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Analyse des Meinungsführerkonzeptes im Kontext sozialer Netzwerke: Marketingkooperation mit Beauty- und Lifestylebloggern

Bachelorarbeit 2013 54 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

2.2. Interpersonelle Kommunikation und die Rolle des Meinungsführers

Die interpersonelle Kommunikation zwischen Konsumenten wird laut Kroeber-Riel et al als wichtigste Einflussquelle für die Meinungsbildung und die Kaufentscheidungen gesehen. Durch die selektive Informationsaufnahme werden vom Konsumenten nur sehr wenige Informationen aufgenommen, diese Informationen stehen immer im Zusammenhang mit den individuellen und zeitlich aktuellen Bedürfnissen. Außerdem werden bei der persönlichen Kommunikation Informationen gezielter abgegeben. Durch die laufende Rückkopplung können Fragen und Missverständnisse während des Gesprächs geklärt werden.[1]

Die Kommunikation zwischen Kunden wird „Mund zu Mund Kommunikation“, „Word-of-Mouth“ oder „Mundpropaganda“ genannt, die weitergegebenen Informationen und Erfahrungen können dabei sowohl positiv als auch negativ sein.[2] Für Unternehmen ist die Mundpropaganda von großer Bedeutung. Deshalb sollte neben der Steuerung der persönlichen Kommunikation zwischen Konsumenten auch der Einsatz der persönlichen Kommunikation zwischen Unternehmen und Konsument ermöglicht werden.[3] Nachteilig wirken dafür sich jedoch die schwere Erreichbarkeit der Kunden und die damit verbundenen höheren Kosten der persönlichen Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden aus.

Einen Lösungsansatz liefert das Meinungsführerkonzept, da vor allem die soziale Bezugsgruppe eines Individuums einen relativ hohen Einfluss auf die Meinungsbildung und damit auch auf die Kaufentscheidungen hat. Das Meinungsführerkonzept basiert auf der 1940 durchgeführten People’s Choice -Studie von Lazarsfeld, Berelson und Gaudet zum amerikanischen Wahlkampf, bei dem erstmals der Einfluss von Meinungsführern beobachtet werden konnte.[4] Zunächst wurde in der Meinungsführerforschung davon ausgegangen, dass Meinungsführer eine Relais- und Verstärkerfunktion übernehmen. Spätere Studien zeigten allerdings eine gewisse Selektion und Interpretation der Informationen sowie eine Anpassung an entsprechende Gruppennormen durch den Meinungsführer.[5]

Aus dem Two-Step-Flow Modell von Lazarsfeld, entwickelten Katz et al. anschließend das Multi-Step-Flow Modell.[6] Laut Schenk wird bei diesem Modell nun im Gegensatz zum Two-Step-Flow Modell davon ausgegangen, dass sich Meinungsführer nicht nur durch die Massenmedien, sondern auch bei anderen Meinungsführern informieren. Meinungsführer leiten als Multiplikatoren nicht nur Informationen weiter, sondern agieren in einem sozialen Informations- und Beeinflussungsnetz. Die folgende Abbildung zeigt eine Gegenüberstellung dieser beiden Modelle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Medienwirkungsforschung, Two-Step-Flow, Eigene Darstellung i.A. an Schenk[7]

