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24/7 - Über die Beschleunigung der Gesellschaft: Unter dem Aspekt der Kommunikationstechnologien der Moderne und unter besonderer Berücksichtigung der Zeit und des Wissens

Bachelorarbeit 2011 56 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

3.2 Wissen im Laufe der Zeit

Eine kleine Geschichte des Wissens im Laufe der Jahrhunderte zu schreiben, gleicht einer Definition der Zeit. Ein mehr als schwieriges Unterfangen, wenn der Anspruch besteht, eine stringente Beweisführung darzulegen. Obgleich eine lückenlose Argumentation nicht realisierbar ist, soll dennoch versucht werden, einem groben Überblick gerecht zu werden. Dieser Überblick wird nötig, wenn man von modernen Wissensbeständen redet, die verständlicherweise nicht aus einer trivialen Leere entstanden sind. Die Ursprünge von vielerlei Wissensbeständen, wie zum Beispiel die der Physik, Philosophie, Ethik und Mathematik aber auch so grundsätzliche und wichtige Dinge wie die Sprache und Zahlen, liegen in der Geschichte. Wie bedeutungsvoll dieses Wissen eigentlich ist, das im Laufe der Jahrhunderte Stück für Stück zum kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft ‚herangewachsen‘ ist, vermag Friedrich Schiller mit folgenden Worten mehr als passend zu beschreiben:

Aus der Geschichte erst werden Sie lernen, einen Werth auf die Güter zu legen, denen Gewohnheit und unangefochtener Besitz so gern unsre Dankbarkeit rauben: kostbare theure Güter, an denen das Blut der Besten und Edelsten klebt, die durch die schwere Arbeit so vieler Generationen haben errungen werden müssen! … Ein edles Verlangen muß in uns entglühen, zu dem reichen Vermächtniß von Wahrheit, Sittlichkeit und Freyheit, das wir von der Vorwelt überkamen und reich vermehrt an die Folgewelt wieder abgeben müssen, auch aus unsern Mitteln einen Beytrag zu lesen, und an dieser unvergänglichen Kette, die durch alle Menschengeschlechter sich windet, unser fliehendes Daseyn befestigen (Schiller, 1838, S. 386).

Die Betrachtung beginnt etwa 3000 Jahre vor Christi Geburt (vgl. Van Doren, 1996, S. 11). Zu dieser Zeit leben eine Vielzahl von Völkern, von denen jedes für sich grundlegende Beiträge geleistet hat, auf dem Weg zu einer Informations- und Wissensgesellschaft (siehe Kapitel 4). Ägypter, Chinesen, Inka und Inder, also die frühen Hochkulturen, haben durch technische Innovation und Erfinderreichtum die damalige Zeit und teilweise sogar bis heute, nachhaltig geprägt. In Ägypten hatte man die Landwirtschaft und den Ackerbau perfektioniert, sowie die Kosmologie vorangetrieben, theoretisch wie praktisch und es so geschafft ein fast 3000 jähriges Reich zu etablieren (vgl. Van Doren, 1996, S. 22f; Fried & Süßmann, 2001, S. 56ff). Die Chinesen waren, gleichwohl wie die Ägypter, Meister der Baukunst, was nicht zuletzt die Errichtung der Chinesischen Mauer zeigt und zeichnen verantwortlich für eine der ersten und komplexesten Schriftsysteme (vgl. Van Doren, 1996, S. 26f). Die Inder der damaligen Zeit prägte ein ausgefeiltes Kastensystem, was die Gesellschaftsordnung aufrecht hielt und in seiner Art und Weise das wahrscheinlich erste war (vgl. Van Doren, 1996, S. 25f). Die Inka waren ebenfalls große Baumeister, was die sagenumwobene und atemberaubende Stadt Machu Picchu zeigt und das Straßensystem, dass die steil abfallenden Hänge der Anden überwand (vgl. Van Doren, 1996, S. 30f).

