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Strukturierte Produkte: Ein Instrument für jeden Anleger?

Diplomarbeit 2011 63 Seiten

Leseprobe

3 Strukturierte Produkte auf einen Blick

3.1 Was sind Strukturierte Produkte?

Die Frage „Was sind Strukturierte Produkte?“ ist gerechtfertigt. Eine genaue Definition für den Begriff „Strukturierte Produkte“ gibt es nicht. Die meistverwendete Umschreibung bezeichnet Strukturierte Produkte als eine eigenständige Produktgruppe, die aus der Kombination eines Basiswertes und einem derivativen Finanzinstrument besteht.

Abbildung 2 ; Bausteine eines Strukturierten Produkts

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Basiswerte können Waren und Finanzwerte aller Art sein. Folgende Basiswerte sind typisch für Strukturierte Produkte:

- Aktien
- Obligationen
- Indizes
- Devisen
- Zinsen
- Rohstoffe
- Edelmetalle

Neben der Unterscheidung der Basiswerte, ist auch die Anzahl der Basiswerte relevant. Dies kann ein einziger Basiswert, ein Basket (mehrere Basiswerte zusammengefasst) oder sogar ein Index sein.

Der zweite Baustein bei einer Konstruktion von Strukturierten Produkten sind derivative Finanzinstrumente (Derivate). Diese Komponenten prägen die Eigenschaften des gesamten Instrumentes entscheidend mit. Derivate sind Finanzkontrakte, deren Preise sich von einem zugrunde liegenden Basiswert ableiten lassen. Das typische Merkmal für solche Derivate ist ein Hebeleffekt, mit dem ein Anleger überproportional stark an Kursschwankungen des Basiswertes partizipieren kann. Je nach Eigenschaften des Derivat kann der Hebeleffekt bei steigendem wie auch bei sinkendem Kurs des Basiswertes positive Auswirkungen auf ein Produkt haben.

Durch die Kombination dieser beiden Bausteine können massgeschneiderte Produktlösungen entwickelt werden. Es ist möglich, nahezu für jede Markterwartung (aufwärts, seitwärts, sinkend) und jedes Risikoprofil (konservativ, ausgewogen, aggressiv) ein spezifisches Produkt herzustellen.

Der Rückzahlungsbetrag eines Strukturierten Produkts ist abhängig von der Entwicklung des zugrunde liegenden Basiswertes. Folglich ist bei der Investition in Strukturierte Produkte wichtig, dass der Anleger bzw. der Käufer eine Marktmeinung über den entsprechenden Basiswert vertritt.[1]

3.2 Für wen eignen sich Strukturierte Produkte?

Im statistischen Monatsheft der SNB sind die Bestände in Kundendepots der Banken aufgeteilt in Privatkunden, Kommerzielle Kunden und Institutionelle Kunden.[2] Per Ende 2010 präsentieren sich die Prozentzahlen wie folgt:

Abbildung 3 ; Strukturierte Produkte verteilt auf die Anlegergruppen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Waren Strukturierte Produkte früher nur Institutionellen Anlegern vorbehalten, investieren nach und nach mehr Privatkunden in diese Anlageklasse. Die Ansprüche der privaten Anleger nach kreativen und individuellen Anlagelösungen sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Ausschlaggebend ist das hohe Mass an Flexibilität und die Vielfalt der Möglichkeiten, welche Strukturierte Produkte bieten.

3.3 Wer emittiert Strukturierte Produkte?

Die Herausgabe von Strukturierten Produkten bezeichnet man auch als Emission. Als Emittenten treten vor allem grössere Banken und Finanzgesellschaften, wie beispielsweise UBS AG, Credit Suisse, Bank Vontobel, Julius Bär oder die Zürcher Kantonalbank auf. Mittlerweile emittieren in der Schweiz rund 31 verschiedene Anbieter Strukturierte Produkte. Rechtlich gesehen sind Strukturierte Produkte Schuldverschreibungen, für die der Emittent mit seinem Vermögen haftet. Im Gegensatz zu herkömmlichen Anlagefonds, unterstehen Strukturierte Produkte nicht dem Kollektivanlagegesetz (KAG) und gelten somit nicht als speziell geschütztes Sondervermögen. Deshalb sollte vor einer Investition die Bonität des Emittenten beachtet werden. Denn die Insolvenz des Emittenten ist gleichbedeutend mit dem Teil- bzw. Totalverlust des angelegten Kapitals.[3]