Dem Meinungsführer wird eine besondere Bedeutung innerhalb seiner sozialen Bezugsgruppe zugesprochen, denn sein Rat wird besonders für Kaufentscheidung herangezogen.[8] Der Begriff Meinungsführer bzw. Opinion Leader wurde bereits 1940 von Lazarsfeld geprägt.[9] Allgemeingültige Kriterien für Meinungsführer gibt es dennoch nicht. Grundsätzlich sind Meinungsführer durch ihr anhaltendes Involvement motiviert über Produkte zu sprechen.[10] Es konnte zudem belegt werden, dass Meinungsführer über ein heterogeneres und auch größeres soziales Netzwerk verfügen, als andere Personen. Meinungsführer weisen neben kommunikativer Kompetenz auch „bestimmte Charakterzüge wie z.B. Durchsetzungsfähigkeit, Standhaftigkeit, Selbstsicherheit, aber auch Verantwortungsbewusstsein“[11] auf. Meinungsführer sind sozial gut integriert und weichen nur innerhalb der akzeptierten Grenzen von Normen und Werten der Gruppe ab. Für die Kommunikation mit der Zielgruppe ist es deshalb für Unternehmen vor allem wichtig, die Normen und Werte der Bezugsgruppe des Meinungsführers zu kennen und neue Konsumnormen mit den bestehenden zu verknüpfen.[12] Die Meinungsführer werden in ihrer Bezugsgruppe als Experten auf ihrem Themengebiet wahrgenommen und wollen auch als solche gesehen werden. Durch ihr anhaltendendes Involvement zu einem bestimmten Thema sind sie aktiver in der Informationssuche und erteilen gern Ratschläge. Ob sie jedoch auch tatsächlich immer über einen größeren Wissens- und Erfahrungsvorsprung verfügen ist nicht belegt. Die gezielte Informationssuche beschränkt sich heute natürlich nicht mehr nur auf die klassischen Medien oder andere Meinungsführer (siehe auch Kapitel 3). Meinungsführer gelten in ihrer Bezugsgruppe als glaubwürdig, auch weil ihnen u.a. keine Verkaufsabsicht unterstellt wird.[13] Gerade Jugendliche zwischen 14-16 Jahren lassen sich durch Stars, Sportler und vor allem auch durch Meinungsführer in ihrer sozialen Bezugsgruppe beeinflussen. Durch die Pubertät erhält die Bezugsgruppe einen immer stärkeren Einfluss auf die Markenwahl und der familiäre Einfluss nimmt ab.[14]

3. Kommunikation im Web 2.0

Das Internet ist schon lange nicht mehr nur ein Informationskanal, sondern bietet Menschen auf der ganzen Welt vielfältige Möglichkeiten sich auszutauschen und zu vernetzen. Im Web 2.0 sind allgemein mehrere Kommunikationsbeziehungen möglich. Die Kommunikation kann als persönliches Gespräch zwischen zwei Personen z.B. per E-Mail oder Videochat stattfinden, ein Sender kann Informationen für viele Empfänger bereitstellen z.B. per Webseite oder es kann ein Austausch zwischen verschiedenen Sendern und Empfängern mit Hilfe von Social Media stattfinden.[15] Die Anzahl der Kommunikationskanäle erweitert sich jedoch ständig und dadurch erhöhen sich auch die Chancen und Risiken der Marketingkommunikation.

3.1. Kommunikation in Social Media

Als Social Media werden alle Anwendungen, Dienste und Plattformen bezeichnet, die die Kommunikation und Interaktion mit anderen über digitale Kanäle ermöglichen. Einen Überblick verschafft die folgende Grafik.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Social Media Landschaft 2012, fredcavazza.net[16]

Der Empfängerkreis der erstellten Inhalte ist vielfältig und kann eine Einzelperson, eine Community oder die Allgemeinheit sein. Durch Social Media können User nicht nur Inhalte empfangen, sondern sie interaktiv mitgestalten, hoch- und runterladen, tauschen, verlinken und kommentieren. Dabei werden Informationsinhalte, anders als es im Allgemeinen im nichtdigitalen Gespräch der Fall ist, permanent und langfristig gespeichert. Die Kommunikation in Social Media zeichnet sich somit durch eine internetbasierte n:n Beziehung zwischen den Usern aus.[17] Das bedeutet, dass die Anzahl der Sender und Empfänger nicht eingegrenzt werden kann.

Nicht nur die Kommunikation zwischen den Konsumenten selbst hat sich durch Social Media verändert, sondern auch die zwischen Konsumenten und Unternehmen. Im Rahmen des Online Marketing entwickelte sich der Begriff Social Media Marketing. Hier werden Social Media genutzt, um die Zielgruppe im Bezug auf die Ziele der Marketingkommunikation zu beeinflussen.

Hettler erklärt, dass mit der Einführung von Social Media zu der reinen Push-Kommunikation, zusätzlich eine Pull-Kommunikation hinzugekommen ist. Konsumenten sind durch Social Media also nicht mehr nur Informationsempfänger, sondern können auf gleicher Augenhöhe mit dem Unternehmen in einen Dialog treten. Zudem können sie sich aktiv in die Entwicklung neuer Produkte einbringen. Neben Journalisten und Bloggern, suchen Konsumenten gezielt nach Informationen über Produkte und Leistungen oder erhalten sie durch Benachrichtigungsdienste wie beispielsweise den RSS-Feed. Dabei können neben Informationen und Pressemitteilungen auch positive oder negative Erfahrungen, Ideen, Einschätzungen oder Meinungen der Verbraucher selbst gefunden werden. Durch die Entwicklung der Social Media ist der Einfluss von Journalisten und Massenmedien zurückgegangen, während der Einfluss der Konsumenten selbst gestiegen ist.[18] Auch der Einfluss des Meinungsführers auf seine Bezugsgruppe hat sich durch die Möglichkeiten der schnelleren und umfangreicheren Informationsgewinnung im Vergleich zu den Massenmedien erhöht.

