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Finanznachrichtenerstattung in Krisenzeiten: Eine empirische Analyse in Folge der Naturkatastrophe in Japan 2011

Bachelorarbeit 2011 51 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

2.1.3 Framing

Vom agenda setting klar abzugrenzen ist das framing. Diese Technik der Berichterstattung besteht im Auswählen und Betonen bestimmter Facetten eines Themas sowie der Knüpfung von Verbindung, sodass sich dem Empfänger eine bestimmte Interpretation, Bewertung und/oder mögliche Lösung aufdrängt.[1] Einerseits hat framing damit den positiven Effekt durch Präselektion dem Empfänger die Informationsaufnahme aus einem unüberschaubaren Angebot der Medien zu erleichtern. Auf der anderen Seite wird aber die eigene Interpretations- und Bewertungsfähigkeit des Rezipienten stark eingeschränkt.[2]

2.2 Finanzmarktreaktionen auf Berichterstattung

In Kapitalmärkten herrscht in aller Regel das Problem der Informationsasymmetrie. Nachrichten erfüllen als Kanal von Informationsverbreitung, neben Unternehmensberichten und Analystenprognosen, eine wichtige Rolle als Mittel in der Beseitigung dieser Asymmetrie.[3] Finanzmarkt-relevante Informationen, die die Marktteilnehmer über mediale Nachrichten erreichen, werden dabei allgemein als glaubwürdiger aufgenommen, als Unternehmenspublikationen und Prognosen von Analysten.[4] Diese erhöhte Glaubwürdigkeit ist ein Grund für die große Bedeutung, die mediale Finanzberichte und Nachrichten allgemein für die Finanzmärkte spielen.

Mitchell und Mulherin (1994) untersuchten Zusammenhänge zwischen Pressemeldungen und Marktaktivität und fanden eine signifikante Abhängigkeit zwischen der Menge veröffentlichter Informationen und erhöhter Handelsaktivität vor.[5] Zu einem ähnlichen Ergebnis, nämlich dass mehr verfügbare Informationen sich positiv auf Marktbewegungen auswirken, kommt auch Welker (1995), der einen positiven Einfluss von Offenlegungen von Unternehmensseite auf die Liquidität des Eigenkapitals der jeweiligen Unternehmen nachweist.[6]

Beide Studien beschäftigen sich folglich mit dem Einfluss der Präsenz von Informationen zu einem bestimmten Thema. Der Einfluss von wahrgenommener Präsenz einzelner Themen auf Erwartungs- und Bewertungshaltung von Personen ist das, was zuvor unter den Begriffen agenda setting und priming eingeführt wurde. Damit sind die Effekte des agenda settings und des primings wichtige Einflussfaktoren auf das Finanzmarktgeschehen und die Untersuchung der medialen Berichterstattung im Verlauf der japanischen Krise auf die Nutzung dieser Effekte hin ist ein lohnenswertes Thema für die Kapitalmarktforschung.

Für die Reaktionen des Marktes auf Finanzberichterstattung spielt aber nicht nur der konkrete Inhalt von Nachrichten eine entscheidende Rolle, sondern auch die Sprachwahl in den Mitteilungen. Davis, Piger und Sedor (2008) zeigen einen signifikanten Zusammenhang zwischen positivem bzw. negativem Ton in Quartalsberichten von Unternehmen und dem Unternehmensergebnis der darauf folgenden Quartale.[7] Ein ähnlicher Zusammenhang könnte auch zwischen positivem bzw. negativem Ton in medialer Berichterstattung vermutet werden.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der zeigt, was für eine entscheidende Wirkung Nachrichten haben können, ist die Autoritätsposition von der Medien auf Rezipienten aus wirken. Abhängig von der Sprachwahl der Berichterstattung werden einem Nachrichtenempfänger zusätzlich zu der eigentlichen Information oder Behauptung implizit Begründungen und Belege vermittelt. Damit beeinflussen Nachrichten auch ohne explizit angeführte Belege beispielsweise die Erwartungshaltung von Anlegern.[8]

Die Nutzung eines insgesamt positiven oder negativen Untertons, sowie bestimmte Sprachwahl mit dem Ziel dem Nachrichtenrezipienten eine bestimmte Interpretation und/oder Bewertung der Nachricht näher zu legen, wurde im vorherigen Abschnitt als Effekt des framing eingeführt. Damit ist auch die Nutzung dieses Effekts durch die Medien im Rahmen ihrer Berichterstattung über die japanische Krise ein relevantes Thema der Finanzmarktforschung.

