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Bewertung und Anwendungsmöglichkeiten von Zertifikaten

Bachelorarbeit 2014 54 Seiten

Leseprobe

V. Formelverzeichnis

Formel 1: Transaktionskostenmove

Formel 2: Spread-Move

Formel 3: Break-Even-Kurs

Formel 4: Arithmetische Mittel

Formel 5: Berechnung a. Mittel

Formel 6: Varianz

Formel 7: Standardabweichung

Formel 8: Sharp-Ratio

Formel 9: Black Scholes Formel

1 Einleitung

Seit im Juni 1990 das erste Index-Zertifikat durch die Dresdner Bank aufgelegt wurde, erfreuen sich Zertifikate immer größerer Beliebtheit.[1]

Mittlerweile bietet der Kapitalmarkt für fast jeden gehandelten Wert das passende Zertifikat. Zertifikate bedienen sogar Märkte, an denen Privatanleger mit normalen Anlageprodukten nicht partizipieren können. Sie offerieren den Investoren die Möglichkeit von Seitwärts- und Abwärtsbewegungen des Marktes zu profitieren, indem sie sich von der klassischen „buy and hold“-Strategie der Aktien entfernen.

Das rasante Wachstum des Sektors wurde durch eine Vielzahl von Zertifikatsausprägungen mit den unterschiedlichsten Namen und Eigenschaften begleitet. Dies macht es Privatanlegern schwer aus der schier unermesslich scheinenden Anzahl an Produktvarianten das passende Zertifikat für ihr Portfolio auszuwählen. Der Zertifikate-Markt hat ein Level an Komplexität und Vielfalt erreicht, dass es selbst den etablierten Händlern schwer fällt den Überblick zu bewahren. Nicht zuletzt führte jedoch gerade diese Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten zum enormen Wachstum der Branche. Ob Baisse, Hausse oder stagnierender Markt, unabhängig von der Börsenphase, in der sich der Investor befindet, bieten Zertifikate im Gegensatz zu Aktien immer eine Investitionsgelegenheit. Zudem beinhalten Zertifikate die Möglichkeit der aktiven Risikosteuerung und der Diversifikation. Zertifikate ermöglichen dem Investor auf eine neue Art und Weise auf dem Markt zu agieren. Dies birgt jedoch auch neue Risiken, die man nicht außer Acht lassen sollte. Emittenten von Zertifikaten finden sich zumeist im Bankensektor, die Käufer finden sich zum Großteil unter den Privatinvestoren. Somit gehören Zertifikate zur Gruppe der klassischen Retail-Produkte. Aus Sicht der Emittenten bieten Zertifikate neue Möglichkeiten Erträge zu generieren. Der Vorteil für die Investoren liegt hier im Zugang zu neuen Märkten und den neuen Handelsmöglichkeiten.

1.1 Problemstellung und Abgrenzung

Aufgrund der zunehmenden Komplexität wird es für private und teilweise auch für kommerzielle Investoren immer schwieriger die Funktionsweise und die Anwendungsmöglichkeiten von Zertifikaten zu überschauen und zu verstehen. Ebenso herrscht Unklarheit über diverse Ratings und Bewertungsmethoden, die auf dem Markt kursieren. Es stellen sich bestimmte Grundfragen im Zusammenhang mit der Bewertung:

- Welche Kriterien eines Zertifikats werden für ein qualitatives Rating herangezogen?
- Wie, und anhand welcher Kennzahlen funktioniert eine quantitative Bewertung?
- Wie werden Zertifikaten besteuert?

Da eine Vielzahl von Zertifikatsausprägungen und Bewertungsmethoden auf dem Kapitalmarkt existieren, wird sich die folgende Arbeit darauf beschränken, die gängigsten Zertifikate mit ihren Anwendungsmöglichkeiten theoretisch zu erklären und Anwendungsbeispiele aufzuzeigen. Zudem wird auf den Bewertungs- und Besteuerungsaspekt eingegangen.

1.2 Ziel der Arbeit

Ziel der Arbeit ist es, unterschiedliche Zertifikatsausprägungen aufzuzeigen, sowie ihre Risiken und Funktionsweisen zu erläutern. Des Weiteren soll ein Augenmerk auf die Versteuerung und Bewertung von Zertifikaten geworfen werden.

