Lade Inhalt...

Die Ansprüche von Frauen an Partnerschaften: Wieso Beziehungen immer schwieriger werden

Bachelorarbeit 2009 54 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

2.2) Zwischen Ich-Bezogenheit und Einsamkeit

Diese neu entwickelte Ich-Bezogenheit führt in eine individuelle und gesellschaftliche Zwickmühle.

Auf der einen Seite wollen alle ihre Freiheit nutzen und ihr Leben so gestalten, wie sie es wollen, auf der anderen Seite ist aber auch niemand gern längere Zeit allein, vor allem nicht in Zeiten, in denen man so viele Wahlmöglichkeiten hat, da diese neue Freiheit zwar auf der einen Seite für einen uneingeschränkten und von Zwängen losgelösten Alltag sorgt, aber auch genauso starke Orientierungslosigkeit auslösen kann.

Man ist zwar von vielen alten Traditionen befreit, verliert so aber auch schnell den Halt . Wenn man die Schattenseiten der Individualisierung einmal genauer betrachtet, erkennt man, dass die Freiheit auch eine Herauslösung aus Sicherheit gebenden Gepflogenheiten bedeutet und „ein tiefgreifender Verlust an innerer Stabilität“ sein kann (Beck/Beck-Gernsheim 1990: S. 67).

Zwar waren feste Traditionen wie die Kleinfamilie im Bürgertum starke Einschränkungen für die persönliche Entfaltung, trotzdem wusste man genau, was von einem erwartet wurde und wie die Familie zu funktionieren hat, diese Bräuche und Normen waren etwas Verlässliches und nichts Unsicheres, so wie Partnerschaften es heute sind. Vor allem aber konnte man so nie Gefahr laufen, alleine zu sein, weil es sowieso kaum eine Möglichkeit gab, aus der Familie auszubrechen.

Aber jetzt, wo der Einzelne immer mehr an Flexibilität gewinnt, dafür aber an Stabilität verliert, wird es für das eigene Wohlbefinden immer bedeutsamer, eine Heimat zu haben, die einem Halt gibt. Diese Heimat kann vieles sein, z.B. ein Partner, eine Familie oder auch der Freundeskreis. Ohne das hat man allerdings nichts, was einen irgendwo hält und führt zur inneren Heimatlosigkeit (ebd. S.67). Man braucht also jemanden, der einen auf seinem individuellen Weg begleitet und der einem, in der sich immer schneller bewegenden Welt, zur Seite steht, um das persönliche Wohlempfinden bis zum Maximum zu steigern, denn den Menschen wird ihr psychisches Wohlbefinden immer wichtiger, was in vielen Forschungen zum Thema Glück genauer untersucht wurde: Für eine Studie wurde in einer Umfrage (n=1004) nach den Quellen für Glück und Wohlbefinden gefragt. Die Teilnehmer wurden gefragt, wie positiv sich verschiedene Quellen auf ihr Wohlbefinden auswirken. Hier rangierten die Quellen „Freunde um mich herum“ und „In einer Partnerschaft leben“ auf den ersten beiden Plätzen. 64% der Befragten fanden Freunde sehr wichtig und 63% das Leben in einer Partnerschaft. Dagegen belegt „Selbst gesteckte Ziele erreichen“ nur Platz 3 und „Arbeits-/Ausbildungsplatz“ sogar nur Platz 5 (Bertelsmann Stiftung 2008).

Solche Statistiken sprechen eine klare Sprache: Glücklich sind die, die sich mit Menschen umgeben, die ihnen nahe stehen, nicht die, die prinzipiell ihre Karriere an erster Stelle in ihrem Leben sehen.