Der nächste Abschnitt wird von Van Doren auch als die „griechische Explosion“ (Van Doren, 1996, S. 56) bezeichnet. Hier liegen die Wurzeln vieler moderner Wissenschaften. Bedeutende Personen der damaligen Epoche wie Sokrates, Platon, Aristoteles, Demokrit und Thales, waren zum größten Teil Universalgelehrte, die sich mit vielen unterschiedlichen Gebieten beschäftigten, die heute einzelnen Wissenschaft zugeordnet werden (vgl. Van Doren, 1996, S. 71). Maßgeblich zu nennen ist Thales von Milet, dem der Titel anhaftet, der erste Philosoph und Naturwissenschaftler gewesen zu sein. Er spricht das erste Mal über einen Urstoff, dem Wasser und er geht nicht, wie ansonsten ständiges Vorgehen, bei unerklärlichen Phänomenen von sakrosankten Einflüssen. Vielmehr behauptet er, sei die Welt durch den Menschen begreifbar (vgl. Van Doren, 1996, S. 57f). Geht es um die Atomtheorie und damit um die Grundlagen der heutigen Physik, fällt unweigerlich der Name Demokrit, der diese Vorgänge mit seinem frühen Wissen beschrieb. Er spezifizierte die Aussagen von Thales, indem er dessen Begriff des Urstoffs, Inhalt gab. So soll dieser Urstoff aus vielen kleinen Teilchen bestehen, die er Atome nannte. Eine zur damaligen Zeit gewagte Vermutung, die, wenn auch nicht gänzlich, doch Gültigkeit besitzt und damit der Grundstein für folgende Atomtheorien ist (vgl. Van Doren, 1996, S. 66f).

Sokrates, Platon und Aristoteles haben sich nicht nur eingehend und ausschließlich mit rein philosophischen Fragen beschäftigt, wie zum Beispiel der nach der Liebe und ihrem Wesen, sondern sie haben auch Grundlagen hinsichtlich der politischen Systeme und der Politik an sich geschaffen (vgl. Van Doren, 1996, S. 71ff).

Der griechischen Epoche folgte das römische Imperium. Politische Gebilde wie das der Demokratie oder Oligarchie wurden hier gelebt. Die Gewalt in Rom teilte sich nicht nur unter den Reichen und wohlhabenden Familien auf, sondern auch unter ganz normalen Bürgern, den sogenannten Tribunen.[1] Eine Regierungsform, die erst spät wieder an Aktualität ge­winnen sollte (vgl. Van Doren, 1996, S. 99ff). Ebenso wie von der Politik, verstanden die Römer etwas von Hygiene. Ihre Bäder und Sanatorien sind in Form von Ruinen teilweise bis heute erhalten geblieben. Es gab öffentliche Toiletten und Abflüsse, die die krankmachenden Exkremente aus der Stadt ableiteten.[2] Sie schufen das elementare Wissen, das Reinlichkeit und Hygiene vor Krankheiten schützen.

All dieses Wissen, ist in der folgenden Epoche zu großen Teilen verschwunden und musste erst wieder im Laufe der Jahrhunderte mühsam erlernt und generiert werden. Das mag zum einen an der erheblichen Entfernung gelegen haben, zum anderen kann aber auch das Christentum dafür verantwortlich gemacht werden. Mit Kaiser Konstantin und seinem Sieg an der milvischen Brücke 312, wurde das Christentum groß. Konstantin hatte in der Nacht vor der entscheidenden Schlacht einen Traum, indem ein Engel ein Kreuz vor ihm hielt und sagte: „ In hoc signo vinces !“[3] Von da an unterstützte Konstantin das Christentum und beschützte ihre Anhänger vor den bis dahin so zahlreich stattgefundenen Verfolgungen. Das Christentum wurde zur Staatsreligion und jeder Christ protektiert und steuerlich entlastet (vgl. Van Doren, 1996, S. 130ff). Fortan bestimmte die Kirche und mit ihr der Glaube an Gott das Leben der Menschen. Ebenso beschäftigte sich die Wissenschaft, in Form der Theologie, mit der Frage nach Gott. Alles war auf den Glauben ausgerichtet. Diese Entwicklung einer einflussreichen und großen Kirche ist noch heute zu spüren und mehr als präsent in Form des Vatikans und des Papstes, im Wesen der katholischen und der evengelischen Kirche und im Glaube der Menschen. Auch zu dieser Zeit wurde beständig neues Wissen generiert, wenn auch hauptsächlich um die Kirche und den Glauben (vgl. Van Doren, 1996, S. 141ff).

Dem Mittelalter folgte die Zeit der Renaissance. Nach und nach beginnen die Menschen, die strikten Richtlinien und Dogmen der Kirche in Frage zu stellen und wenden sich wieder der klassischen Gelehrsamkeit zu. Wissenschaft als solche und nicht nur in Form der Theologie, wird wiederbelebt und bekommt ein Gesicht durch Personen wie Leonardo da Vinci[4] und Francis Bacon. Ideen des Humanismus kommen auf und die von Psalmen diktierte Literatur wird zurückerobert durch Männer wie William Shakespeare und Michel de Montaigne, die mit ihren Werken zeitlose Klassiker[5] geschaffen haben (vgl. Van Doren, 1996, S. 177ff). Die Leistung eines Mannes sei an dieser Stelle herausgehoben, denn er begründete den Buch­druck, der ein altes Medium (das Buch), für jedermann zugänglich machte und somit Wissen bereitstellte für jeden Bürger, der des Lesens mächtig war, auch wenn es immer noch nicht die Masse war (vgl. Van Doren, 1996, S. 202ff; Briggs & Burke, 2002, S. 15; Misa, 2004, S. 19ff).

