die im Auftrag der niederländischen Polizei im Phänomenbereich; im Rahmen des Pilotprojektes „Im Namen der Ehre“ recherchierten, sehr nah.

Ich bin jedoch der Meinung, dass diese Definition nicht weitreichend genug durchdacht wurde. Das Bundeskriminalamt vernachlässigt Fakten wie herrschende Ungerechtigkeit und Perspektivlosigkeit junger Migranten basierend auf Diskriminierung und sozialer Benachteiligung in Deutschland, die ebenfalls Begründungen für ehrbezogene Gewalt der Vergangenheit waren. Hermann Tertilt führt in seiner Ethnographie Turkish Power Boys[5] ein sehr treffendes Beispiel - Fall Muzaffer - an: „Am Merianplatz, im Las Vegas, dem Spielsalon, da waren ich, der Seyfettin, der Bruder vom Seyfettin und ein Typ, der besoffen war. Und dann hat der andere, der besoffen war, den Seyfettin die ganze Zeit angemacht. Der Seyfettin hat gemeint: ‚Das kann passieren, der ist besoffen.‘ ‚Ich mach nix‘, hat er gemeint. Aber der Typ hat dauernd Scheißzeug gelabert, hat auch schlimme Wörter gesagt. Er war auch so ein Türke. ‚Ich fick deine Mutter‘, hat er gemeint, ‚Ich fick deine Mutter‘. Und dann wurden alle beide aggressiv. Nachher wurde der Typ abgestochen - neben mir. Guck mal, das ist ja die Ehre, verstehst du?“ (Tertilt 1996, 211)[6].

Der Psychologe und Mediziner Ilhan Kizilhan[7] benennt den Begriff der Ehre heute als „in verschiedenster Form für bestimmte Interessen instrumentalisiert.“ (Kizilhan 2006, 99). So bezieht er verschiedene Organisationen und Gruppen mit neueren Strukturen in die Begriffsinterpretation ein. Er ist der Meinung, dass diese immer wieder auf den Begriff der Ehre zurückgreifen, „wenn sie in ihrem Handlungsspielraum eingeengt werden oder Auflösungserscheinungen zeigen, um Unterstützung zu bekommen und neue Rekruten für den Kampf gegen den Feind zu mobilisieren“ (Kizilhan 2009, 99). Er belegt seine These an verschiedenen Fallbeispielen und baut so eine Brücke zwischen der Ehre im Urverständnis und der heute sehr breiten Auslegung des Ehrbegriffes in der westlichen Kultur.

Ich denke, dass der Versuch die Ehre begrifflich darzustellen, deutlich macht, dass es sehr erstrebenswert ist, Ehre zu erlangen und zu erhalten, was auch immer Ehre für den Einzelnen bedeutet. Bei Ehrverletzung sind unterschiedliche Erscheinungsformen physischer und psychischer Gewalt wie (Drohung mit) Mord; Selbstmord; Unfall mit Todesfolge; Misshandlung; Verstümmelung; (Drohung mit) Verstoßung; Zwangsheirat; Wegnehmen der Kinder; Wegschicken, Rückbefleckung; Ehescheidung; Freiheitsberaubung; Umzug oder Gerichtsverfahren zu beobachten. Jürgen Sauer benennt in seiner Studienarbeit „Scham - ein Grund für Gewalttaten“ sogar Steinigungen, Säureattentate und Mitgiftmorde in Ländern wie Ostanatolien, Pakistan, Bangladesh und Indien (Sauer 2009, 20). Ursachen hierfür, können das Führen eines im westlichen Stil geprägten Lebens, der Verlust der Jungfräulichkeit; außereheliche/voreheliche sexuelle Beziehungen; Vergewaltigung; außereheliche oder voreheliche Schwangerschaft; Ehebruch; erneute Heirat; Wegnehmen der Kinder; Verlassen des Ehepartners oder der Familie; verschwinden, wegbleiben, weglaufen; inakzeptables Verhalten; Widerstand gegen die Familie, Regeln, arrangierte Hochzeiten und Verlobungen; Beleidigung, Provokationen, Erniedrigung; Klatsch, Tratsch und Schmach sein (Janssen 2009, 137).