Diese Erkenntnisse stellen allerdings eine große Zwickmühle dar: Auf der einen Seite sucht man in persönlichen Beziehungen und vor allem in intimen Partnerschaften Halt und Stabilität, auf der anderen Seite hat aber die Individualisierung für so viel Freiheit gesorgt, dass sich niemand mehr traut, sich auf einen anderen zu verlassen,weil man sich nie sicher sein kann, ob ihm seine Freiheit nicht doch wichtiger sein könnte und man am Ende wieder allein ist. So wird oftmals im Berufsleben nach Sicherheit und Kontrolle gesucht und das, was für weitaus mehr Wohlbefinden sorgen könnte, wird zunächst hinten angestellt. Man steht also immer vor der Frage ob man das Risiko einer Beziehung eingehen will, oder lieber den eher berechenbaren Weg einer Karriere geht.

2.3) Gestiegene Ansprüche

Damit Frauen eine Partnerschaft eingehen und sie auch eine hohe Priorität bekommt, muss diese mittlerweile viele Kriterien erfüllen können, um auch eine geforderte Stabilität aufweisen zu können, das heißt, Frauen verharren nur dann in ihrer Beziehung, wenn sie mit ihr auch wirklich zufrieden sind. Diese Zufriedenheit ergibt sich aus vielen Faktoren: Wo früher noch finanzielle Absicherung das Hauptkriterium für eine Partnerschaft war, stehen heute ganz andere Kriterien im Vordergrund, die Ansprüche an eine Partnerschaft sind immens gestiegen.

Vor allem aber hat man mehr Auswahl, man muss sich z.B. niemanden in seiner sozialen Schicht aussuchen und es wird einem auch kein Partner von den Eltern aufgezwungen. Das bedeutet, man hat praktisch die freie Wahl, abgesehen davon, dass der Andere die Beziehung auch wollen muss.

Aber was ändert sich, wenn man plötzlich die freie Wahl hat? Die individuellen Ansprüche an den Partner und die Partnerschaft steigen und man wägt genauer ab, ob der potentielle Partner die eigenen Erwartungen erfüllen kann, oder nicht. Vor allem aber versuchen Frauen sich immer besser darüber bewusst zu werden, was ihre Erwartungen überhaupt sind. Sie entwickeln nach und nach immer mehr Kriterien, damit die Auswahl nicht so schwer fällt und sie ein möglichst genaues Bild vom idealen Partner vor Augen haben. Im Folgenden soll zunächst erläutert werden, welche Kriterien es überhaupt sind, die als wichtig für die Partnerfindungsprozesse erachtet werden können und welche Dimensionen wichtig für die Beziehungszufriedenheit in bereits vorliegenden Beziehungen sind. Daran soll erläutert werden, ob sich daraus Hinweise ergeben, ob sich die Ansprüche an Partner durch die Individualisierung verändert haben.

3) Theorien zur Partnerwahl

Im Folgenden soll ein Überblick über die verschiedenen Ansätze und Theorien zur Partnerwahl gegeben werden, um zu sehen, inwiefern sich etwas durch die Individualisierung verändert hat, oder ob eigentlich keine Veränderungen nachzuweisen sind. Hierzu geben verschiedene Ansätze auch verschiedene Antworten, was nicht bedeutet, dass sie sich zwangsläufig immer widersprechen.

Begonnen wird mit einem Ansatz, aus dem sich schließen lässt, dass die Art der Partnerwahl eher evolutionsbedingt, und damit nicht durch Veränderungen in der Kultur oder eine längere Zeitspanne zu verändern ist.

Dann wird übergegangen zu den utilitaristischen Ansätzen, die alle auf dem Prinzip des Homo Oeconomicus basieren, also behaupten, dass man vor allem immer Kosten und Nutzen abwägt, bevor man eine Beziehung eingeht.

Danach wird auf kulturalistische Ansätze eingegangen, die schon eher belegen, dass die Art der Partnerwahl sich mit der Zeit ändern kann um dann zu den Studien zur Partnerwahl überzugehen, bei denen es um die Kriterien Ähnlichkeit, Bildung, Gelegenheiten und Alter gehen wird. Diese Studien belegen klar, dass es einen Zusammenhang zwischen der Individualisierung und der Partnerwahl geben muss, gerade weil sich im Bildungssystem nun mal einiges verändert hat.