3.4 Produktkategorien/-typen

Strukturierte Produkte, ein Anlageinstrument, dem in der Ausstattung fast keine Grenzen gesetzt sind. Die Vielzahl an Produkttypen und deren Namen sind dadurch sehr zahlreich. Mit der 2006 durch den Schweizerischen Verband für Strukturierte Produkte geschaffenen SVSP Swiss Derivative Map© wurde diese Unordnung teilweise beseitigt. Die Produkttypen sind nun klar definiert. Jedoch können die Emittenten die Werbenamen oder Zusatzbezeichnungen der Produkte selber bestimmen. Dies führt bei den Anlegern wie auch bei den Kundenberatern teilweise zu Verwirrung. Vergleicht man zwei gleiche Produkte verschiedener Emittenten, ist auf den ersten Blick dadurch nicht ersichtlich, dass es sich um den gleichen Produkttyp handelt. Wichtig ist, dass der Anleger das Produkt einem Typ zuordnen kann. Dazu hilft vor allem die Identifikationsnummer, welche auch auf dem Produktinformationsblatt (Termsheet) vorhanden ist.

3.4.1 SVSP Swiss Derivative Map©

Die Map klassifiziert alle Strukturierten Produkte in zwei Hauptkategorien, Anlage- und Hebel-Produkte. Diese beiden sind wiederum unterteilt in fünf Hauptgruppen.

Abbildung 4 ; Aufteilung der SVSP Swiss Derivative Map©

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Die fünf Hauptgruppen sind in mehr als 20 verschiedene Produkttypen unterteilt. Ein Produkttyp besteht aus einer Grafik und einem Kurztext. Die Grafik (Payoff-Diagramm) zeigt die Auszahlungsstruktur mit Gewinn- und Verlustzone, der Kurztext beinhaltet Informationen zur Markterwartung und zu produktspezifischen Merkmalen. Jeder Produkttyp hat zusätzlich eine vierstellige Identifikationsnummer (siehe Abbildung 6; Nr. 1140). Die erste Ziffer steht für die Hauptkategorie (1), also ob Anlage- oder Hebelprodukt. Die zweite Ziffer gibt die Produktkategorie (1) an und die letzten zwei Ziffern stehen für den effektiven Produkttyp (40).

Abbildung 5 ; Beispiel eines Produkttyps

Quelle: SVSP, 2010

Die Map wird monatlich überprüft und wenn nötig durch weitere Produkttypen angepasst. Die aktuelle Version kann auf der Internetseite des Schweizerischen Verbands für Strukturierte Produkte[4] kostenlos heruntergeladen werden. Im Einband dieser Praxisarbeit finden Sie ebenfalls eine aktuelle Version der SVSP Swiss Derivative Map©.

3.4.2 Kapitalschutz

Während den turbulenten Zeiten an den Aktienmärkten gehörten Kapitalschutzprodukte zu den gefragtesten Anlagekategorien. Mit Kapitalschutzprodukten kann man sich gegen sinkende Kurse schützen und bei guter Entwicklung des Basiswertes zusätzlich eine Rendite generieren. Das eingesetzte Kapital erhält man wie bei einer Obligation beim Verfall wieder zurück. Dies nennt man Kapitalschutz. Dieser Schutz beträgt in der Regel 90% - 100% des eingesetzten Emissionsbetrags. Der vollständige vorgegebene Kapitalschutz ist nur auf Verfallzeitpunkt garantiert. Während der Laufzeit kann der Preis des Produkts unter dem Kapitalschutzniveau stehen. Zurzeit sind sieben verschiedene Produkttypen mit Kapitalschutzcharakter im Umlauf. Sie unterscheiden sich vor allem in der Ertragsausschüttung. Je nach Produkttyp wird ein jährlicher Coupon ausbezahlt oder das eingesetzte Kapital partizipiert an einem Basiswert. Die Ertragschance ist unter anderem abhängig von den Prozenten Kapitalschutz und von der maximalen Gewinnmöglichkeit. Das Auszahlungsprofil entspricht dem Wunsch vieler Anleger. Einerseits ist das eingesetzte Kapital geschützt, andererseits kann man von steigenden Aktienmärkten profitieren. Dabei sind die Anleger bereit, für den Kapitalschutz gewisse Einbussen beim Gewinnpotenzial in Kauf zu nehmen.