Europa befand sich im Aufbruch und so auch die Entdecker dieser Zeit. Die wohl berümtesten sind Magellan und Christopher Columbus. Der erstgenannte schaffte als erster eine dokumentierte Weltumsegelung und der der zweite entdeckte, wenn auch unwissend, nicht Indien, sondern Amerika. Sie begründen eine Zeit der Schiffahrt und des weltumspannenden Handels. Entfernte Völker in Übersee boten kostbare Rohstoffe, wie Kakao oder Gold an, die im Europa dieser Tage enorm begehrt waren. Doch nicht nur Waren konnten auf diesem Weg gehandelt werden, sondern auch Wissen (vgl. Briggs & Burke, 2002, S. 23). Solches über Technik und die Natur aber auch über Philosophie und Theologie. Die ersten frühen Schritte auf dem Wege der Globalisierung (vgl. Van Doren, 1996, S. 221ff).

Wissen war bisher allgemeingültig und jeder war dazu imstande entsprechendes zu generieren, wenn er nur wusste. Doch ab der Mitte des 16. Jahrhunderts hat sich das geändert. In Anlehnung an das alte Griechenland und mit dem Wissensbestand des Abendlandes, hat sich die wissenschaftliche Methode etabliert. Ihr entspringen die heutigen Natur­wissen­schaften. Berühmte Vertreter und erste Naturwissenschaftler waren Johannes Kepler, Galileo Galilei und Isaac Newton. Sie stellten ihre Arbeit in den namen der Naturwissenschaft und kämpften, teilweise sogar unter Einsatz ihres Lebens, um die Anerkennung ihrer Erfolge (vgl. Van Doren, 1996, S. 241ff; Fried & Süßmann, 2001, S. 98).

Die Naturwissenschaften markierten den Aufbruch und eine Revolution schloss sich an. Doch bevor die gedanklich-moralische Revolution ihren Lauf nahm, reformierte sich die Technik. Grundlegende Maschinen[6] waren schon seit geraumer Zeit bekannt. Doch welchen Nutzen komplexere Apparaturen haben und welchen Vorteil sie für die Arbeitswelt bringen war lange Zeit unbekannt. Mit Newtons Werk ‚Principia mathematica philosophiae naturae‘ hat sich dieser Umstand jedoch geändert und die Erfinder der damaligen Zeit setzten dieses Wissen um. Die industrielle Revolution begann und Maschinen von Kohle und Dampf getrieben, wurden in die Arbeitsprozesse integriert (vgl. Briggs & Burke, 2002, S. 106ff). Doch nicht nur für die Arbeit sondern auch für den Transport von Menschen waren diese Maschinen zuträglich. Man nehme nur einmal die Erfindung der Eisenbahn, die es ermöglichte Personen für damalige Verhältnisse rasant zu transportieren (vgl. Briggs & Burke, 2002, S. 121ff; Misa, 2004, S. 112ff). Ein Faktor der den Wissensaustausch erheblich vereinfachte und be­schleu­nigte. Das waren die Anfänger unserer heutigen technisiserten Gesellschaft, doch fehlte noch eine weitere Entwicklung für den nächsten großen Durchbruch (vgl. Van Doren, 1996, S. 275ff). Neben der maschinellen, war auch die politische und gedankliche Welt im Umbruch. 1776 spalteten sich 13 Kolonien von der Britischen Krone ab und gründeten mit der Unabhängigkeitserklärung, die Vereinigten Staaten von Amerika. Nur wenig später kam es auch auf dem europäischen Kontinent in Frankreich zur großen Revolution von 1789. Getragen von dem Gedankengut der damaligen Denker wie John Locke, François Marie Arouet, Jacques Rousseau und Denis Diderot, begehrte das einfache Volk gegen den Despotismus der alten Herrscher auf. Die Bastille wurde gestürmt und ebenso das Schloss Versailles, wo der König zu leben pflegte. Für ein Land das Jahrhunderte von Königen regiert wurde, ein mehr als fundamentaler Umbruch (vgl. Van Doren, 1996, S. 286ff;Briggs & Burke, 2002, S. 96ff).