3.1) Körperliche Anziehung und Attraktivität

Im folgenden Abschnitt wird es um körperliche Anziehung gehen. Das bedeutet, es wird erläutert, was für Frauen attraktiv und dann wird in diesem Kontext auf die Evolutionsbiologie eingegangen.

Von besonderer Bedeutung die Studien, die belegen, dass den Frauen die physische Attraktivität ihres Partners nicht besonders wichtig ist, im Vergleich zu Männern legen sie erheblich weniger Wert auf gutes Aussehen ihres Partners (Henns 1992: S. 9).

Auffällig ist aber, dass sie wesentlich mehr Wert auf andere Attraktivitäts-Merkmale als die Schönheit bzw. die Ästhetik eines Mannes legen. In einer Studie konnte belegt werden, dass Frauen Männer mit besonders männlichen Merkmalen auch als besonders attraktiv einstuften. In dieser Studie wurden den Teilnehmern Fotos von Personen des anderen Geschlechts gezeigt und diese sollten durch Adjektive bewertet werden. Das Ergebnis war, dass die Frauen den Männern, umso attraktiver diese für sie waren, besonders männliche Eigenschaften zuschrieben. Zu diesen Eigenschaften gehörten „dominant“, „independent“ und auch „direct“. Daraus lässt sich schließen, dass Frauen mehr Wert auf Maskulinität als auf Schönheit legen (ebd. S. 69). Dafür sprechen auch die bevorzugten physischen Merkmale, die Frauen an Männern besonders schätzen. Hierzu zählen z.B. physische Größe und Muskelkraft (Langthaler 2001: S. 42).

Allerdings ist nicht nur der wahrgenommene Grad der Männlichkeit von Bedeutung, auch Hinweise für die Existenz von materiellen Ressourcen tragen zur Attraktivität eines Mannes bei: Es konnte bewiesen werden, dass Frauen solche Männer präferierten, die älter als sie selbst waren, weil dies als Indiz für seinen Zugang zu ökonomischen Ressourcen betrachtet werden kann (ebd. S. 42).

Interessant ist in diesem Kontext auch, dass Frauen sich, im Gegensatz zu Männern, meist über die Attraktivität eines Mannes einig sind (Henns 1992: S. 267), was man so deuten kann, dass die Männlichkeit und der soziale Status durch das physische Erscheinungsbild objektiv gut zu bestimmen sind.

Vor allem die Evolutionsbiologie kann gut erklären, wieso Frauen gerade solche Männer präferieren: „Women historically have been constrained in their reproductive success not by the number of men they can gain sexual access to but rather primarily by the quantity and quality of the external resources that they can secure for themselves and their children and perhaps secondarily by the quality of the man's genes.“ (Buss/Schmidt 1993: S.206). Das bedeutet, dass Frauen in der Lage sein müssen, einen Mann, der bereit ist, seine Ressourcen in sie und in die Kinder zu investieren, auch zu erkennen (ebd.). Laut der Evolutionsbiologie ist das der Grund, warum bestimmte Männer besonders attraktiv auf Frauen wirken.

Dieser Tatbestand konnte sich mit der Zeit natürlich nicht ändern, die Individualisierung hat also in dieser Hinsicht keinen Einfluss auf die Attraktivität eines Mannes. Trotzdem erschien es sinnvoll, die Anziehungsforschung der Vollständigkeit halber in diesem Kontext mit einzubeziehen.

3.2) Rationale Theorien zur Partnerwahl

Das Prinzip des Homo Oeconomicus ist simpel: Dem ökonomischen Ansatz nach heiratet ein Mensch dann, wenn er von der Ehe einen größeren Nutzen erwartet, als vom Alleinbleiben oder von der weiteren Suche nach einem passenderen Partner (Becker 1982: S. 10). Das bedeutet, dass die Partnersuche sich nur an der Bilanz von Kosten und Nutzen orientiert, es geht also um Investition und Ertrag, das Eingehen einer Beziehung muss sich „lohnen“. Tatsächlich vergleicht Becker die Partnersuche mit wirtschaftlichen Märkten: „In der Tat scheint die ökonomische Theorie auf dem Weg zu sein, sich zu einem einheitlichen Bezugsrahmen für jegliches Verhalten zu entwickeln, das mit knappen Ressourcen zu tun hat, ob es nun um Nichtmarkt- oder um Marktphänomene geht, um nichtmonetäre oder um monetäre Aspekte, um kleine Gruppen oder um Wettbewerbssysteme.“ (ebd. S. 226).