Aufgrund der breiten Definition von Ehre in den verschiedenen Gesellschaften möchte ich im Folgenden zwei Gesellschaften herausgreifen, aus deren Sicht ich Ehre noch einmal gesondert definiere. Zum Einen möchte ich näher auf das Verständnis des türkischen und zum Anderen auf das Verständnis des deutschen Ehrbegriffes eingehen. Die türkische Gesellschaft wurde von mir ausgewählt, da in Deutschland die meisten Migranten aus der Türkei stammen. Dies wird unter anderem in der Pressemitteilung des BKA anhand von Zahlen belegt: „Von den rund 7,3 Millionen Ausländern in Deutschland besitzen beispielsweise rund 1,8 Millionen die türkische Staatsangehörigkeit und bilden damit den höchsten Anteil an der ausländischen Wohnbevölkerung in Deutschland. (Zahlen siehe Homepage des Statistischen Bundesamtes)“ (BKA 2006, 12).

2.1.1 Der Ehrbegriff im „türkischen“ Verständnis

„Die Nachbarschaft ist eine Brutstätte düsterer Intrigen und emotionaler Spionage, wo die Zungen von zwei Menschen, die auf der Straße miteinander sprechen, wie die beiden zuschnappenden Hälften einer Schere sind, die Reputationen und gute Namen in Stücke schneidet:“ (Aslam 2004, 218 in Janssen 2009, 54)

Ehre hat in der türkischen Sprache mehrere Bedeutungen. „Einerseits meint sie eine Eigenschaft, die sich von einer erlangten gesellschaftlichen Stellung und Wertschätzung ableitet. Im Türkischen wird dies als „seref“ bezeichnet. Eine andere Ausprägung von Ehre ist „izzet“, die Großzügigkeit gegenüber anderen. „Namus“ wiederum bezieht sich auf das einwandfreie moralische und sexuelle Verhalten einer Frau.“ (Terre des Femmes[8] - Menschenrechte für die Frau e.V. 2005, 7)

Die für diese Arbeit relevanten Übersetzungen sind „seref“ und „namus“. Wörtlich übersetzt heißen die Begriffe beide „Ehre“ oder „ehren“ (www.deutsch-tuerkisch.net 2012) und sind eng miteinander verbunden. Die jeweilige Wortbedeutung greift jedoch tiefer.

Laut Van Eck bedeutet „seref“ so viel wie „Status“, „Prestige“ oder „Ansehen“ (Van Eck in Janssen 2009, 31). Laut Ahmet Toprak kann „seref“ durch gute Taten gesteigert und durch schlechte Taten gemindert werden. In jedem Fall ist diese Definition der Ehre für beide Geschlechter gleichbedeutend. Das Ansehen kann durch Männer und Frauen gleichermaßen beschädigt werden und muss gleichermaßen von beiden erarbeitet werden (Toprak 2005, 149ff).

„Namus“ hingegen bezieht sich laut Van Eck „auf die Keuschheit von Frauen und Mädchen. Wenn von einem Mann behauptet wird, dass er Namus hat, bedeutet dies, dass seine weiblichen Familienmitglieder ‚namuslu‘, d.h. ‚ehrenhaft‘ sind.“ (Van Eck in Janssen 2009, 31). Diese Begrifflichkeit, also die Ehre der Frau, „ist insbesondere an ihre sexuelle ‚Reinheit‘ gebunden.“ (Toprak 2005 vgl. BKA 2006, 5). Wird „namus“ in irgendeiner Form beschädigt, ist jedoch nicht nur die Ehre der Frau oder ihres Mannes zerstört, sondern die Ehre der ganzen Familie. Hier ist ein zentraler Unterschied zum Ehrbegriff im „deutschen“ Verständnis manifestiert, auf den ich im Folgenden näher eingehen werde.

2.1.2 Der Ehrbegriff im „deutschen“ Verständnis

In Deutschland bedeutet Ehre so viel wie Achtungswürdigkeit (einer Person), also die Achtung eines Menschen, und kann jemandem als Mitglied eines Kollektivs oder Standes zuerkannt werden, aber auch (zum Beispiel durch Nobilitierung oder eine Ordensverleihung) vom dazu Berechtigten zugesprochen werden. „Gegenüber jemandem, dem man sich an Ehre sehr unterlegen fühlt, gibt man sich ‚ehrerbietig‘. Jemanden ‚ehren‘ bedeutet, ihm eine neue Ehre zuzuerkennen. So stellte Bormann bereits 1953 im Bertelsmann-Lexikon fest, dass nach der demokratischen Grundverfassung, dem Menschen besondere Ehre zu Teil wird, der sich in besonderer Weise für das Gemeinwohl verdient gemacht hat (Bormann 1953, 1002 in Tränkle 2007, 12).