Das Marktforschungsinstitut Nielsen bestätigte in seiner 2012 durchgeführten Online-Studie zur Vertrauenswürdigkeit von Werbung und Marken, dass für 92 Prozent der Konsumenten die glaubwürdigste Form der Produktinformation die Empfehlungen anderer Konsumenten sind. Das sind etwa 18 Prozent mehr als in der gleichen Umfrage vor 4 Jahren.[19] Tatsächlich kaufentscheidende Informationen erhalten Konsumenten also häufig von anderen Konsumenten und selten vom Anbieter selbst. Wie in der folgenden Grafik dargestellt wird durch die technische Analyse in der ACTA-Studie 2012 bestätigt, dass auch Kommentare in Foren und Blogs eine immer größere Rolle für die Meinungsbildung und damit für spätere Kaufentscheidungen spielen.35

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Die Meinung anderer Internetnutzer gewinnt an Bedeutung, ACTA-Studie 2012[20]

Durch die n:n Eigenschaften von Social Media ist in den letzten Jahren das virale Marketing im Rahmen des Social Media Marketing entstanden. Es zeichnet sich dadurch aus, dass die einmal über die Social Media gesendete Botschaft per Mundpropaganda ungesteuert, ähnlich eines Virus, weiter verbreitet wird. Aufgrund einer geringeren Reichweite als beim viralen Marketing, wird Mundpropaganda von einigen Kritikern als veraltet bezeichnet.[21] Wie aus dem Vergleich des Meinungsführerkonzeptes zu den Massenmedien klar erkennbar wird ist nicht allein die Reichweite eines Mediums entscheidend. Vielmehr muss unter anderem auch der Einfluss auf die Meinungsbildung betrachtet werden. Grundsätzlich kann virales Marketing genutzt werden, um in kurzer Zeit viele Kontakte zu gewinnen, auch zu diesem Zweck können Meinungsführer als Multiplikatoren dienen.[22] Durch Kommunikation und Interaktion der beteiligten Personen entstehen soziale Beziehungsgeflechte bzw. soziale Netzwerke. Im Social Media Kontext werden die zu diesem Zweck bereitgestellten Plattformen ebenfalls als soziale Netzwerke bezeichnet. Sie sollen den Usern den sozialen Austausch im Web 2.0 erleichtern.[23]

Laut im Jahr 2012 durchgeführten Bitkom Studie sind in Deutschland 74 Prozent der Internetnutzer mindestens in einem sozialen Netzwerk angemeldet, bei den unter 30 jährigen sind es sogar 92 Prozent.[24] Das größte soziale Netzwerk in Deutsch­land mit rund 25 Millionen Usern ist aktuell Facebook.[25] Bei der Micro­blogging Plattform Twitter sind es etwa 825.000 User und bei den rein beruflich genutzten Netzwerken hat beispielsweise XING etwa 5,5 Millionen User.[26]

3.2. Ziele der Kommunikation in Social Media

Laut Statista.com gaben in der PWC Social Media Studie 2012 auf die Frage, welche persönlichen Beiträge die User in sozialen Netzwerken erstellen, etwa 53 Prozent der Befragten an die Mail und Chat-Funktion zu nutzen bzw. private sowie berufliche Kontakte zu pflegen. 52 Prozent der Befragten kommentieren oder geben Bewertungen ab. Weitere 17 Prozent gaben an, selbst zu bloggen.[27]

Ursprünglich waren Soziale Netzwerke auf einzelne Personen ausgelegt, heute gibt es jedoch auch zahlreiche Unternehmen und Marken mit eigenen Profilen. Die Notwendigkeit in Social Media und auch in sozialen Netzwerken aktiv zu sein, haben viele Unternehmen allerdings erst spät erkannt.