Man kann also annehmen, dass Frauen, die als Homo Oeconomicus handeln, ihren individuellen Nutzen auf der Basis vollkommener Informationen über ihre eigenen Präferenzen und die Martkrestriktionen maximieren (Esser 1993: S. 236). Das bedeutet auch, dass jede Person einen bestimmten Marktwert hat, der sich aus individuellen Faktoren zusammensetzt, die zum Teil beeinflusst werden können, zum Teil nicht (wie z.B. Attraktivität). Dadurch können bspw. Konstellationen von auffällig hübschen Frauen und unattraktiven, wohlhabenden Männern entstehen. Auf Grund der Attraktivität hat so ein Mann möglicherweise keinen hohen Marktwert, das kann er aber durch Reichtum wieder ausgleichen und hat so größere Chancen, eine attraktive Frau als Partnerin zu bekommen. Natürlich kann das umgekehrt mittlerweile genauso funktionieren, schließlich sieht man immer häufiger ältere, wohlhabende Frauen mit attraktiven, jungen Männern.

Allerdings gibt es auch viel berechtigte Kritik am Modell des ökonomisch rationalen Menschen: Menschen sind keine "perfekten Rechenmaschinen" und auch keine "egoistischen Kaltblütler" (FAZ Online 2009). Gerade beim Thema Partnerschaft und Partnerwahl kann man die Bedeutung von Emotionen nicht einfach ausblenden, denn Emotionen sind nun einmal nichts Rationales und auch nichts, was sich berechnen lässt.

Trotzdem lässt sich sagen, dass die Individualisierung den Frauen die Möglichkeit gibt, ihren eigenen Marktwert zu beeinflussen, wodurch sie sich eine größere Auswahl an potentiellen Partnern verschaffen können.

3.3) Kulturalistische Ansätze

Ein weiterer Ansatz zur Erklärung von Partnerwahlprozessen sind die kulturalistischen Theorien. Einer der wichtigsten Vertreter dieser Ansätze ist der Systemtheoretiker Niklas Luhmann. Ihm zufolge gibt es Liebe oder Verliebtheit als Gefühl gar nicht, sondern es sind Kommunikationscodes, „nach dessen Regeln man Gefühle ausdrücken, bilden, simulieren, anderen unterstellen, leugnen und sich mit all dem auf die Konsequenzen einstellen kann, die es hat, wenn entsprechende Kommunikation realisiert wird“ (Luhmann 1982: S. 23).

Das, was wir als Liebe verstehen, ist nach Luhmann also nur eine „Gefühlsdeutung“, also eine Interpretation und Liebe sei nur eine Codierung von Intimität (ebd.). Diese Interpretationen sind allerdings kulturell überformt, was bedeutet, dass das Verliebtsein je nach Kultur und Epoche anders interpretiert und ausgelebt werden kann.

Man kann also das, was man heutzutage als Liebe bezeichnet, nur als dieses interpretieren, weil man durch Medien und Kommunikation gelernt hat, wie sich das anfühlen soll und wie man damit umzugehen hat.

Er versucht damit zu erklären, wieso eine Ehe heutzutage fast nur noch auf der Basis einer Liebeserklärung gegründet wird und nicht mehr, weil die Eltern eines Paares die Ehe arrangiert haben. Das bedeutet damit auch, dass die Partnerwahl stark vom kulturellen Kontext abhängt, was sich so interpretieren lässt, das nach Luhmann auch die Individualisierung einen großen Einfluss auf die Partnersuche hat, da diese in unserer Gesellschaft immer stärker kulturell verankert wird (ebd. S. 135) .