1.3 Vorgehen

Die Arbeit wird mit den Grundlagen der Zertifikate beginnen und anschließend auf die Funktionsweise von einzelnen Zertifikatsausprägungen eingehen. Darüber hinaus werden einzelne Bewertungsmethoden aufgezeigt und erläutert. Abschließend wird auf den Fiskalen Aspekt von Zertifikaten eingegangen.

2 Grundlagen

2.1 Was ist ein Zertifikat?

Ein Zertifikat ist ein verbrieftes Derivat, also eine Inhaberschuldverschreibung. Zertifikate bestehen aus mindestens zwei wesentlichen Finanzkomponenten, von denen eine ein Derivat sein muss und die andere aus unterschiedlichen originären Finanzinstrumenten bestehen kann.[2]

Rechtlich gesehen sind Zertifikate eine beiderseitige Willenserklärung (Vertrag) zwischen Emittent und Investor, durch die der Investor an der Entwicklung des Underlying partizipiert.

Bezüglich der Laufzeit können Zertifikate in Endloszertifikate und Zertifikate mit beschränkter Laufzeit unterteilt werden. Das Underlying, also der Basiswert dieser Zertifikate, kann sich auf Aktien, Aktienpakete, Indizes, Rohstoffe, Währungen und viele anderen Marktaspekte wie z. B. Fonds oder Bonds beziehen.[3]

Was die Endloszertifikate betrifft, ist hier ein besonderes Augenmerk auf die Sonderkündigungsrechte zu legen. In den Wertpapierinformationen des Zertifikats sollte klar ersichtlich sein unter welchen Konditionen eine ordentliche Kündigung erfolgen kann.

2.2 Zertifikate und ihre allgemeinen Risiken

2.2.1 Das Emittenten- bzw. Bonitätsrisiko

Da Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen darstellen, sind sie von der Bonität des Emittenten abhängig. Bei Zertifikaten treten überwiegend Banken als Emittenten auf.[4]

Spätestens seit der Pleite des Bankenhauses Lehman Brothers ist bekannt, dass selbst systemimmanente Banken nicht von der Insolvenz verschont werden. Also gilt es bei der Auswahl der Zertifikate auch die Bonität der Emittenten, oder die evtl. getroffenen Schutzmaßnahmen zu analysieren, um einem Verlust präventiv vorzubeugen.

2.2.2 Das Liquiditätsrisiko

Zertifikate gelten als eigenständige Wertpapiere und werden auch als solche gehandelt. Somit sind sie vom Angebot und der Nachfrage der Investoren abhängig. Wichtig in diesem Kontext ist, dass jederzeit Geld und Briefkurse für den Handel zur Verfügung stehen. Es gibt jedoch keine rechtliche Regelung, die Emittenten dazu verpflichtet, diese regelmäßig zur Verfügung zu stellen. Die Praxis zeigt jedoch, dass der überwiegende Teil der Emittenten nach dem „Market-Maker“-Prinzip verfährt und die Preise regelmäßig zur Verfügung stellt.[5]

2.2.3 Das Korrelationsrisiko

Es gibt wirtschaftliche Faktoren, welche die Preisbildung von Zertifikaten beeinflussen. Dazu gehören das Zinsniveau, Änderungen der Markterwartung, Wechselkursrisiken, und evtl. Bezugsrechtsabschläge oder Dividenden. Alle diese Faktoren können dazu führen, dass das Zertifikat nicht in hundertprozentiger Relation zum Underlying steht. Diese vorher nicht exakt kalkulierbare Abweichung nennt man Korrelationsrisiko.[6]

2.2.4 Das Währungsrisiko

Bei Zertifikaten, deren Underlying in einer Fremdwährung gehandelt wird, existieren zwei Ausprägungen von Zertifikaten bezüglich des Währungsrisikos: Währungsgesicherte Quanto-strukturierte Zertifikate und nicht währungsgesicherte Zertifikate. Bei ungesicherten Zertifikaten bestehen Währungsrisiken durch Wechselkursschwankungen sowohl beim Verkauf vor Fälligkeit als auch bei der Rückzahlung am Fälligkeitstag. Diese Risiken können auch bei in Euro notierten Zertifikaten oder bei der Rückzahlung in Euro auftreten.[7]