Vergleicht man die Zahlen der privaten Nutzer von sozialen Netzwerken mit denen der Bitkom Studie „Social Media in deutschen Unternehmen“ von 2012, wird dies schnell deutlich. Laut Studie sind nur 47 Prozent der Unternehmen in Social Media aktiv, weitere 15 Prozent haben konkrete Pläne zum Einsatz von Social Media. Von den in Social Media aktiven Unternehmen gaben 86 Prozent an, dies auch in sozialen Netzwerken zu sein. Neben sozialen Netzwerken nutzen 36 Prozent dieser Unternehmen auch Blogs, 28 Prozent sind auf Video-Plattformen präsent und 25 Prozent sind auf Microblogs wie Twitter aktiv.[28] Neben Zielen wie die Bekanntheit des Unternehmens zu steigern, wollen Unternehmen in Social Media auch die Beziehung zu Bestandskunden pflegen. Welche Ziele laut BITKOM-Studie die Unternehmen in den Social Media verfolgen wird in Abbildung 4 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Unternehmen setzen aus soziale Medien, BITKOM43

Durch die sozialen Netzwerke bieten sich für alle User optimale Möglichkeiten, um sich untereinander im Netz auszutauschen und mit Informationen zu versorgen. Auch für Meinungsführer bedeutet das, dass sie ihre Bezugsgruppe besser erreichen und eine größere Bezugsgruppe aufweisen, als das offline möglich wäre. Die sozialen Netzwerke bieten ihnen die Möglichkeit, sich noch besser und schneller zu informieren und dabei gleichzeitig als soziale Schnittstelle zwischen Unternehmen und Zielgruppe zu agieren. Unternehmen erreichen durch Massenmedien eine breite Öffentlichkeit, eine zweiseitige Kommunikation ist zunächst nur mit aktuellen bzw. mit aktuell interessierten Kunden möglich. Nutzt ein Unternehmen jedoch das hohe Involvement und die Reichweite des Meinungsführers, wird die Botschaft in dessen Bezugsgruppe getragen. Hierzu ist es nötig den Meinungsführer aktiv mit den Produkten und Leistungen in Kontakt zu bringen und ihm alle nötigen Informationen zur Verfügung zu stellen. Das Ziel der Nutzer sich in sozialen Netzwerken auszutauschen und anderen ihre Meinung mitzuteilen, wirkt dadurch indirekt auf die Zielerreichung des Unternehmens. In Abb. 5 sind die Kommunikationsverläufe, die zur Zielerreichung für Unternehmen und Nutzern führen können, zur besseren Übersicht sehr vereinfacht dargestellt. Natürlich sind auch aktuelle Kunden in der Bezugsgruppe des Meinungsführers möglich, die sowohl eine Kommunikation mit dem Unternehmen, als auch mit dem Meinungsführer führen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Ziele der Kommunikation in sozialen Netzwerken, Eigene Darstellung

Als Meinungsführer im Netz kommen grundsätzlich alle User in Frage, die überdurchschnittlich aktiv und vernetzt sind. Häufig haben Meinungsführer neben ihrem Hauptkanal auch in anderen Medien eine hohe Reichweite. Sie besitzen häufig einen Account bei Twitter und Facebook, sind Blogger oder aktive Forennutzer.[29]

4. Meinungsführer in der Blogosphäre

4.1. Überblick über die Blogosphäre im internationalen Vergleich

Weblogs sind Web- (Log-) bzw. Tagebücher, in Kurzform werden sie als Blog bezeichnet. Die Person, die einen solchen Blog führt ist ein Blogger. Aus Bloggern und deren Lesern entstehen kleine oder größere Communitys. Das gesamte soziale Netzwerk, welches aus den verschiedenen Communitys entsteht, wird als die Blogosphäre bezeichnet.[30]