Die in diesem Kapitel diskutierten theoretischen Grundlagen begründen zum einen warum die Beschäftigung mit der Finanzberichterstattung in Folge der Naturkatastrophe in Japan mit dem Hintergrund der Kapitalmarktforschung Sinn macht. Zum anderen liefern sie Ansätze für eine vergleichende Analyse dieser Berichterstattung durch die Definition und Abgrenzung dreier konkreter Effekte. Im Folgenden, empirischen Teil, soll auf Basis einer durch die Beobachtung dieser dreier Effekte bestimmten Systematik die mediale Darstellung Finanzmarkt-relevanter Informationen im Verlauf der japanischen Krise untersucht werden.

3 Themenschwerpunkte der Berichterstattung

Im vorhergehenden Abschnitt wurden mit agenda setting, priming und framing drei Ansätze für eine vergleichende Analyse der Berichterstattung in Folge der japanischen Naturkatastrophe erläutert. Da priming wie bereits erklärt häufig als Erweiterung des agenda setting betrachtet wird sollen in der nun folgenden Analyse priming -Erscheinungen vernachlässigt und lediglich agenda setting und framing als Ansätze verfolgt werden.

3.1 Methode der Bewertung

Unter dem Gesichtspunkt des agenda setting sollen im Folgenden zwei Charakteristika der Berichterstattung über Japan betrachtet werden: Zunächst ist zu untersuchen in wie weit die Krise in Japan selbst als disaster marathon durch eine starke Medienpräsenz als wichtiges Thema, also als agenda -Punkt vermittelt wurde. Anschließend ist zu prüfen, welchen Einfluss die Katastrophe in Japan auf die Präsenz bestimmter wirtschaftsrelevanter Themen in den Medien hatte, die damit ihrerseits ebenfalls zu agenda -Punkten wurden.

Als Maß für die Medienpräsenz der japanischen Krise insgesamt kann die Anzahl der Pressemitteilungen repräsentativer Nachrichtenagenturen zum Thema Japan ermittelt werden. Dazu entnehme ich den Datenbanken Factiva (Reuters) und LexisNexis (Rest) die tagesgenaue Anzahl der Suchtreffer für den Suchbegriff „Japan“ über einen Zeitraum von zwei Wochen vor dem Erdbeben bis zur gewählten zeitlichen Einschränkung (dem 11. April 2011) für alle untersuchten Medien. Aus der Anzahl der Suchtreffer im Zeitraum vor der Naturkatastrophe kann man das Normalniveau der Berichterstattung erkennen. Damit werden die einzelnen Nachrichtenagenturen nicht nur absolut anhand ihrer Publikationshäufigkeit verglichen, sondern ein relativer Vergleich der zeitraumbezogenen Veränderung ist möglich.

Um Veränderungen in der Medienpräsenz einzelner wirtschaftsrelevanter Themen im Zusammenhang mit der japanischen Krise zeigen zu können entnehme ich den selben Datenbanken die Anzahl der Suchtreffer für die Suchbegriffe „car“ (Automobilindustrie allgemein), „car export“ (Exporte der Automobilindustrie), „car import“ (Importe der Automobilindustrie), „steel“ (Stahlindustrie), „electronics“ (Elektronikprodukte), „chemicals“ (chemische Produkte), „oil“ (Öl) und „commodities“ (Rohstoffe allgemein) jeweils in Verbindung mit „Japan“. Die Wahl der Suchbegriffe orientiert sich dabei an den wichtigsten Import- und Exportgütern Japans[9], da hier die größten und wesentlichsten Veränderungen zu erwarten sind. Um Unterschiede deutlich zu machen ermittele ich aus den Daten über einen Zeitraum von einem halben Jahr vor dem Unglück (10. August 2010 bis 10. März 2010) die monatliche durchschnittliche Anzahl an Treffern im Zuge normaler Berichterstattung. Dem gegenüber stelle ich die Anzahl der Treffer im zur Einschränkung gewählten Zeitraum von einem Monat nach dem Unglück (11. März 2011 bis 11. April 2011).