3.4) Studien zur Partnerwahl

Bei den Studien zur Partnerwahl geht es um verschiedene Faktoren: Die Studien beziehen sich auf unterschiedliche soziale Merkmale, also sozialstrukturelle Voraussetzungen der Liebe (Klein 2001). Im folgenden werden die zentralsten Merkmale Alter, Bildung, Gelegenheiten und Ähnlichkeit näher erläutert und es soll erklärt werden, inwiefern sich diese sozialstrukturellen Rahmenbedingungen auf Paarfindungsprozesse auswirken.

3.4.1) Alter

Es gibt verschiedene Studien, in denen untersucht wurde, inwiefern sich das Alter auf die Partnerwahl auswirkt. Klar ist mittlerweile, dass Frauen ältere Männer bevorzugen, in 73% aller Beziehungen ist der Mann älter als die Frau, allerdings trennten nur 6% aller Paare ein Altersunterschied von mehr als 10 Jahren (Destatis 2010). Für dieses Phänomen gibt es verschiedene Erklärungen: Einer der Erklärungsversuche ist die „Marriage Squeeze Theorie“ (Martin 2001: S. 287). Hier wird dargelegt, dass der Altersunterschied bei Paaren in bestimmten Altersstufen an der niedrigen Anzahl Frauen im Verhältnis zu den Männern in Deutschland liegt. Das liegt daran, dass Frauen erstens ältere Männer präferieren und zweitens auch noch früher heiraten. Dieser Umstand führt dazu, dass unverheiratete Männer ab 30 im Vergleich zu Frauen so stark in der Überzahl sind, dass sie vergleichsweise schlechte Chancen auf dem Heiratsmarkt haben, da die meisten Frauen in derselben Altersstufe schon verheiratet sind. Wenn sich die Männer dann in Richtung der jüngeren Frauen orientieren, stehen sie auch noch in Konkurrenz zu den jüngeren, unverheirateten Männern, die noch die Möglichkeit in Anspruch nehmen, eine gleichaltrige Partnerin zu finden (ebd. S. 310).

Ein anderer Erklärungsversuch stammt aus der Evolutionsbiologie: Bei einer Studie, bei der 10.000 schwedische Männer und Frauen untersucht wurden, wurde herausgefunden, dass sie die besten Fortpflanzungschancen haben, wenn der Mann älter ist, als die Frau (Fieder/Huber 2007).

Natürlich schließen die beiden Theorien sich nicht gegenseitig aus, sondern man könnte sagen, dass sie sich viel mehr ergänzen. Klar bleibt allerdings, dass Frauen sich generell eher ältere Männer als Partner suchen.

3.4.2) Bildung

Auch im Bereich der Bildung lassen sich klare Präferenzen erkennen. Nachdem Frauen sich eine ganze Zeit dem Prinzip der Bildungshypergamie fügten, sie also eher besser gebildete Männer heirateten, kann man mittlerweile viel eher von Bildungshomogamie sprechen (Blossfeld/Timm 1997: S.18).

Die verbesserten Bildungschancen von Frauen und der Wandel der Frauenrolle von der Mutter und Ehefrau zur Mit- oder sogar Alleinverdienerin haben dazu geführt, dass Frauen sich am liebsten Männer mit demselben Bildungsniveau auswählen. Trotzdem ist die Chance, dass sie mit jemandem eine Beziehung eingehen, der schlechter gebildet ist als sie, immer noch kleiner, als die Chance, dass sie sich jemanden suchen, der über mehr Bildung verfügt (ebd.).

3.4.3) Gelegenheiten

Auch Gelegenheiten sind ein wichtiger Bestandteil zur Erklärung der Partnerwahl, ganz nach dem Motto „Gelegenheit macht Liebe“ (Klein/Lengerer 2001: S. 265). Dieses Merkmal ist natürlich nicht ganz unabhängig vom Prinzip der Bildungshomogamie, da man natürlich, wenn man über dieselbe Bildung verfügt, oft in ähnlichen Kreisen verkehrt, was bedeutet, das man so am ehesten die Gelegenheit hat, sich kennenzulernen, frei nach dem Motto „Who does not meet, does not mate“ (ebd. S. 266).