Ein Blog ist eine regelmäßig aktualisierte Webseite, die wie ein Tagebuch geführt wird. Die Einträge müssen jedoch nicht zwingend jeden Tag erfolgen, tatsächlich kann hier auch mehrmals am Tag oder nur einmal im Monat von einem oder mehreren Autoren gebloggt werden. Da lediglich eine Blog-Software nötig ist, kann jeder User einen oder mehrere Blogs führen. Sogenannte Hosting-Plattformen wie Blogger.com oder wordpress.com bieten zukünftigen Bloggern einen entsprechenden Software-Service.[31] Die Blogbeiträge inkl. Fotos und Videos können leicht erstellt und zu verschiedenen Kategorien zugeordnet werden. Jeder Beitrag hat eine spezifische URL, welche von anderen Bloggern dazu verwendet werden kann, eigene Beiträge mit einem bestimmten Blogbeitrag eines anderen Bloggers zu verlinken. Neben dem einfachen Kommentieren von Beiträgen können die Leser diese auch mit Hilfe von Verlinkungen zu Facebook, Twitter und anderen sozialen Netzwerken teilen. Über aktuelle Beiträge können sich die Abonnenten eines Blogs per Newsfeed informieren lassen.[32]

Grundsätzlich sind Blogger sehr gut vernetzt, dazu dient ihnen auch eine Linkliste zu anderen Bloggern, die sogenannte „Blogroll“. Blogs gibt es schon solange es das Internet gibt, doch populär wurden sie erst später. Am 11.September 2001 beispielsweise berichteten Blogger vom Anschlag auf das World Trade Center und waren mit ihrer Berichterstattung deutlich schneller als die klassischen Medien.[33] In Deutschland machte 2004 ein Blogger auf sich aufmerksam, indem er auf seinem Blog spreeblick.com die Geschäftspraktiken vom Klingeltonanbieter Jamba kritisierte. Nach vielen Leserkommentaren und Verlinkungen durch andere Blogger versuchte Jamba mit gefälschten positiven Kommentaren die Kritik abzuschwächen. Doch dieser Täuschungsversuch flog auf und klassische Medien griffen das Thema „Jamba“ auf.[34]

In der bei statista.com bereitgestellten Studie von NM Incite ist die Anzahl der Blogs weltweit von 35,8 Millionen im Jahr 2006 auf 173 Millionen im Jahr 2011 gestiegen.[35] Der Anteil der europäischen Blogs liegt bei etwa 29 Prozent aller Blogger weltweit, 49 Prozent aller Blogger kommen aus den USA.[36]

Allerdings können bei allen Blogzählungen keine genauen Aussagen getroffen werden, denn nicht jeder existierende Blog wird auch tatsächlich noch geführt. Zudem besteht das Problem, dass Blogger nicht immer erfasst werden können. Dies ist unter Umständen der Fall, wenn Blogger ihre Blog-Software selbst erstellen und nicht die angebotenen Hosting-Dienste nutzen.

Die Mehrheit der Blogger weltweit ist zwischen 25 und 44 Jahren und etwa ein Drittel sind über 44 Jahre alt. Über 60 Prozent sind männlich und die Hälfte aller Blogger hat Kinder.[37]

Da Blogger sehr unterschiedliche Ziele verfolgen können, ist es notwendig, sie in verschiedene Kategorien einzuteilen. In den jährlich erscheinenden Reports zu „State of the Blogosphere“ von Technorati wird eine solche Einteilung nach dem Autor des Blogs vorgenommen.[38] Technorati ist einer der führenden US-amerikanischen Full-Service-Anbieter für das Monitoring von Blogs und sozialen Netzwerken.[39] Das ist sinnvoll, denn je nachdem ob der Autor eine private Person oder ein Unternehmen ist werden die Aspekte wie Zeit, Kosten und Qualität der Informationen, Glaubwürdigkeit bei den Lesern aber auch die Art der Lesergruppe beeinflusst. Grundsätzlich lässt sich zwischen privaten Blogs, professionellen Blogs, Corporate Blogs und Experten-Blogs unterscheiden.

Im nächsten Schritt kann nach der Zielgruppe des Blogs, wie beispielsweise Kunden oder Mitarbeiter, unterschieden werden oder aber nach Inhalten der Blogs wie Politik, Sport oder Kultur. Eine Befragung vom Bloganbieter over-blog.com im Jahr 2012 ergab, dass amerikanische Blogger ein paar Jahre mehr Erfahrung im bloggen mitbringen. Alle 5000 Befragten sind nicht aus finanziellen Gründen Blogger. Während die US-Blogger eher ihr Wissen mit anderen teilen möchten, ist es in Europa die Leidenschaft der Blogger für die Themen. Über die Hälfte der US-Blogger ist mit dem Umfang der Anfragen von Unternehmen zufrieden. In Europa hingegen wurde ein großer Teil der Blogger noch nie von einem Unternehmen kontaktiert[40]