3.2 Medienpräsenz Japans

Für „Japan“ als Suchbegriff ergeben sich im relevanten Zeitraum die folgenden Trefferzahlen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anzahl der Pressemeldungen zum Thema Japan; gemessen als Anzahl der Suchtreffer für den Suchbegriff „Japan“ in den Datenbanken Factiva (Reuters) und LexisNexis (alle anderen)

Vergleicht man die Anzahl der Pressemeldungen im Zeitverlauf fällt auf, dass die Kurven aller Agenturen bis auf die japanische Jiji und die chinesische Xinhua eine ähnliche Form haben: vom 11. März an steigt die Kurve bis zu einem Maximum um den 14. März stark an und flacht dann langsam asymptotisch wieder ab. Bei den Meldungen von Xinhua lässt sich zwar ebenfalls ein Anstieg der Publikationen ab dem 11. April erkennen, jedoch erreicht die Anzahl der Pressemeldungen sehr schnell (ca. 18. März) wieder das Normalniveau der Vor-Krisenzeit. Bei der Anzahl der Meldungen der japanischen Jiji lässt sich ab dem 11. März so gut wie kein Zuwachs erkennen.

Betrachtet man den Faktor, um den der Durchschnitt der Berichte in den ersten zwei Wochen nach dem Erdbeben über dem Durchschnitt der zwei Wochen vor dem Unglück liegt, lassen sich drei Gruppen unter den Nachrichtenagenturen erkennen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Veränderung der Medienpräsenz Japans in Folge der Naturkatastrophe, gemessen als Vielfaches der durchschnittlichen Anzahl an Pressemeldungen pro Tag nach der Krise gegenüber der Vor-Krisenzeit.

DPA und Reuters bilden die Gruppe mit der größten Steigerung um das 7-8-fache der normalen Berichterstattung. AFP, AP, Xinhua und Yonhap weisen eine jeweils ähnliche Steigerung um ca. das 3-fache auf. Auffällig ist auch in dieser Übersicht Jiji, da diese nur eine marginale Steigerung der Berichterstattung um 23% erkennen lässt.

Insgesamt kann hier beobachtet werden, dass sich die europäischen Agenturen (AFP, DPA und Reuters), die amerikanische AP und die südkoreanische Yonhap ähnlich verhalten. Nach dem Unglück am 11. März 2011 wenden sie sich Japan in ihrer Berichterstattung in stark erhöhtem Maße zu. Möglicherweise von gestiegenem Kundeninteresse geleitet weiten sie im Verlauf der Krise ihre Berichterstattung aus, worauf hin das Interesse an der japanischen Krise langsam wieder sinkt und eine wieder abnehmende Intensität der Berichterstattung vorliegt. Durch die weitreichenden Folgen des Bebens bleibt Japan aber über mehrere Wochen hinweg ein aktuelles Thema der Nachrichten und die Rückkehr zum ursprünglichen Niveau der Berichthäufigkeit findet nur langsam statt.

Als Kontrast dazu sieht man das Verhalten der chinesischen Xinhua und der japanischen Jiji. Xinhua scheint nach dem Erdbeben am 11. März eine kurze, ca. eine Woche andauernde, Phase verstärkter Berichterstattung zu haben, wonach sehr abrupt wieder zur Vor-Krisen-Intensität zurückgekehrt wird. In der intensivierten Phase berichtet Xinhua dabei auf einem relativ konstanten Niveau ohne eine klare Klimax. Die Berichterstattung der japanischen Jiji wurde von der Krise offenbar überhaupt nicht beeinflusst. Weder ist eine erkennbar erhöhte Frequenz an Nachrichten nach dem 11. März zu beobachten, noch ist irgendeine klare Entwicklung im Verlauf der Krise ersichtlich. Um ausschließen zu können, dass dieses Verhalten allein am Medium Jiji liegt, soll im Weiteren jeweils zusätzlich zu Jiji die Berichterstattung des Japan Economic Newswire von Kyodo, Japans zweiter großer Nachrichtenagentur, mit einbezogen werden.

Ferner ist bemerkenswert, dass Yonhap sich den westlichen Nachrichtenagenturen ähnlicher verhält, als den anderen asiatischen. Im Hinblick auf kulturelle und gesellschaftliche Werte ist Südkorea ein eher typisches asiatisches Land[10] und dementsprechend wäre eher eine mit der von Xinhua oder von Jiji vergleichbare Publikationsentwicklung zu erwarten gewesen.

3.3 Medienpräsenz japanischer Wirtschaftsthemen

Nach dieser Betrachtung der Präsenz von Japan in Nachrichten vor und nach dem Erdbeben am 11. März 2011 soll nun die Präsenz einzelner japanischer Wirtschaftsthemen betrachtet werden.