Die Schritte hin zu unserer modernen Gesellschaft wurden immer rasanter und die Entwick­lungen immer beeindruckernder und schneller. Das 19. Jahrhundert, geschüttelt von Kriegen wie dem Deutsch-Französischen Krieg und dem Deutschen Krieg, war der Nährboden für diese Innovationen. Eine der wichtigsten war die Erfindung der Elektrizität, die wiederum in Verbindung mit den Maschinen einen neuen Meilenstein der Produktivität markierte (vgl. Misa, 2004, S. 142ff). Man bediente sich neuer Rohstoffe wie zum Beispiel des Öls um zu heizen und Maschinen anzutreiben. Das Telefon[7] und der Telegraf[8] wurden erfunden und so ein Austausch von Informationen und folglich auch von Wissen in einem noch höheren Tempo ermöglicht (vgl. Briggs & Burke, 2002, S. 104). Geld als Zahlungsmittel war der Menschheit schon seit Jahrtausenden bekannt, aber hatte nie eine vordergründige Bedeutung. Mit dem Aufleben der Wirtschaft, wurde auch das Geld als Tauschmittel immer wichtiger. Der moderne Geldhandel begann und die ersten professionellen Geldleiher taten ihren Dienst, ein komplett neuer Wirtschaftszweig entstand, der die Grundlage der heutigen Banken und Geldsysteme bildet (vgl. Van Doren, 1996, S. 311).

Was folgt ist eine Zeit der Kriege. Der erste und der zweite Weltkrieg haben Tod und Verderben unter den Völkern dieser Erde gesät und dennoch muss man bemerken, dass auch diese Zeit eine des Lernens und der Wissensgenerierung war. Die Kriegskunst, ganz gleich welcher Wertigkeit, wurde verfeinert und die Waffen immer effektiver und tödlicher (vgl. Van Doren, 1996, S. 359). Doch auch in dem Anliegen der Militärs steckte Wissen, das sich friedlich nutzen ließ und immer noch nutzen lässt. Die Atomtheorie von Demokrit wurde wieder aufgegriffen und so grauenvoll die Erfindung der Atombombe war, solch ein Segen, den man auch zweifelhaft betrachten kann, war die Erfindung und Nutzung der Kernenergie. Wie schon zuvor, taucht auch hier der Name Einstein wieder auf. Darüber hinaus war das 20. Jahrhundert, bezüglich der Genese von Wissen, ein regelrechter Sprung nach vorn, im Vergleich zu den vorherigen Jahrhunderten. Die Informations- und Wissensgesellschaft etablierte sich (vgl. Van Doren, 1996, S. 403ff).[9]

3.3 Technisierung im 20. Jahrhundert

Neben den bereits beschriebenen Entwicklungen zu Beginn des 20. Jahrhundert gab es auch solche Innovationen, die unsere heutige Kommunikation grundlegend verändert haben, und denen wir einen beschleunigenden Charakter zuschreiben. Bereits bestehende Faktoren, die akzelerierend wirken, wurden im Laufe der Zeit verbessert und haben ihren Wirkungsgrad lediglich erhöht. Dazu gehört zum Beispiel das Flugzeug als Transportmittel oder das Telefon um zu kommunizieren, genauso wie der Fernseher. Doch gab es auch einige komplett neue Erfindungen, die weitere komplett eigenständige Bereiche bildeten. In diesem Zusammenhang sind der Computer und das Internet zu nennen.