Markus Beckedahl, Blogger von netzpolitik.org, Sachverständiger zu Internetfragen im Bundestag sowie Mitbegründer der re:publica[41], ist der Meinung, dass „die deutsche Blogosphäre eine Sprachinsel“[42] ist. Er gibt zu bedenken, dass nur ein kleiner Teil auf der Welt deutsch lesen kann. Nur sogenannte Bridge-Blogs, also jene die in englischer Sprache bloggen, erlangen seiner Meinung nach auch international an Bedeutung.[43]

4.2. Private Blogs in Deutschland

Anders als professionelle Themen- oder Expertenblogs sind private Blogs nicht auf einen einzigen Themenschwerpunkt beschränkt. Natürlich gibt es hier auch Kategorien, auf die sich der Blogger bei der Erstellung seines Blogs festlegt, jedoch liegt es letztlich bei dem Blogger über welche Themen er schreibt. Anders als bei professionellen Blogs gibt es keinen Redakteur und keinen einzuhaltenden Redaktionsplan. Aus diesem Grund lassen sich private Blogs nicht grundsätzlich in eine einzige Kategorie wie Gesundheit, Politik, Fashion oder Sport einteilen. Außerdem erhalten private Blogger für ihre Blogbeiträge bis auf wenige Ausnahmen kein Geld, so dass sie ihren Blog entweder über Spenden oder aber über Werbung auf dem Blog finanzieren. Das schließt auch gesponserte Beiträge nicht aus, jedoch sind diese als solche gekennzeichnet.

In einer von der Fachhochschule Köln durchgeführten Online-Befragung von Bloggern und Foren-Betreibern im Jahr 2009 gaben 68 Prozent an, ihren Blog oder ihr Forum rein privat zu betreiben. Desweiteren erhalten laut eigenen Angaben 91,2 Prozent der Befragten für ihre Beiträge keine Vergütung.[44]

Private Blogger erreichen teilweise weniger Personen als professionelle, wie z.B. der wohl bekannteste deutsche Blogger Sascha Lobo, jedoch kann ihr sozialer Einfluss auf die Bezugsgruppe größer sein.[45] Weniger prominente Blogger sind in ihrer Bezugsgruppe Meinungsführer zu einem bestimmten Thema. Sie informieren sich über das Thema, über das sie schreiben intensiv und ziehen bereits gemachte Erfahrungen heran. Private Blogger sind nicht nur auf ihrem Blog aktiv, sondern sie haben häufig auch noch einen Twitter-, Facebook- bzw. YouTube-Account.

Die Vernetzung der privaten Blogger beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Web 2.0, sondern bezieht häufig auch natürliche Beziehungen zu Familie, Freunden und andere Bloggern ein. Im Gegensatz zu professionellen Blogs geht es dem privaten Blogger nicht darum, das Privatleben auszuklammern. Häufig suchen private Blogger auch den persönlichen Kontakt durch Treffen mit ihren Lesern. Durch diesen Aspekt werden private Blogger in ihrer Bezugsgruppe sozial integriert. Ein weiterer Vorteil von privaten Blogs liegt darin, dass anders als bei vielen Massenmedien die Interessen der Abonnenten bzw. Lesern des Blogs besser definiert sind. Hinsichtlich der Zeit, die für das Bloggen verwendet wird, unterscheiden sich die deutschen privaten Blogger kaum von professionellen Blogs. Ganz anders sieht es dagegen in den USA aus, hier verwenden private Blogger nur etwa die Hälfte der Zeit für ihren Blog.[46]

[...]


[1] Vgl. Kroeber-Riel, Weinberg, Gröppel-Klein, Konsumentenverhalten, 2009, S. 544

[2] Vgl. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/81078/word-of-mouth-v5.html, (13.03.2013)

[3] Vgl. Kroeber-Riel, Weinberg, Gröppel-Klein, Konsumentenverhalten, 2009, S. 545

[4] Vgl. Kroeber-Riel, Weinberg, Gröppel-Klein, Konsumentenverhalten, 2009, S. 673-676

[5] Vgl. Dressler, Telle, Meinungsführer in der interdisziplinären Forschung, 2009, S.52-53