Demnach hängt die Ehre im „deutschen“ Verständnis eng mit den Taten eines Menschen und der jeweiligen Bewertung zusammen. Das Gegenteil der Ehre ist die Schande. In der westlichen Welt ist hiermit oft der Verlust der Ehre (siehe auch Demütigung) oder in milderer Form eine persönliche Blamage gemeint.“ (www.wikipedia.org 2012). Rechtlich gesehen kann die Achtung eines Menschen in Deutschland durch Beleidigungen verletzt und strafrechtlich sogar verfolgt werden.

Allgemein kann man Ehre auch im deutschen als einen sozialen Zwang begreifen, den man als Bestandteil seiner eigenen Persönlichkeit begreift und verteidigt (vgl. www.wikipedia.org 2012).

2.2 Die türkisch patriarchalische Diaspora in Deutschland

„Die Türken sind eine Ethnie, deren Hauptsiedlungsgebiete in Anatolien, Zypern und Südosteuropa liegen. In vielen Ländern der Welt existiert eine große Diaspora, überwiegend in europäischen Ländern und vor allem in Deutschland. Der Großteil der Türken lebt in der nach ihnen, seit Gründung 1923 durch Mustafa Kemal benannten Türkei, wo sie ca. 81 Prozent der Bevölkerung ausmachen (entspricht ca. 58 Millionen Menschen).“ (www.wikipedia.org 2012). Im familiären Kontext finden sich in der Türkei noch heute Stammesstrukturen die aus mehreren Kleinfamilien, die wiederum Großfamilien bilden, weitergehend als Sippe betrachtet einen Großstamm ausmachen (Kizilhan 2006, 31). Dieses System im größeren Kontext hat wiederum ein ganz eigenes Rechtsdenken zu dem sich Wießner in seiner ‚Stellungnahme zum Problem der Blutrache im Strafverfahren […]‘ zum Rechtsdenken der einzelnen soziologischen Gruppen wie folgt äußert: „Von den Familien bis hin zu den Stämmen, ist nicht die ‚Gesellschaft‘, sondern der konkrete Andere der Bezugspunkt. Alle Rechte und Verpflichtungen sind bilateral; sie organisieren sich als Verhältnisse zwischen Schuldnern und Gläubigern. Diese Verhältnisse werden durch Gabesaustausch begründet; Gaben sind dabei sowohl ideelle Güter (Erziehung, ideeller Beistand durch Anwesenheit bei Repräsentationsakten etc.) wie auch materielle Güter unterschiedlicher Art. Die Verpflichtungen des Schuldners sind im Idealfall allumfassend und können vom Gläubiger jederzeit eingeklagt werden. Von diesem Rechtsdenken her gesehen, erscheint die Organisation der Familie, aber auch die Organisation einer Dorfgemeinschaft idealerweise als ein Netz von Reziprozitätsbeziehungen bei gegenseitigem Wahren der Ehre.“ (Wießner 1996, 8 in Kizilhan 2006, 39).

In dieser beschriebenen Stammesstruktur und ihrem Rechtsdenken, findet sich das Patriarchat. Als solches wird eine Herrschaftsform bezeichnet, die durch die Vorherrschaft von Männern über Familien, Sippen, oder ähnlichem gekennzeichnet ist (www.wikipedia.org 2012). In patriarchalischen Familien herrscht die Frau/Mutter im Haus, aber über das Haus hat der Mann/Vater die Macht und diese verteidigt er mit der Hilfe seiner Söhne. So behauptet Kelek sogar, dass die Macht des Vaters bis hin zur „Selbstzerstörung“ respektiert wird. So scheint der Vater einen gottähnlichen Status zu haben, und die Angst, vor ihm zu versagen, ist groß (Kelek 2006, 148ff). Kizilhan stellt diesbezüglich fest, dass patriarchalische Gesellschaften einigen Prinzipien folgen, die von einer grundsätzlichen Ungleichheit der Menschen mit festgelegten Verhaltensmustern als oberstes Prinzip ausgehen. Diesen tieferen Sinn mit geordneter Sicherheit sieht er als von vornherein entschärfendes Konfliktpotenzial (Kizilhan 2006, 28ff).