2.2.5 Risiko der physischen Lieferung

Bei Zertifikaten können Investoren anstelle einer Zahlung eine physische Lieferung des Underlying fordern, ggf. ist diese Lieferung von vorneherein im Zertifikat vorgesehen. Angenommen, dass das Underlying ein Aktientitel ist, dann würde der Emittent des Zertifikats diesen Aktientitel an den Investor übertragen um seine Schuld aus der Inhaberschuldverschreibung zu begleichen. Das an dieser Stelle auftretende Risiko ist der Übergang des Emittentenrisikos bzw. Bonitätsrisikos vom Emittenten des Zertifikats auf den Emittenten des Aktientitels. Für den Investor bedeutet dies, dass er ab dem Übertragungszeitpunkt von der Bonität der Aktiengesellschaft abhängig ist. Weiterhin kann es in diesem Zusammenhang für den Investor zu Kursverlusten kommen.[8]

2.2.6 Das Wertverfall Risiko

Die Kursentwicklung eines Zertifikats hängt von der Kursentwicklung des zugrundeliegenden Underlying ab. Zertifikate verbriefen kein Anrecht auf einen festen Betrag, vielmehr auf einen variablen. Der Abrechnungsbetrag am Laufzeitende ist abhängig von der Kursentwicklung des dem Zertifikat zugrunde liegenden Underlying. Entwickelt sich der Basiswert negativ, kann der Abrechnungsbetrag am Fälligkeitstag stark unter dem Erwerbspreis liegen. Im Extremfall kann der Investor auch einen Totalverlust erleiden.[9]

2.3 Zertifikate und ihre allgemeinen Chancen

I. Die Kostenstruktur von Zertifikaten setzt sich aus dem Spread und ggf. aus der Management Gebühr zusammen. Hier können durch gewisse Kombinationen Kosteneinsparungen erreicht werden, die bei anderen Finanzinstrumenten, wie z. B. Fonds oder Aktien, nicht erreicht werden können. Der Vorteil liegt hier in der Einsparung der Gebühren, wie z. B. Ordergebühren, Courtagen usw.[10]

II. Kleinanlegern wird es bei Zertifikaten mit einem Bezugsverhältnis (siehe 2.4.1), wie z. B. dem Indexzertifikat, ermöglicht, selbst mit kleinen Beträgen zu investieren. Die gängigsten Bezugsverhältnisse liegen bei 1:10 oder 1:100.[11]

III. Durch Zertifikate kann eine Erhöhung der Diversifikation des Depots erreicht werde. Eine größere Streuung vermindert somit das Risiko.[12]

IV. Der Preis eines Zertifikats steht in Relation zum Underlying, welches der Investor gut nachvollziehen kann.

V. Durch Hebelzertifikate hat der Investor die Möglichkeit überproportional von der Entwicklung des Underlying zu profitieren (siehe Tab. 2). Somit ist ein Zertifikat diesbezüglich rentabler als eine Direktinvestition in einem Basiswert.[13]

VI. Zertifikate ermöglichen im Gegensatz zu konventionellen Aktien auch eine Spekulation auf Seitwärts-Trends oder Abwärts-Trends des Underlying und sind somit in jeder Marktsituation anwendbar.

VII. Bei Zertifikaten besteht die Möglichkeit der Risikobegrenzung, z. B. durch Kapitalgarantien oder Stop-Loss. Investoren können Zertifikate je nach ihrer persönlichen Risikobereitschaft wählen. Die Risikobereitschaft steht hier natürlich in Verbindung mit den Renditeaussichten des Zertifikats.[14]

2.4 Grundlegende Begrifflichkeiten

2.4.1 Das Bezugsverhältnis

„Bei Optionsscheinen und Zertifikaten gibt das Bezugsverhältnis an, den wievielten Teil des Basiswertes ein Derivat verbrieft. Liegt das Bezugsverhältnis eines Optionsscheins beispielsweise bei 100:1, so müssen 100 Produkte gekauft werden, um das Recht auf eine Einheit des Basiswertes zu erwerben. Das Bezugsverhältnis bleibt in der Regel konstant (außer bei den neuen „Rolling“-Konzepten)“.[15]

2.4.2 Die Put- und Call Option.

„Ein Call ist der englische Ausdruck für eine Kaufoption. Eine Kaufoption verbrieft das Recht, nicht aber die Pflicht, den Basiswert zu einem vorher definierten Preis (während, oder) am Ende der Laufzeit zu kaufen.“[16]