Diese Theorie widerspricht teilweise die der Individualisierung, da man aus ihr schließen muss, dass eben nicht jede individuelle Person, unabhängig von allen persönlichen Merkmalen, die Möglichkeit hat, mit allen möglichen Partnern eine längerfristige Beziehung einzugehen (ebd. S. 265)

Viele Studien zeigen, dass es klare Muster in der Partnerwahl gibt und diese nicht rein zufällig sind, man also nur theoretisch die „freie Wahl“ hat (ebd.).

Bei einer Studie wurde belegt, dass sich in Westdeutschland 28,1% der Paare durch Freunde und Bekannte kennenlernten, 22,1% durch Schule oder die Ausbildung und 11,8% durch die Arbeit (ebd. S. 275), was einen klaren Trend aufzeigt und die Freiheit der Individualisierung in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt.

Eine andere Studie hat ergeben, dass bei einem Großteil der Bevölkerung (82%) nur 3 Handlungskontexte innerhalb einer Woche relevant für den Partnermarkt sind (natürlich abhängig von Geschlechter, Alter etc.), was auch zeigt, das Gelegenheiten von großer Bedeutung für die Partnersuche sind (Klein/Stauder 2008: S. 96). Außerdem gibt es viele Bedingungen, die partnermarktrelevante Begegnungen zusätzlich erschweren: 24% der Frauen gaben an, generell mehr Frauen als Männern zu begegnen und 42% sagten aus, dass die meisten Männer im Bekanntenkreis bereits vergeben sind (ebd. S. 102).

Es zeigt sich also klar, dass man zunächst genug Gelegenheiten haben muss, jemanden kennenzulernen, um eine längerfristige Beziehung einzugehen und dass diese Gelegenheiten nicht immer gegeben sind, was die Partnersuche deutlich erschweren kann. Die Individualisierung lässt den Suchenden also nicht direkt die freie Wahl.

3.4.4) Ähnlichkeit

Ähnlichkeit ist der Aspekt, der auch die Faktoren Bildungshomogamie und Gelegenheiten in sich aufnimmt, da schon erläutert wurde, dass die Chance, eine Paarbeziehung einzugehen dann steigt, wenn man sich in der Bildung und im sozialen Umfeld ähnelt.

Zwar gab es Versuche, die genau das Gegenteil beweisen wollten, wie das Komplementaritätsmodell von Winch (Winch 1958), aber die Behauptung, dass am besten Partner, die sich in ihren Einstellungen wenig ähneln, gut ergänzen können, gilt in der Wissenschaft schon lange als falsifiziert (Lenz 2009: S. 203).

Stattdessen wird den Studien, die belegen, dass Ähnlichkeit ein zentraler Faktor für die Partnerwahl ist, weitaus mehr Aufmerksamkeit geschenkt, wie einer Studie von Shanhong und Klohnen, in der untersucht wurde, ob sich Partnerschaften auf der Grundlage wechselseitiger Ähnlichkeiten bilden. Dabei kam heraus, dass man sich bei der Partnerwahl an den Merkmalen und Einstellungen orientiert, die leicht zu erkennen sind. Wenn diese den eigenen ähneln, ist man eher geneigt, sich auf eine Paarbeziehung einzulassen. Merkmale, die nicht so schnell zu erkennen sind (wie verborgene Persönlichkeitsmerkmale), haben nur einen geringen Einfluss auf die Partnerwahl, da man sich an diesen nicht orientieren kann, wenn sie nicht offensichtlich sind. Auch wurde in dieser Studie belegt, dass die Partnerschaftszufriedenheit umso höher ist, umso ähnlicher sich das Paar in den Einstellungen ist (Shanhong/Klohnen 2005: S. 304ff).

[...]

Details

Seiten
54
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783955496579
Dateigröße
299 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v297045
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
2,3
Schlagworte
Emanzipation Ehe Lebensstil Frau Paarbeziehung

Autor

Zurück

Titel: Die Ansprüche von Frauen an Partnerschaften: Wieso Beziehungen immer schwieriger werden