Jedoch kann in einem Patriarchat jede Form von Ungehorsam auch ein todeswürdiges Verbrechen zur Folge haben. Böhmecke zeigt auf, dass schon ein Gerücht über ein Gespräch mit einem fremden Mann für ein Todesurteil, über die jeweilige Frau, reichen kann. Denn entscheidend ist nicht die Wahrheit sondern der Ruf der Familie und der wird eben auch durch Gerüchte geschädigt. „Ehrbezogene Gewalt ist eine Form von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, die innerhalb stark patriarchalisch strukturierter Familien und Gesellschaften vorkommt. Die Gewalt wird mit dem Erhalt bzw. der Wiederherstellung von Ehre gerechtfertigt und von nahen männlichen Verwandten ausgeübt.“ (Böhmecke 2005, 4). So kommt es, dass neunzig Prozent aller wegen Ehrverbrechen getöteter Mädchen/Frauen tatsächlich noch Jungfrauen waren. (Terre des Femmes - Menschenrechte für die Frau e.V. 2005, 31). Tunc hält in ihrer Studienarbeit „Eine Frage der Ehre! - Die Bedeutung der Ehre bei Migranten in Deutschland“ fest: „Frauen können ihre Ehre nicht selbst bewahren, da sie in einer patriarchalischen Gesellschaft leben.“ (Tunc 2007, 5). Auf den Punkt gebracht ist das Motiv patriarchalischer Ehrenmorde eine Herrschaft über und die Kontrolle der Frau. Frauen (und Mädchen) bzw. ihre Treue / Jungfräulichkeit verkörpern im wörtlichen Sinn die Ehre der Familie, vor allem: der Männer der Familie.

Der Begriff Diaspora bezeichnet seit dem späten 19. Jahrhundert hauptsächlich religiöse oder ethnische Gruppen, die ihre traditionelle Heimat verlassen haben, unter Andersdenkenden leben und über weite Teile der Welt verstreut sind. Er kann aber auch einfach eine Minderheitssituation vor allem einer Religionsgruppe bezeichnen (www.wikipedia.org 2012). Ich werde mich dem Phänomen gesellschaftlich nähern, den Begriff Diaspora jedoch im Hinblick auf die oft, aber nicht fundamental involvierte Religionszugehörigkeit sowie die Minderheitszugehörigkeit von Migranten dennoch verwenden.

Mir ist wichtig, an dieser Stelle eine Feststellung von Myria Böhmecke aufzugreifen, was gleichzeitig begründet, warum ich nicht tiefgründig versuchen werde ehrbezogene Gewalt mit einer bestimmten Glaubensrichtung in Verbindung zu bringen. Böhmecke sagt in ihrer Studie „Tatmotiv: Ehrenmord“: „Obwohl die meisten Ehrenmorde in islamisch geprägten Staaten oder Bevölkerungsgruppen vorkommen, sind sie kein explizit religiöses Phänomen“ (Böhmecke 2005, 7f). Es sind eher Gesellschaften im Umbruch besonders gefährdet, weshalb das Thema „ehrbezogene Gewalt“ im europäischen Raum auch immer mehr Betrachtung[9] findet. Der Grund ist einfach. Die westliche Welt konfrontiert durch Schule und Medien zum Bespiel die Töchter von patriarchalischen Familien mit anderen Lebensstilen. Hierdurch fordern die Mädchen eine größere Selbstständigkeit ein, „als ihre Eltern akzeptieren können“. Ehrbezogene Gewalt kommt nicht ausschließlich in armen, bildungsfernen Gesellschaftsschichten vor, sondern zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Böhmecke stellt in diesem Zusammenhang jedoch fest, „dass insbesondere dann an patriarchalischen Traditionen und überkommenden Wertvorstellungen festgehalten wird, wenn in einer Gesellschaft der Zugang zur Bildung fehlt und/oder die Familie existentielle finanzielle bzw. soziale Probleme hat. Die Ehre der Familie wird dann als der einzige Wert angesehen, welcher der Familie noch geblieben ist.[10] “ (Böhmecke 2005, 7f).

3 Funktionen und Organisationsstrukturen patriarchalischer Familien

Patriarchalische Familienstrukturen und die Erziehung der immigrierten Generation sowie ein problematisches Ehrverständnis fördern die Ausübung von Ehrenmorden von und an Deutschen mit türkischem Migrationshintergrund in der türkischen Diaspora in Deutschland. Außerdem wird diese Problematik durch Integrationsschwierigkeiten verstärkt.