Bezüglich der Präsenz wichtiger Wirtschaftsthemen beobachtet man die folgenden Anzahlen an Berichten, die den entsprechenden Suchbegriff enthalten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Vergleich der Medienpräsenz zentraler Wirtschaftsthemen in Presseberichten vor und nach Ausbruch der japanischen Krise

Aus dieser ergeben sich folgende prozentuale Veränderungen in der Medienpräsenz der jeweiligen Themen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Prozentuale Veränderungen der Medienpräsenz zentraler Wirtschaftsthemen in Folge der japanischen Krise (Werte gerundet)

Bei der Schwerpunktsetzung der Themen lassen sich weniger Ähnlichkeiten erkennen, als bei den Verläufen der Berichtintensität. Lediglich die beiden japanischen Agenturen, Jiji und Kyodo, weisen beide eine, wenn überhaupt, nur kleine Veränderung in Folge der Krise auf. Beide berichten nach der Naturkatastrophe zwar deutlich weniger über Automobilexporte, die Berichthäufigkeit der anderen Themen ändert sich aber nur geringfügig. Damit kann festgehalten werden, dass die Berichtintensität und Themenwahl der japanischen Medien durch die Krise insgesamt deutlich weniger Einfluss erfahren hat, als die der restlichen untersuchten.

AP und DPA haben die größten Anstiege bei den Themen Automobil Import und Stahl. Die Schwerpunktlegung auf diese Themen könnte durch die Bedeutung von Japans Wirtschaft in diesen Bereichen für die USA und Deutschland erklärt werden: Deutschland und die USA sind zwei der größten Importeure japanischer Automobile[11] und wichtige Handelspartner für Stahl.[12]

Reuters weist unter allen betrachteten Medien die geringsten Schwankungen in der Veränderung der Schwerpunktsetzung auf. Abgesehen von den leicht unterproportional angewachsenen Berichten zu Automobilimporten und den leicht überproportional gestiegenen Meldungen zum Thema Stahl ist die Berichterstattung über alle betrachteten Wirtschaftsthemen hinweg insgesamt um das 2-3-fache angestiegen. Bedenkt man, dass Reuters einen der stärksten Anstiege in der Berichterstattung über das Thema „Japan“ insgesamt hatte (710%), kann daraus geschlossen werden, dass Reuters Wirtschaftsthemen im Ganzen sehr viel weniger als agenda -Punkte vermittelt hat als andere Aspekte der Krise.

Yonhap und Xinhua lassen beide einen besonders starken Anstieg bei den Themen Stahl, Chemie und Öl erkennen. Mögliche Ursache dafür kann sein, dass Südkorea und China Japans größte Handelspartner für Stahl[13] und Chemikalien[14] sind. Yonhaps verstärkte Berichte über Öl könnten darauf zurückzuführen sein, dass durch die Schäden an Japans Industrie der Ölverbrauch kurzfristig gesunken ist und südkoreanische Raffinerien die überschüssigen großen Mengen Öl aus Japan abnehmen.[15] Xinhuas verstärkte Berichterstattung über Öl könnte mit Chinas Interesse an Japans Ölbedarf liegen, da China und Japans zwei der größten Importländer von Erdöl sind.[16]

Alles in allem ist erkennbar, dass die durch Themenschwerpunktsetzung vermittelten agenda -Punkte, stark an die wirtschaftlichen Interessen des jeweiligen Herkunftslandes der Nachrichtenagenturen angelehnt sind. Mit Ausnahme der japanischen Medien ist tendenziell eine Verlagerung der Berichterstattung hin zu den wirtschaftlich relevanteren Themen je nach Medium zu beobachten. Mit diesen Erkenntnissen über das agenda setting der betrachteten Medien soll im nun folgenden Teil mit dem framing der zweite wichtige Nachrichteneffekt untersucht werden.

4 Neutralität der Berichtweise

Neben agenda setting ist framing ein weiterer wichtiger Effekt von Nachrichten. Nachdem im vorangegangenen Teil der Aspekt des agenda setting in den betrachteten Medien untersucht wurde, soll deshalb im nun folgenden Abschnitt das Element des framing in der Berichterstattung im Verlauf der japanischen Krise beleuchtet werden.

4.1 Methode der Bewertung

Am 11.04.2011 veröffentlichte der Internationale Währungsfond (IMF) den aktuellen World Economic Outlook (WEO). Der halbjährlich erscheinende WEO stellt einen Überblick über die jeweils aktuelle Weltwirtschaftslage dar und enthält Prognosen des IMF bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung bestimmter Staaten und Ländergruppen.