Eine Put-Option ist eine Verkaufsoption. Sie verbrieft das Recht, nicht aber die Pflicht, den Basiswert zu einem vorher festgelegten Preis (während, oder) am Ende der Laufzeit zu verkaufen.[17]

2.4.3 Amerikanische und Europäische Ausführungsart

Amerikanische Ausführungsart

„Begriff aus der Options- und Optionsscheinwelt. Zertifikate werden hauptsächlich durch den Einsatz von Optionen konstruiert. Bei einer amerikanischen Ausübungsart kann die Option (der Optionsschein) zu jedem frei wählbaren Zeitpunkt innerhalb der Laufzeit vom Halter ausgeführt werden.“[18]

Europäische Ausführungsart

„Begriff aus der Options- und Optionsscheinwelt. Zertifikate werden durch den Einsatz von Optionen konstruiert. Bei einer europäischen Ausübungsart kann die Option (der Optionsschein) nur am Ende der Laufzeit ausgeführt werden.“[19]

2.4.4 Spread

So wird die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs, also zwischen Einkaufs- und Verkaufskurs genannt. Der Spread errechnet sich wie folgt. (Briefkurs-Geldkurs)[20]

2.4.5 Das Underlying

„Wertpapier oder anderes Finanzprodukt, auf dessen Kursentwicklung sich ein Derivat bezieht (zum Beispiel DAX bei Index-Zertifikat, Aktie eines Unternehmens bei Discount-Zertifikat, Option). Wird auch Basiswert oder Bezugswert genannt.“[21]

2.5 Handelsplätze von Zertifikaten

2.5.1 OTC Handel

OTC steht für „over the counter“, wörtlich „über den Tresen“. OTC ist die Bezeichnung für den außerbörslichen Handel mit Wertpapieren. Hier erfolgt der Kauf der Wertpapiere direkt über den Emittenten, ohne das Zwischenschalten einer Börse. OTC gehandelte Produkte sind üblicherweise customized und zeichnen sich durch einen hohen Nennwert aus. Ein klarer Nachteil von Standard OTC Produkten ist ihre schlechte Veräußerbarkeit. Erfolgt der Verkauf dieser Produkte außerhalb der vereinbarten Konditionen, müssen in der Regel nicht unerhebliche Kapitaleinbußen in Kauf genommen werden. Da es sich hier um spezifisch auf den Kunden zugeschnittene Produkte handelt, besteht nicht die Möglichkeit, diese Produkte an der Börse zu kaufen. Üblicherweise handeln institutionelle Anleger über OTC.[22]

2.5.2 Börsenplätze für Zertifikate in Deutschland

Der Börsenhandel für Zertifikate in Deutschland erfolgt an folgenden vier Börsen:

I. Börse Berlin AG
II. Börse Düsseldorf AG
III. Scoach Europa AG (Frankfurt)
IV. Börse Stuttgart AG

3 Hebelprodukte

Die Wahl ist hier auf Hebelprodukte gefallen, weil Hebelprodukte enorme Rendite, jedoch auch Verlustrisiken bergen. Zudem sind sie durch ihr Bezugsverhältnis selbst für Privatanleger mit wenig Kapital zugänglich.

3.1 Deskription

Hebelzertifikate entwickeln sich nahezu eins zu eins zum Underlying, wobei der Preis eines Hebelzertifikats deutlich günstiger ist als der Preis des Underlying. Hierdurch ergibt sich eine Hebelwirkung. Je nachdem ob es sich um ein Call- oder Put- (siehe 2.4.2) Zertifikat handelt, profitiert das Zertifikat mit einem gewissen Faktor vom Fallen oder Steigen seines Basiswertes. Der Preis für die höhere Renditemöglichkeit bei Hebelprodukten ist das äquivalent steigende Verlustrisiko bis hin zum Totalverlust. Der überwiegende Teil der Hebelzertifikate weist eine Knock-out-Schwelle auf. Je nachdem ob Put oder Call wird das Zertifikat beim Überschreiten oder Unterschreiten der Knock-out-Schwelle sofort fällig. Die Auswirkung dieser Überschreitung ist abhängig vom Vorhanden- oder nicht Vorhandensein eines Stop-Loss. Zertifikate ohne Stop-Loss werden, sobald der Kurs die Kock-out-Grenze berührt, sofort wertlos. Zertifikate mit Stop-Loss bergen einen Kapitalschutz, dessen Zusammensetzung abweicht und in den jeweiligen Emissionsbedingungen zu finden ist.[23]