3.1 Die Erziehung der immigrierten Generation und das Festhalten an Werten und Normen in der Aufnahmegesellschaft

In Familien mit patriarchalischen Strukturen ist das wichtigste Erziehungsziel die konsequente An- und Einpassung eines Kindes an bzw. in das Autoritätsgefüge. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, die Kinder zum Gehorsam zu erziehen. So sind die Reaktion auf Befehl und Anweisung sowie Respekt und Achtung vor dem Ranghöherem das zentrale Erziehungsziel. Kizilhan beschreibt Achtung als „in ihrer Äußerung an die Einhaltung bestimmter formalisierter Verhaltensweisen - insbesondere dem Vater gegenüber - gebunden, wie z.B. den Älteren nicht zu widersprechen.“ Er stellt außerdem klar, dass die Nichteinhaltung dieser Verhaltensweisen als Missachtung seitens des jeweiligen Kindes sowie die fehlende Autorität des Vaters, der ein solches Verhalten duldet, interpretiert wird (Kizilhan 2006, 34). Hier liegt jedoch aktuell eine Entwertung der Väter in zahlreichen patriarchalischen Migrantenfamilien und ein damit verbundener Achtungsverlust der Söhne gegenüber ihren Vätern vor. Eigentlich sollte jedoch der Vater im System der Haushaltsvorstand sein. Er hat die zentrale Aufgabe das Verhalten der Familienangehörigen in ihren jeweiligen Rollen zu kontrollieren und seine Kinder bei inakzeptablem Verhalten zu sanktionieren bzw. zu maßregeln. Wenn der Vater aus unterschiedlichen Gründen nicht anwesend ist, obliegt diese Aufgabe dem jeweiligen ältesten Familienmitglied, insbesondere den männlichen. Kizilhan weiß, dass in Ausnahmefällen auch andere Söhne oder Frauen unter Umgehung der traditionellen Rangfolge auf Grund von Talent und Persönlichkeit den Haushaltsvorstand übernehmen können (Kilzihan 2006, 34).

Es ist also stets eine hierarische Rangordnung zu erkennen, in der jedes Mitglied in seiner Rolle bestimmten Regeln und Vorschriften unterliegt. Kizilhan (2006, 34) stellt fest: „Alle Familienbeziehungen und alle Verhaltensweisen der einzelnen Familienmitglieder orientieren sich am Vorrang und an der Autorität des Vaters sowie an einer von allen anerkannten familiären Rangordnung, die sich aus dem Geschlecht, dem Alter und der verwandtschaftlichen Position in der Großfamilie ergibt. Der Vater genießt die höchste Autorität in der Familie, und diese Position trägt auch zu seinem Ansehen außerhalb der Familie bei. Die zweite Stelle […] nimmt der älteste Sohne ein.“ In der weiteren Rangfolge schließen sich vor der Mutter und den Töchtern erst die anderen Söhne an.

In diesem hierarchischen System, liegt eine Abwertung des Weiblichen und die Unterordnung der Frau unter die männliche Herrschaft vor. Oberwittler und Kasselt (2011, 35) stellen in ihrer Untersuchung „Ehrenmorde in Deutschland 1996-2005“ fest:

„Während die Geschlechter-Ungleichheit und Benachteiligung von Frauen in unterschiedlichem Ausmaß ein fundamentales soziales Problem in vielen Gesellschaften darstellt, sind diese besonders extreme Form der Kontrolle der Frauen durch ihre männlichen Verwandten und Ehepartner sowie die Einschränkungen des zulässigen Verhaltens von Frauen doch ein Spezifikum, ohne welches das Phänomen der Ehrenmorde schwer vorstellbar ist.“

Sie stellen in ihrer Untersuchung auf der Basis von Prozessakten weiterhin fest, dass die Tendenz der Vorherrschaft der Männer sich besonders in rigiden Verhaltensnormen niederschlägt, welche die Selbstbestimmung und die Entfaltungsmöglichkeiten von Frauen weitestgehend beschränken. Die Rolle der Frau in patriarchalischen Familien beschränkt sich oft auf die sexuelle Reinheit vor der Ehe - und somit die weitgehende Einschränkung ihrer (sexuellen) Selbstbestimmung - sowie die Treue, die Hauswirtschaft und Kinderaufzucht in der Ehe. Hierbei sind „bereits einfache Kontakte mit nicht verwandten Männern und jeglicher Anschein selbstständigen und abweichenden Verhaltens“ (Oberwittler. Kasselt 2011, 35) eine schwerwiegende Verletzung des patriarchalischen Systems.