[6] Vgl. Schenk Michael, Medienwirkungsforschung, 2007, S. 358-359

[7] Vgl. Schenk Michael, Medienwirkungsforschung, 2007, S.352

[8] Vgl. Homburg, Krohmer, Marketingmanagement, 2009, S. 53

[9] Vgl. Kroeber-Riel, Weinberg, Gröppel-Klein, Konsumentenverhalten, 2009, S. 673-676

[10] Vgl. Dressler, Telle, Meinungsführer in der interdisziplinären Forschung, 2009, S.56

[11] Vgl. Schenk Michael, Medienwirkungsforschung, 2007, S. 383-284

[12] Vgl. Kroeber-Riel, Weinberg, Gröppel-Klein, Konsumentenverhalten, 2009, S. 529

[13] Vgl. Dressler, Telle, Meinungsführer in der interdisziplinären Forschung, 2009, S.138

[14] Vgl. Kroeber-Riel, Weinberg, Gröppel-Klein, Konsumentenverhalten, 2009, S. 521

[15] Vgl. Hettler, Social Media Marketing, 2010, S.16

[16] http://www.fredcavazza.net/files/2012/02/Social_Media_Landscape_2012, (12.03.2013)

[17] Vgl. Hettler, Social Media Marketing, 2010, S.16-17

[18] Vgl. Hettler, Social Media Marketing, 2010, S.36

[19] Vgl. http://www.nielsen.com/us/en/reports/2012/global-trust-in-advertising, (14.03.2013)

[20] Vgl. http://www.ifd-allensbach.de/fileadmin/ACTA/ACTA_Praesentationen/2012, (18.03.2013)

[21] Vgl. Dressler, Telle, Meinungsführer in der interdisziplinären Forschung, 2009, S.166

[22] Vgl. Hettler, Social Media Marketing, 2010, S.78

[23] Vgl. Hettler, Social Media Marketing, 2010, S.54

[24] Vgl. BITKOM, 2.erweiterte Studie, www.bitkom.org/de/publikationen, (13.02.2013)

[25] Vgl. http://www.allfacebook.de/userdata/?period=1year, (14.03.2013)

[26] Vgl. http://buggisch.wordpress.com/2013/01/02/social-media-nutzerzahlen, (14.03.2013)

[27] Vgl. http://de.statista.com/statistik/studie/id/11852/dokument/ S.30, (13.02.2013)

[28] Vgl. http://www.bitkom.org/de/presse/74532_72123.aspx, (16.03.2013)

[29] Vgl. Bernecker.M, Beilharz F., Social Media Marketing, 2012, S. 95

[30] Vgl. Hettler, Social Media Marketing, 2010, S. 43

[31] Vgl. Heymann-Reder, Social Media Marketing, 2011, S. 181

[32] Vgl. Hettler, Social Media Marketing, 2010, S. 45

[33] Vgl. Hettler, Social Media Marketing, 2010, S. 44

[34] Vgl. Huber, Melanie, Kommunikation im Web 2.0, 2.überarbeitete Auflage, S.32

[35] Vgl. statista.com/statistik/daten/studie/220178/umfrage/anzahl-der-blogs-weltweit/, (13.02.2012)

[36] Vgl. http://www.invesp.com/blog/business/how-big-is-blogsphere.html, (10.04.2013)

[37] Vgl. http://technorati.com/social-media/article/state-of-the-blogosphere-2011-part1/ (22.03.2013)

[38] Vgl. http://technorati.com/state-of-the-blogosphere/ (22.03.2013)

[39] Vgl. http://technorati.com/about-technorati/ (30.04.2013)

[40] Vgl. http://www.over-blog.com/study, (09.04.2013)

[41] die re:publica ist eine jährlich durchgeführte Veranstaltung für Blogger und andere Menschen aus den digitalen Medien

[42] Vgl. http://blogs.dw.de/weltzeit/?p=15053, (05.04.2013)

[43] Vgl. http://blogs.dw.de/weltzeit/?p=15053, (05.04.2013)

[44] Vgl. http://www.infospeed.de/data/Social-Media-Studie-2009.pdf, (13.02.2013)

[45] Vgl. Schindler, Liller, PR im Social Media, 2011, S.79

[46] Vgl. www.over-blog.com/study/european-bloggers-spend-more-time-blogging.php, (09.04.2013)

Details

Seiten
54
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783956846595
Dateigröße
4.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v297540
Institution / Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln
Note
1,7
Schlagworte
Marketingkommunikation Blogosphäre Social Media Monitoring Web 2.0 Blogs

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