Im aktuellen WEO vom 11.04.2011 senkte der IMF in Folge der japanischen Naturkatastrophe seine Wachstumsprognose für Japan für das Jahr 2011 von 1,6% in den Prognosen im Januar 2011 auf 1,4%.[17] Diese Nachricht nahmen viele Medien zum Anlass über den Zwischenstand im Wiederaufbauprozess in Japan, sowie die Lage im Kraftwerk Fukushima I, zu berichten und Prognosen für die künftige Lageentwicklung abzugeben. Während alle Pressemeldungen dieselbe Information, nämlich die gesenkte Wachstumsprognose des IMF, als Hauptaussage haben ist es denkbar, dass die unterschiedlichen Medien die Kernnachricht unterschiedlich wertend vermitteln. Eine insgesamt eher positive oder eher negative Darstellung im Kontext würde dabei eine bestimmte Bewertung der Lage unterstützen und fällt damit unter die Definition von framing.

Für die Analyse von Texten auf ihren positiven oder negativen Unterton hin gibt es mehrere Methoden. Im Folgenden soll wegen seiner einfachen Verfügbarkeit der von Prof. Philip Stone und Kollegen an der Harvard University entwickelte General Inquierer (GI) zur Analyse verwendet werden. Der GI ordnet in einem Text vorkommende Wörter festgelegten, u.a. wertenden Kategorien, wie positiv, negativ, feindlich usw., sowie thematischen Bereichen, wie politisch, wirtschaftlich, zwischenmenschlich usw., zu. Als Ergebnis liefert der GI den prozentualen Anteil von Wörtern aus den einzelnen Kategorien im Verhältnis zur Textlänge.[18] Über das bloße Zählen bestimmter Wörter hinaus ist der GI in der Lage nicht grundsätzlich einer bestimmten Kategorie zuordenbare Wörter aus dem Kontext heraus zu erkennen und in der entsprechenden Kategorien zu erfassen.[19]

Mit Hilfe eines Vergleichs der Häufigkeits- scores bestimmter Kategorien der Berichte der untersuchten Nachrichtenagenturen kann auf die Verwendung von frames geschlossen werden. Ein insgesamt eher optimistisch formulierter Bericht unterstützt beim Rezipienten eine eher positive Beurteilung der Lage und eine optimistischere Sicht auf die zukünftige Entwicklung, was positives framing bedeutet. Dem entgegen suggeriert ein eher negativ formulierter Bericht eine ernstere Lage und unterstützt eine pessimistischere Haltung gegenüber der zukünftigen Entwicklung, was als negatives framing anzusehen ist.

Über die reine Wertung als positiv oder negativ hinausgehend sollen ferner frames erfasst werden, die bestimmte Dimensionen der Krise betonen und damit dem Rezipienten näher legen wollen. Zu diesem Zweck sollen neben den Kategorien „positiv“ und „negativ“ ferner die themenorientierten Kategorien „political“ und „economic“, sowie die Kategorie „interpersonal“ für die zwischenmenschlich-tragische Dimension der Krise betrachtet werden. Damit sind für einen Vergleich der benutzten frames die scores dieser fünf Kategorien der Berichte aller untersuchten Nachrichtenagenturen, die sich auf die aktualisierte Prognose des IMF beziehen und zeitnah nach dieser publiziert wurden, zu ermitteln.

[...]


[1] Vgl. Entman (2004), S. 5.

[2] Vgl. Tuchman (1978), S. 156.

[3] Vgl. Healy/Palepu (2001), S. 409–410.

[4] Vgl. Kothari/Li/Short (2009), S. 1659.

[5] Vgl. Mitchell/Mulherin (1994), S. 923.

[6] Vgl. Welker (2005), S. 811–815.

[7] Vgl. Davis/Piger/Sedor (2008), S. 19–22.

[8] Vgl. Davis/Piger/Sedor (2008), S. 11.

[9] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2011).

[10] Vgl. Hofstede (2003).

[11] Vgl. Ministry of Finance Japan (2010).

[12] Vgl. Ministry of Finance Japan (2010).

[13] Vgl. Ministry of Finance Japan (2010).

[14] Vgl. Ministry of Finance Japan (2010).

[15] Vgl. Financial Times Deutschland (2011).

[16] Vgl. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2009), S. 44.

[17] Vgl. International Monetary Fund (2011) S. 2.

[18] Vgl. Li (2008), S. 11–12.

[19] Vgl. Pennebaker/Mehl/Nierhofer (2002), S. 550.

Details

Seiten
51
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783955497781
Dateigröße
363 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v297157
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
Schlagworte
Nachrichtenforschung Krise Finanzmarktinformation Finanzmarkt Berichterstattung

Autor

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