Leider ist in der männlichen Perspektive für einen erfolgreichen, wirtschaftlichen Beitrag durch die Töchter oder Schwestern scheinbar kein Platz. Einzig und allein eine frühe Heirat - vor dem stets drohenden Verlust der Ehre - birgt Kooperationsstrategien und wirtschaftliche Austauschhandlungen zwischen Familienverbänden. Die Entscheidung in welche Familie eine Tochter heiratet, darf ihr jedoch niemals ganz allein überlassen werden: Endogamie[11], zum Beispiel in Form von Paralellcousinen-Heirat[12], „hat den strategischen Vorteil, dass der Besitz des Familienverbandes nicht durch das der Tochter zustehende Erbe mit anderen Familien geteilt, sondern zusammengehalten wird.“ (Oberwittler. Kasselt 2011, 35). Die strikte Kontrolle des Verhaltens der unverheirateten Tochter ist daher zum Erhalt der Ehre unerlässlich. Verhaltensweisen der Frau, die z.B. die Heiratspläne des Familienverbandes gefährden können, stellen somit einen potenziellen Anlass für einen Ehrenmord dar.[13]

Ich nehme im Folgenden einen Exkurs in das Prinzip der Verantwortlichkeit vor, welcher die unterschiedlichen gesellschaftlichen Prinzipien und Vorstellungen des Zusammenlebens, vor allem in den westlichen Ländern sowie dem mittleren Osten, verdeutlicht. Die Verantwortlichkeit für die eigene Person und die eigene Gruppe hat eine wichtige Bedeutung für das Zusammenleben in einer Gesellschaft, gleich ob in den westlichen Ländern oder in denen des mittleren Ostens.

Laut dem Autor Kizilhan unterscheidet man allgemein zwischen internalisierenden und externalisierenden Gesellschaften. „In den internalisierenden Kulturen werden die Verhaltensrichtlinien verinnerlicht, d.h. dass hohe Anforderungen an die Moral und das Gewissen des Einzelnen gestellt werden. Externalisierende Kulturen hingegen sorgen durch strenge Kontrolle der situativen Faktoren dafür, dass gegen die allgemein gültigen Verhaltensnormen nur unter größten Schwierigkeiten verstoßen werden kann.“ (Kizilhan 2006, 41).

Noch heute zählen die Staaten des mittleren Ostens zu den externalisierenden Kulturen. Eine starke soziale Kontrolle wird hier oft als eine Sicherheit erlebt, in der man für Verfehlungen kein schlechtes Gewissen haben muss, denn es werden stets situative Faktoren verantwortlich gemacht. Sie sehen den Menschen als von Grund auf schwach an und fordern von niemandem die innere Stärke einer Versuchung zu widerstehen. In der Kindererziehung bedeutet dies, dass kindliche Verstöße nicht als Charakterschwäche des Kindes, „sondern als Versäumnis des Älteren, die Situation nicht ausreichend strukturiert zu haben“, angesehen werden. Dieses Prinzip, in die gesellschaftlich unzweideutig gezogenen Grenzen, also die alters- und rollengemäß klar gesetzten Verhaltensnormen, automatisch hineinzuwachsen, beschreibt ein eher autoritäres Erziehungsprinzip und sieht keine Charakterbildung des Kindes vor. „Daher können Migrantenkinder im Gegensatz zum gewohnten autoritären und strikten Verhalten, ein stehendes demokratisches Verhalten, wie es von Lehrern und Erziehern in bester Absicht praktiziert wird, auch nicht ohne weiteres lernen.“ (Kizilhan 2006, 42)

Das Ideal des östlichen Denkens heißt stets Mäßigung, also „so wenig wie möglich von der gültigen Norm abzuweichen“. Das Ideal des westlichen Denkens hingegen ist das Individuelle (Kizilhan 2006, 43).

Verdeutlicht man sich diese Kluft, kann ein gewisses Verständnis bezüglich des Konfliktes von Migranten und vor allem ihren Kindern, bezüglich der Ehrvorstellung in der Diaspora in Deutschland wachsen.