Am Anfang war der Computer. Noch vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges baute der Deutsche Konrad Zuse den ersten Computer, auch Z1 genannt, der mit einem Binär-System arbeitete, so wie es die heutigen Computer immer noch tun. Man unterteilt die darauffolgende Entwicklung in 5 Abschnitte, je nach Stand der Entwicklung. Zwischen 1945 und 1955 wurde die erste Generation elektronischer Rechner produktionsreif. Damals füllten sie noch ganze Zimmer und wurden von Elektronenröhren gesteuert. Im Falle des ersten Automaten dieser Art, dem ENIAC, waren es 18.000 solcher Röhren, was auch die immense Größe erklärt.[10] Die zweite Generation startete mit dem Jahre 1955 und ging bis 1965. Die Elektronenröhren wurden gegen den neu entwickelten, viel kleineren, zuverlässigeren und wesentlich schnelleren Transistor ausgetauscht und somit der Rechner das erste Mal marktfähig. Programme wurden zunächst noch mit Hilfe von Lochkarten bereitgestellt. Mit der Entwicklung der praktikableren magnetischen Speicherverfahren (Magnetband, Magnettrommel, etc., wurde die Lochkarte obsolet. Mit dem Verkauf der ersten Rechner, manifestierten sich auch neue Berufsbilder, wie die des Programmierers, des Entwicklers und vieler anderer. Die sich 1965 anschließende dritte Generation wurde von der Integrierten Schaltung (IC - Integrated Circuit) bestimmt. Die immer noch riesigen Rechner konnten somit um ein vielfaches verkleinert werden, auf eine Größe die den Gebrauch zu Hause ermöglichte. Zudem sank der Preis für ein solches Gerät erheblich. Die federführenden Firmen waren Xerox und IBM. Xerox baute auch den ersten Rechner mit einer grafischen Oberfläche (Monitor), der den heutigen Standards schon nahe kam. Doch anders als IBM verkannten sie das wirtschaftliche Potenzial dieser Rechner und haben diese nie in Serie produziert. 1980 startete die vierte Generation. IBM war im Bereich der Personal Computer (PCs) auf dem Vormarsch und versorgte binnen weniger Jahre die Haushalte mit den ersten eigenen Rechnern. Aufgrund der groß angelegten Produktion konnten die Kosten nochmals um ein vielfaches gesenkt werden. Auch wenn das Äußerliche der Geräte der 1980er mit den Rechnern von heute vergleichbar ist, so macht die Technik, die sich im Inneren befindet, doch einen erheblichen Unterschied. Die fünfte Generation startete ab 1990 und hält bis heute an (vgl. Delvaux de Fenffe, 2009; Lenz, 2006; Misa, 2004, S. 217ff; Van Doren, 1996, S. 431ff).[11] In sie fallen all die Neuerungen, die die Technik noch kleiner und leistungsfähiger gemacht haben. Neben den Rechnern zu Hause haben sich Notebooks etabliert und seit kurzer Zeit auch die noch kleineren Netbooks. PCs im Taschenformat, die sogenannten PDAs haben sich eine ganze Zeit auf dem Markt gehalten, jedoch sind sie heute in die absolute Bedeutungslosigkeit verschwunden. Ersatz schaffen zwei Entwicklungen: Die eine ist das Smartphone, das erstmals 2007 in Form des iPhone auf den Markt kam und binnen kürzester Zeit zum Kassenschlager wurde. Die andere ist der Tablet-PC. Zwar gab es in den 90er Jahren schon Versuche mit dieser Form der Technik, aber kein Modell konnte sich durchsetzen, bis 2010 im Januar das iPad auf den Markt kam (vgl. Dernbach, 2011).

Diese neue Generation an Technik vereinigt verschiedene Systeme in einem Gerät. So werden PDA, Telefon, Mp3-Player und Internetzugang in einem Gerät zusammengefasst. Die Entwicklung schreitet in komprimierter und kombinierter Form voran und wird immer leistungsfähiger (vgl. ebd.).

Die zweite Innovation, die im Rahmen der Technisierung des 20. Jahrhunderts von enormer Bedeutung war, ist die bereits angesprochene Entwicklung des Internets. Eine rasante Entwicklung von etwas mehr als 40 Jahren vom ersten übertragenen Wort bis hin zu dem was wir heute als Web 2.0 kennen (vgl. Fisch & Gscheidle, 2008, S. 364; Alby, 2007, S. 15ff).