Abbildung 6 ; Produkttypen "Kapitalschutz" gemäss SVSP Swiss Derivative Map©

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.4.3 Renditeoptimierung

Diese Produktkategorie eröffnet dem Anleger bei seitwärts verlaufendem oder sogar leicht sinkendem Marktumfeld ein interessantes Gewinnpotenzial. „Nichts passiert und trotzdem Geld verdienen.“ Typischerweise sind Renditeoptimierungsprodukte an Aktien, Zinssätze oder Rohstoffe gekoppelt. Es stehen aktuell ebenfalls sieben verschiedene Produkttypen zur Verfügung. Teilweise verzichtet der Anleger auf eine uneingeschränkte Partizipation des Basiswertes. Steigt der Basiswert stark an, kann der Anleger dadurch keinen Mehrertrag generieren und der Gewinn ist begrenzt (Cap). Bei anderen Produkten fehlt sogar die Partizipation vollumfänglich, jedoch erhält der Anleger einen im Voraus definierten Zinscoupon, welcher meistens deutlich über dem marktüblichen Zinsniveau liegt. Da der Anleger auf eine uneingeschränkte Gewinnmöglichkeit verzichtet, weisen solche Produkte einen bedingten Kapitalschutz gegen leicht fallende Kurse auf. Wird diese Schutzlinie während der Laufzeit nie berührt bzw. unterschritten, erhält der Anleger sein eingesetztes Kapital zu 100% wieder zurück. Je nach Produkteigenschaft steht die Schutzlinie zwischen 80% - 50% des Anfangswerts, das heisst der Basiswert darf 20% - 50% an Wert verlieren ohne negative Folgen für den Anleger. Auch wenn der Basiswert die Schutzlinie (Barriere) unterschreitet, aber bis zum Laufzeitende wieder über den Anfangspreis bei 100% steigt, wird ebenfalls das eingesetzte Emissionskapital wieder zurückbezahlt. Verläuft der Basiswert, beispielsweise einer Aktie, nicht erwartungsgemäss und unterschreitet die Barriere, so wird aus dem bedingten Kapitalschutzprodukt eine Aktienanlage. Bei Verfall erhält der Anleger für den Restwert des Produkts Aktien des Basiswertes in das Depot geliefert. Beispielsweise verliert das Produkt bzw. ein Basiswert während der Laufzeit 65% und unterschreitet die vorgegebene Schutzlinie, so werden dem Anleger die restlichen 35% in Form dieses Basiswerts ins Depot geliefert. Der Verlust für den Anleger ist die Differenz zwischen dem eingesetzten Kapital und dem Wert der gelieferten Aktien. Ist im Produkt eine Couponzahlung vorgesehen, erhält der Anleger diese trotzdem, was den Verlust etwas mindert. Renditeoptimierungsprodukte sind vom Risiko her mit Aktien zu vergleichen, weisen jedoch einen bedingten Kapitalschutz (Sicherheitspuffer) auf. Auch bei der Kategorie Renditeoptimierung ist die Flexibilität gross. Der Ertrag kann durch zusätzliches Risiko massiv gesteigert werden. Entscheidend für das Produkt ist die Anzahl Basiswerte, Volatilität (Schwankung) des Basiswerts, Höhe der Barriere oder auch die Laufzeit.