Dass die deutsche Gesellschaft - wie man hier und da via Mundpropaganda vernehmen kann - zunehmend beobachtet, dass die Migranten in ihren eigenen Stadtteilen an ihren Idealen, ihren Werten und Normen festhalten und bemüht sind, diese durch die Erziehung an ihre Kinder weiterzugeben, ist kein tatsächliches Phänomen. Denn diese Form des Festhaltens an Werten und Normen des ursprünglichen Heimatlandes durch Migranten, ist laut Janssen (2006, 48) nicht ausschließlich bei Migranten die in den Westen ziehen zu beobachten. „Es gibt auch Untersuchungen, aus denen hervorgeht, dass Niederländer, die nach Australien ausgewandert sind, auch nach fünfzig Jahren noch Holländer geblieben sind, d.h. dass sie an Normen und Werten aus der Zeit ihres Auszuges aus den Niederlanden festhalten“ (Yesilgöz und Harchaoui 2003, 79 in Janssen 2006, 48). Diese Aussage belegen auch weitere Autoren, wie beispielsweise der Psychiater Dalrymple. Er illustriert die Feststellung folgendermaßen:

„[…] Es ist sogar möglich, dass sie trotz des unternehmerischen Geistes, der sie aus ihrem Heimatland hierher gebracht hat, kulturell konservativer sind als ihre ehemaligen Landsmänner, die zuhause geblieben sind. Der Umzug ans andere Ende der Welt bringt nun einmal Stress und Desorientierung mit sich und alte Gewohnheiten werden für einige Immigranten das, was Stofftiere für Kinder in der Dunkelheit sind - eine Quelle großen Trostes.“ (Dalrymple 2004, 49 in Janssen 2006, 55).

1977 bewies Detlev Ipsen durch eine Befragung von griechischen, türkischen, italienischen und deutschen Arbeitern in Mannheim, „daß (sic!) auch nach zehn und mehr Jahren Aufenthalt weder von einer materiellen noch von einer ideologischen Integration gesprochen werden könne.“ (Ipsen 1977, 423 in Treibel 1999, 135). Des Weiteren beschrieb bereits 1965 Ursula Kurz, nach Ergebnissen ihrer Studie, in einer Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, dass die in Deutschland betrachteten Migranten, sich der Aufnahmegesellschaft nur soweit anpassten, wie es für die Realisierung ihrer Ziele notwendig war. Sie geht somit, unter anderem auf die oben benannte ausschließliche Orientierung an den Werten und Normen der Herkunftsregion sowie deren Weitergabe ein, und benennt diese Erscheinung mit dem Begriff „Familialismus“.

Wichtig erscheint mir in diesem Kontext auch, die von Kurz (1965, 17) genannte partielle Anpassung[14] an bestimmte Werte bzw. Rollensegmente der Aufnahmegesellschaft durch die früheren Gastarbeiter, zu benennen. „Nähere Kontakte zu Deutschen über die Arbeitssituation hinaus galten - außer bei jungen, ledigen Männern - als unerwünscht.“ (Kurz 1965, 17 in Treibel 1999, 133f). Diese Tatsache provozierte einen langsamen Prozess eines relativ dauerhaften Kulturkonfliktes[15], dem wir uns heute ausgesetzt sehen müssen. Ich sehe in diesem dauerhaften Kulturkonflikt - durch jahrelange, mangelnde Auseinandersetzung der Politik sowie der deutschen Bevölkerung mit den in Deutschland lebenden Migranten - die Gründe für das Unverständnis in Bezug auf die Begehung von Ehrenmorden innerhalb der türkischen Diaspora in Deutschland sowie für Diskriminierung und soziale Benachteiligung durch die deutschen Bevölkerung.

Auf diesem Wissen aufbauend, werde ich im nächsten Kapitel näher auf die Folgen der Erziehung von patriarchalischen Familien in der türkischen Diaspora in Deutschland bzw. das Festhalten und Leben der heimatlichen Ideale, Werte und Normen im deutschen System für die jüngste Generation eingehen. Somit werde ich versuchen, mögliche Gründe für das Auftreten von Ehrenmorden in Deutschland durch die deutsch-türkischen Jugendlichen bzw. Heranwachsenden aufzuzeigen.

[...]


[1] Anthropologin und Turkologin Clementine van Eck (Janssen 2009, 12)

[2] Daraus resultiert, dass ich im Folgenden überwiegend von dem weiblichen Klientel/der weiblichen Adressatenschaft als Opfer ehrbezogener Gewalt schreiben werde. Ich verwende diese weibliche Sprachform, jedoch auch stellvertretend für die sehr geringe Zahl an von ehrbezogener Gewalt betroffenen Männern.