Angefangen hat der Aufbau 1957. Die Sowjets hatten den ersten Satelliten (Sputnik 1) ins All geschossen. Die Sorge in den USA vor einem nuklearen Erstschlag, ließ die Amerikaner die DARPA (Defensive Advanced Research Project Agency) gründen. Eine Agentur, die dem US-Verteidigungsministerium angegliedert war, und sich hauptsächlich damit beschäftigten sollte, wie man Informationen computergestützt überträgt, um den Kommunikationsfluss deutlich zu beschleunigen. 1966 wurde Larry G. Roberts damit beauftragt, das ARPANET (Advanced Research Projects Agency Network) zu entwickeln. Mit Hilfe der besten Informatiker des Landes entwickelte er ein dezentrales System, um Daten zu übertragen. Die ersten ‚Versuchsobjekte‘ waren Universitäten in den USA, die miteinander vernetzt wurden. 1969 war es dann soweit und die erste Nachricht, nur bestehend aus dem Wort ‚Login‘, wurde übermittelt. Der nächste Meilenstein folgte 1971 mit dem ersten Email-Programm. Erfinder war Ray Tomlinson, der mit diesem Schritt auch das @-Zeichen als verbindlichen Teil für jede Email-Adresse einführte. Wurden bisher lediglich Emails geschrieben, ging es nun darum, auch komplexere Datenkonstrukte zu übertragen. Zu diesem Zweck programmierte man für das Netzwerk eine Art Software. 1973 wurde dazu das TCP/IP (Transmission Control Protocoll / Internet Protocoll) erfunden. Dieses ist auch heute noch der Standard für den Datenaustausch, ein entscheidender Schritt hin zu unserer heutigen Internet-Realität. 1984 ist es dann soweit und der erste deutsche Rechner ist mit dem Netz verbunden. Michael Rotert erhält an der Universität Karlsruhe die erste Email aus den USA. Der entscheidende Schritt hin zu einem massenfähigen Produkt, das von der breiten Bevölkerung benutzt werden kann, wurde 1989 vollzogen. Praktisch im Alleingang konstruiert Tim Berners Lee, ein Mitarbeiter am CERN in der Schweiz, das uns heute so bekannte ‚World Wide Web‘, das WWW. Obgleich die Rechner vernetzt waren, bedienten sie sich dennoch alle unterschiedlicher Netzwerkstrukturen. Das führte dazu, dass ein Austausch untereinander, teils unmöglich und teils nur sehr schwierig möglich war. Zu diesem Zweck schuf Berners Lee die Programmiersprache HTML (Hypertext Markup Language). Die auch Hypertext genannte Auszeichnungssprache begründete den Standard für alle Webseiten. Die Informationsflut, die sich im CERN und im Internet angesammelt hatte und die unüberschaubar wurde, konnte nun sortiert werden und per zugewiesener Adresse (www.) einzeln angesteuert werden. Zusätzlich schuf man das System einer Verlinkung zwischen den einzelnen Webseiten, damit nicht immer eine neue Adresse eingegeben werden musste. So entstanden aus mehreren Webseiten, ganze Websites.[12] Um die Inhalte des Internet vernünftig darzustellen und um eine passende Oberfläche zu bieten, wurden sogenannte Webbrowser erfunden. Einer der ersten und zur damaligen Zeit um 1993 der populärste, war der Browser Netscape Navigator von Netscape. Im darauffolgenden Jahr gingen die ersten Suchmaschinen online, wie zum Beispiel Yahoo!. 1998 folgte der heute größte Unternehmer in diesem Segment, Google. Mit steigender Anzahl der Nutzer stieg auch die Zahl der Verwendungsmöglichkeiten. War das allgemeine ‚surfen‘ im Netz kein Problem, wurde das Laden von größeren Dateien schon sehr langwierig. Ab 1999 wurden deswegen die ersten Breitbandnetze freigeschaltet, besser bekannt unter dem Namen DSL. Ein weiterer Erfolg war das sogenannte Web 2.0, in dessen virtuellen Zeit wir uns heute befinden. Der Nutzer sollte interaktiver in das Internetleben mit einbezogen werden, um so eine neue Qualität zu schaffen. Er sollte nicht nur Konsument sein, sondern auch Produzent. In diesem Zusammenhang sind Portale wie Ebay und Amazon entstanden, wo es fortan möglich war nicht nur einzukaufen, sondern auch zu verkaufen. Seiten wie YouTube und Myspace ermöglichten es erstmals die eigene Kreativität per Video nach außen zu tragen und das für jeden der es sehen wollte. Foren zu jedem erdenklichen Thema wurden eröffnet und Blogs, eine Art elektronisches Tagebuch, wurden massenweise geschrieben und jeder, der möchte, kann es sich durchlesen und kommentieren. Soziale Netzwerke wie Facebook und StudiVZ wurden gegründet und vereinen einen Teil der Welt[13] in sich. Doch dazu mehr im Kapitel 4 (vgl. Schaefer, 2009).[14]

Was bei den vorherigen Betrachtungen deutlich geworden ist, ist die Tatsache, dass der technische Fortschritt nicht aufzuhalten ist. Ganz gleich, ob man ihn nun negativ oder positiv interpretiert. Die Technik treibt die Gesellschaft voran.

3.4 Informations- und Wissensgesellschaft

Unter dem Aspekt der steten Technisierung verändert sich auch das wirtschaftliche Gefüge. Ging man bisher von einem traditionellen 3-Sektoren-Modell aus – Landwirtschaft, Industrie, Dienstleistungen – muss mit dem Lauf der Entwicklung ein neuer Sektor benannt werden, nämlich der der Wissensindustrie (vgl. Zillien, 2006, S. 8).

Information und Wissen, sind dabei als eigenständige Begrifflichkeiten voneinander abzugrenzen, besitzen aber den gleichen Sinnzusammenhang. Informationen richten sich an den Fortschritten der Technik aus. Neue Medien stellen mehr und/oder schneller Informationen bereit. Das Wissen hingegen beruht unter anderem auf der Gabe des Menschen, sich dieses anzueignen. Es muss erlernt werden und kann, anders als Informationen, nicht einfach weitergegeben werden. Es geht nicht nur um die Information an sich, sondern um das, was wir daraus machen, und zu was wir diese Information benutzen (vgl. Zillien, 2006, S. 10)[15].