Abbildung 7 ; Produkttypen "Renditeoptimierung" gem. SVSP Swiss Derivative Map©

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.4.4 Partizipation

Der Begriff „partizipieren“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „teilhaben“. Im Bezug auf Strukturierte Produkte nehmen Partizipationsprodukte uneingeschränkt an der Kursentwicklung des Basiswertes teil. Den Anlegern wird ermöglicht, mit einem einzigen Produkt, einen Index, eine Region, eine Branche oder einen ganzen Markt abzudecken. Im Gegensatz zu den Kapitalschutzprodukten mit Partizipation haben klassische Partizipationsprodukte keine Gewinnlimitierung und weisen keinen unbedingten Kapitalschutz auf. Die SVSP Swiss Derivative Map© beinhaltet aktuell fünf verschiedene Typen. Das Prinzip ist bei allen Produkten ähnlich. Sie unterscheiden sich vor allem in den Zusatzmechanismen. Während bei gewissen Produkten der Basiswert eins zu eins nachgebildet wird, steigen andere Produkte überproportional gegenüber dem Basiswert. Die Anleger verzichten allerdings auf laufende Erträge wie Dividenden oder Zinszahlungen. In der Kategorie Partizipation befindet sich der einzige Produkttyp unter den Anlageprodukten, mit dem der Anleger auf sinkende Kurse spekulieren kann. Partizipationsprodukte eignen sich vor allem für Anleger, welche an den Aktienmärkten teilhaben, und so bestimmte Gebiete oder Märkte abdecken wollen. Zudem sind durch Abänderungen der Grundtypen viele verschiedene Produktvarianten mit unterschiedlichen Risiken möglich.

Abbildung 8 ; Produkttypen "Partizipation" gemäss SVSP Swiss Derivative Map©

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.4.5 Hebelprodukte ohne oder mit Knock-Out

Hebelprodukte werden in der Map nicht als Anlageprodukt ausgewiesen, sind aber in jedem Strukturierten Produkt vorhanden. Mit diesen Produkten werden die verschiedenen Varianten und Auszahlungsprofile hergestellt. Wie es der Name bereits ausdrückt, können dank dem Hebeleffekt grosse Gewinne aber auch Verluste erzielt werden. Wie bei allen Produktkategorien hängen die Hebelprodukte ebenfalls vom Verlauf des Basiswerts ab. Die prozentuale Veränderung des Hebelprodukts gegenüber dem zugrunde liegenden Basiswert ist meistens viel grösser. Hebelprodukte eignen sich daher für Spekulation (Wetten auf etwas) oder auch zur Absicherung (Versicherung gegen etwas). Gewinne sind bei steigenden wie auch bei fallenden Kursen der Basiswerte möglich. Die Map kennt vier verschiedene Arten von Hebelprodukten. Sie unterscheidet zwischen Hebelprodukten ohne und mit Knock-Out. Bei beiden Arten kann es zu einem Totalverlust kommen und das eingesetzte Kapital geht innert kürzester Zeit verloren. Der Unterschied besteht darin, dass bei Produkten mit Knock-Out das Risiko noch höher ist. Fällt der Basiswert während der Laufzeit unter einen bestimmten Preis, so führt dies zum sofortigen Totalverlust des Produkts. Bei den Hebelprodukten ohne Knock-Out kann sich der Basiswert nach einem Kurstaucher während der Laufzeit wieder erholen. Hebelprodukte bergen das grösste Risiko aller Kategorien und eignen sich für risikofreudige Anleger, welche kurzfristige Gewinne erzielen wollen oder eine bestehende Position absichern möchten.

Abbildung 9 ; Produkttypen "Hebel" gemäss SVSP Swiss Derivative Map©

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Zürcher Kantonalbank, 2011, S. 8 / Bank Sarasin & Cie AG, 2010, S. 4 / SVSP, 2010, S. 3

[2] SVSP, 2011

[3] Siehe dazu Kapitel 5

[4] www.svsp-verband.ch

Details

Seiten
63
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783956846458
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (Februar)
Note
1
Schlagworte
Zertifikat Barrier Derivat Strukturiertes Produkt Renditeoptimierung Kapitalschutz

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