[3] Bundeskriminalamt: Im Folgenden nur noch kurz BKA benannt

[4] Schopenhauer: „Dieser Philosoph hat im 19. Jahrhundert ein interessantes (sic!) Text über die Ehre geschrieben.“ (Janssen 2009, 52)

[5] „Bereits 1990 gründeten türkische, meist in Deutschland geborene Jugendliche, in Frankfurt am Main die Jugendbande Turkish Power Boys, die bald schon etwa 50 Jungen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren umfassen sollte. Von ihrem Traditionsverständnis, ihren Erfahrungen, moralischen Grundsätzen und Wertvorstellungen, aber vor allem von ihren antigesellschaftlichen Aktivitäten handelt diese auf teilnehmender Beobachtung basierende Feldstudie. Dabei wird die Bandenbildung als Lösungsversuch gemeinsamer Problemlagen innerhalb der zweiten Einwanderergeneration interpretiert.“ (Tertilt 1996, Bucheinband)

[6] An dieser Stelle verweise ich auf hiesiges Kapitel 3, ‚Innere Konflikte der jüngsten Generation‘, Seite 18.

[7]Ilhan Kizilhan, Dr. rer. soc., Diplom-Psychologe. Arbeitsschwerpunkt: Konflikt- und Friedensforschung, Migrationsforschung, Klinische Psychologie, Ethnopsychologie, Sozialisationsforschung, Psychotraumatologie. Aktuelle Publikationen: Wege aus der Depression, 2003. Sozialisation im Krieg, 2004. Biographiearbeit für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, 2005. Der Irak als geopolitischer Stabilitätsfaktor und die Bedeutung des Reformprozesses in der Türkei, 2006.“ uvm. (Kizilhan 2006, Bucheinband)

[8] Terre des Femmes e.V.: ein 1981 in Hamburg gegründeter gemeinnütziger Verein, der sich für ein selbstbestimmtes und freies Leben von Frauen und Mädchen weltweit einsetzt. (www.wikipedia.org 2012 vgl. www.frauenrechte.de 2012).

[9] Interessierte Leser, die mehr über die fokussierte wissenschaftliche Betrachtung des Themas erfahren möchten, verweise ich auf die Lektüre: „Ehrenmorde in Deutschland. 1996-2005“. ISBN 978-3-472-08045-9.

[10] Vgl. Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.). Verbrechen im Namen der Ehre. Konferenzbericht. Veranstaltung vom 9. März 2005 in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kooperation mit TERRE DES FEMMES und amnesty international vgl. Holzer-Özgüven, Petra. Helden retten die Ehre der Familie - Frauen hüten sie. In: TERRE DES FEMMES/Böhmecke, Myria. Tatmotiv: Ehre. TERRES DES FEMMES e.V. Tübingen 2004, 40.

[11] „Die Endogamie (griech. endo innen, gamos Hochzeit) ist eine Heiratsregel, bei der Eheschließungen nur innerhalb einer bestimmten (der eigenen) Gruppe, Kaste usw. gebilligt werden.“ (www.wikipedia.de 2012)

[12] Parallelcousinen-Heirat: Die Verheiratung der Tochter mit einem Sohn ihres im gleichen Familienverband lebenden Onkels (Bourdieu 1976, 100)

[13] „Über die Verbreitung arrangierter Ehen und Zwangsverheiratungen bei Migranten in Deutschland gibt es in jüngster Zeit vermehrt Forschungsbemühungen (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2009).“ (Oberwittler. Kasselt 2011, 36)

[14] P artielle Anpassung: „die Anpassung an Rollen und die Erfüllung von Verhaltenserwartungen eines fremdkulturellen Sozialsystems, die der Erreichung von Zielen dient, welche in der Herkunftsgesellschaft liegen und nicht in der Wirtsgesellschaft, in der die Rolle übernommen wurde‘.“ (Kurz 1965, 818 in Treibel 1999, 132)

[15] „Ein relativ dauerhafter Kulturkonflikt ist dadurch gekennzeichnet, daß (sic!) die betroffene Person weder zur einen noch zur anderen Gruppe gehört, sondern jeweils am Rande steht (Marginalität).“ (Treibel 1999, 132)

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Seiten
56
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783955496036
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v296987
Institution / Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
Ehrenmord Gender Kriminalitätstheorie Soziologie Handlungsoption Sozialarbeit Psychologie

Autor

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Titel: Ehrbezogene Gewalt in der türkisch patriarchalischen Diaspora in Deutschland im Fokus der institutionellen Netzwerkarbeit