Die Informations- und Wissensgesellschaft gewinnt immer mehr an Bedeutung. In einer Gesellschaft, wo Wissen und Information Kapital bedeutet, verschieben sich die Prioritäten der Erwerbstätigen in der Wahl ihres Berufes. Der Handel mit Wissen und Informationen tritt in den Vordergrund und der produktive Sektor wird zum einen zunehmend in das Ausland ausgelagert, wo die Herstellungskosten niedriger sind, und zum anderen mehr und mehr technisiert und damit die Nachfrage nach Arbeitskräften minimiert, um Produktionskosten zu sparen und effizienter zu arbeiten (vgl. Zillien, 2006, S. 11; Serrano-Velarde, 2009, S. 342; Schefold, 2009, S. 94ff).

Mit dieser Entwicklung einher geht ein verstärkter Fokus auf die Bildungslandschaft. Wenn Wissen und Information zu einem wichtigen ‚Handelsgut‘ werden, müssen die bildenden Institutionen diesen Entwicklung unterstützen und ein entsprechendes Bildungsangebot unterbreiten. Doch auch die Politik muss hinter solchen Veränderungen stehen und mit einer gezielten Förderung des Bildungssektors und entsprechenden Investitionen in dessen Ausbau dafür Sorge tragen, dass der Nachwuchs auf dem nationalen und internationalen Arbeitsmarkt mit dem entsprechenden Wissen und Informationen bestehen kann (vgl. Zillien, 2006, S. 12).

Die Informations[16] - und Wissensgesellschaft hat sich jedoch nicht aus einem Selbstzweck heraus gebildet, sondern ist neben den bereits beschriebenen technischen Innovationen auch ein Produkt der Politik und der der von ihr untrennbaren Ökonomie. So bezeichnet die Wissensgesellschaft „in erster Linie das Bestreben, die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Europäischen Union in ihrer Gesamtheit auf das Innovations- und Wachstumsziel auszurichten. Das Modell der Europäischen Wissensgesellschaft wird so zum normativen Bezugsrahmen für die Entwicklung der einzelnen Mitgliedsländer, die Wissensgesellschaften werden sollen. Die Transformation wird als Voraussetzung gesehen, um die notwendigen wirtschaftlichen Wachstumsraten zu erreichen, die ihrerseits der Erhaltung des europäischen Gesellschaftsmodelles dienen sollen“ (Schefold, 2009, S. 88). Von der Politik ‚protektiert‘ und maßgeblich initiiert, ist die Vorstellung einer Informations- und Wissensgesellschaft fest in den Strukturen der Bevölkerung verankert. Es geht um Wohlstand für alle, doch der Weg dahin ist von Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten geprägt. Die Spaltung im Wissen und Nicht-Wissen der Bevölkerung wird immer größer. Der Zugang zu Informationen und folglich zu Wissen teilt sich auf. Obgleich man auf nationaler Ebene davon sprechen kann, dass jedem Einzelnen Schulbildung zusteht und jeder die Möglichkeit hat, das Internet zu benutzen, sieht das auf internationaler Ebene ganz anders aus. Die Etablierung einer umfassenden Informations- und Wissensgesellschaft als den nächsten Schritt einer Gesellschaft in der Geschichte zu sehen wird damit hinfällig (vgl. Schefold, 2009, S. 87ff). „Die Formierung der neuen Wissensgesellschaft ist nicht eine neue Stufe, die wir nach reiflicher Erwägung der Möglichkeiten künftigen Ausgleichs erklimmen, sondern nur eine Etappe in einem Modernisierungsprozess, zu dem es keine Alternativen zu geben scheint“ (Schefold, 2009, S. 89).

Diese Modernisierung wird von den medialen Möglichkeiten und Technologien des 20. und 21. Jahrhunderts getragen. „Die Moderne ist … mit dem Begriff des Fortschritts entstanden […]“ (Eco, 1999, S. 244). Modernisierende Prozesse gab es schon seit Anbeginn der Zeit (vgl. Rosa, 2005, S. 71). Wie das Kapitel 3.2 zeigt, begünstigen Innovationen die Schaffung von neuen Ideen. Segel erhöhten die Geschwindigkeit von Schiffen. Dampf ermöglichte es Eisenbahnen zu konstruieren und den Landweg wesentlich schneller zu bestreiten. Elektrizität war unter anderem ausschlaggebend für die Automatisierung von Maschinen. Turbinen waren ein Meilenstein und das nicht nur für die Fliegerei. Und das Internet ermöglicht einen stets zur Verfügung stehenden, schier unerschöpflichen, Zugang zu Informationen und Wissen. Diese Entwicklung kann man wie eine Gleichung betrachten, die beständig exponentiell steigt. Die Steigung kann dabei als Beschleunigung gesehen werden, denn mit dem Fortschreiten der Technik, sind wir dazu in der Lage, uns immer schneller fortzubewegen[17], immer schneller zu kommunizieren und so im Sinne der Wissensindustrie, immer schneller zu arbeiten (vgl. Rosa, 2005, S. 161ff). Diese Tendenzen einer „Schnelllebigen Moderne“ (Rosa, 2008, S. 144-153) führen dazu, dass die Beschleunigung mit einem lebensweltlichen „Dämon“ (Rosa, 2008, S. 143-145, 148) gleichgesetzt wird. Man kann hier auch von einer Dämonisierung oder Verteufelung reden. Auch die Presse sieht die beschleunigenden Aspekte eher negativ und in einem fragwürdigen Licht, denn als Chance oder Bereicherung, und beständig taucht die Frage auf, wie wir der Beschleunigung entgehen können bzw. wie wir ihr entgegentreten können (vgl. Elstner, 2011; Rosa, 2010; Schnabel, 2009; von Thadden, 2011).

Dass der technische Fortschritt und die damit einhergehende Beschleunigung einen Impakt auf die Gesellschaft haben, ist evident. Fragt man nach dem wie, also wie dieser Einfluss aussieht, steht man tendenziell einem eher negativen Meinungsbild gegenüber. Das folgende Kapitel soll die Wirkungen dieser Einflüsse auf die Gesellschaft und auf das einzelne Individuum unter Berücksichtigung der modernen Medien und Kommunikationsmöglichkeiten näher beleuchten.

[...]


[1] Der Richtigkeit halber muss erwähnt werden, dass auch wenn die Tribunen, also die ‚normale‘ Bevölkerung, beteiligt war, dies immer noch ein geringer Teil der gesamten Einwohnerschaft der damaligen Städte war.

[2] Winkle, 1984

[3] Frei übersetzt bedeutet das: In diesem Zeichen wirst du siegen! (vgl. Staubach, 2010, S. 1ff)

[4] Vergleiche Misa, 2004, S. 7ff.

[5] Zum Beispiel Love’s Labour’s Lost von Shakespeare (vgl. Shakespeare, 1995).

[6] Die fünf einfachsten wie sie Van Doren nennt, waren Hebel, Keil, Rad mit Achse, Flaschenzug und Schraube (vgl. Van Doren, 1996, S. 275).

[7] Für nähere Informationen siehe auch Briggs & Burke, 2002, S. 143ff.

[8] Für nähere Informationen siehe auch Briggs & Burke, 2002, S. 133ff.

[9] „Technik wird nicht nur von den Bedürfnissen … herausgefordert, sondern auch von den Träumen und Visionen unserer Kultur bestimmt. Technik entscheidet mit, was wir tun, wie wir denken, vielleicht sogar was wir sind“ (Duddeck, 2008, S. 215)

[10] Siehe Abbildung 4

[11] Obgleich man es der Quellenlage nicht entnehmen kann, wäre eine neuerliche sechste Generation denkbar, die mit dem Aufkommen der Smartphones und der Tablet-PC’s im Jahre 2007 beginnen könnte.

[12] Zur Unterscheidung Website, Webseiten siehe auch Allendörfer, 2010.

[13] Was für Ausmaße das annehmen kann zeigt das Beispiel von Facebook. Bei einer Weltbevölkerung von rund 7 Milliarden Personen (Population Reference Bureau, 2011, S. 2) und einer Benutzeranzahl von rund 800 Millionen bei Facebook (facebook, 2011), bedeutet das, dass etwas mehr als 11% der Weltbevölkerung dort vertreten sind.

[14] Siehe auch www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/754048/Eine-kleine-Geschichte-des-Internet zu diesem Thema.

[15] Das Wissen wird an dieser Stelle über die Information gestellt. Eine komplett differente und zugleich provokante Ansicht dazu, kommt von Iglhaut: „Das Wesentliche im Universum ist nicht das organische Leben, sondern die Information. Das ist zwar menschenfeindlich, aber im Grunde richtig gedacht. Information heißt Zukunft, Tradierung. Das Organische vergeht sowieso. Wenn sich herausstellt, dass der Mensch dem Computer als Träger der Information unterlegen ist, dann muss die Aufgabe des Computerspezialisten sein, die macht den Computer zu übertragen, dem höheren Wesen. Der Humanismus, an dem wir uns festhalten, ist so gesehen der letzte Mythos“ (Iglhaut, 2007, S. 3).

[16] Vergleiche auch Briggs & Burke, 2002, S. 260ff.

[17] Siehe hierzu auch Abbildung 3

Details

Seiten
56
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783955498498
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v297270
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
Soziale Netzwerke Social Media Internet 2.0 Medien

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