Beispiel:

(Abb. 1) zeigt die prozentuelle Steigerung eines Basiswerts auf einer Skala von 1 bis 10 Prozent und die folgliche Auswirkung auf das Zertifikat (Leverage Effect). Als Basiswert dient hier eine Aktie. Der Hebel beträgt 10.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Leverage-Effect

3.2 Spezielle Risiken und Chancen bei Hebelprodukten

3.2.1 Spezielle Risiken von Hebelprodukten

Kock-out Risiko

Das Knock-out Risiko stellt bei Hebelzertifikaten das größte Risiko dar. Das Berühren der Knock-out-Grenze durch den Basiswert führt bei Zertifikaten ohne Stop-Loss zum sofortigen Verlust des gesamten investierten Kapitals.[24]

Hebelwirkungsrisiko

Die Hebelwirkung bei Zertifikaten steigert das Verlustrisiko. Da Hebelzertifikate überproportional auf Schwankungen des Underlying reagieren, kann sich dies auch stark negativ auswirken. Hier verhalten sich sowohl Gewinne als auch Verluste überproportional zum Underlying.[25]

Der Nebenkosteneinfluss auf die Gewinnchancen

Bei Hebelzertifikaten können Mindestprovisionen oder Fixprovisionen pro Kauf und Verkauf anfallen. Wenn der Auftragswert niedrig ist kann dies zu hohen Kostenbelastungen führen.[26]

Verkauf der Zertifikate und Einlösen bei Fälligkeit

Bei einem Zertifikat kann man nicht davon ausgehen, dass jederzeit ein Geld- und Briefkurs gestellt wird, heißt, dass der Markt liquide ist. Das bedeutet weiterhin, dass investiertes Kapital möglicherweise nicht realisiert werden kann. Es ist also nicht gewährleistet, dass Kapital vor der Knock-out-Schwelle aus dem Investment abgezogen werden kann.[27]

3.2.2 Spezielle Chancen von Hebelprodukten

I. Hebel Zertifikate entwickeln sich überproportional zum Basiswert, was zu einer hohen Rendite führen kann.
II. Da Hebelzertifikate nur einen Bruchteil des eigentlichen Basiswertes kosten, ermöglichen sie selbst Investoren mit einem geringen Kapital am Markt zu investieren und zu partizipieren.
III. Hebelzertifikate können zur Absicherung von einzelnen Werten oder ganzen Portfolios verwendet werden. Dies geschieht z. B. durch das Kaufen eines Put Hebelzertifikats auf einen Basiswert des eigenen Portfolios. Gehen wir hier davon aus, dass es sich um eine Aktie handelt. Sinkt die Aktie, wirkt das Zertifikat dem Verlust entgegen, indem es steigt. Der Grad der Absicherung ist hier vom Hebel und eingesetzten Kapital abhängig.

3.3 Direktanlage vs. Hebelzertifikat

Ein Hebelzertifikat kostet deutlich weniger als eine Direktinvestition. Bei einem Hebel von 10 beträgt das Bezugsverhältnis 10:1 (siehe 2.4.1). Dies bedeutet, dass das Zertifikat nur 10 % des Underlying kostet.

Das Hebelzertifikat profitiert jedoch gleichermaßen von einer Kurssteigerung wie der Basiswert. Somit wird es selbst Anlegern, die nicht über das nötige Kapital verfügen um eine Direktinvestition zu tätigen, ermöglicht am Basiswert zu partizipieren.[28]

Zu unterscheiden gilt es weiterhin die zwei Emittentenrisiken bzw. Bonitätsrisiken. Bei einer Direktinvestition ist der Investor abhängig von der Bonität des Basiswertes. Bei einer Investition in ein Zertifikat ist der Investor jedoch abhängig von der Bonität des jeweiligen Emittenten des Zertifikats.[29]

Hebelzertifikate tragen im Vergleich zu Direktanlagen zusätzlich das Risiko eines Knock-out, was gleichzusetzen ist mit einem Totalverlust. Ein weiteres Risiko und zugleich eine Chance des Hebelzertifikats im Vergleich zur Direktinvestition ist der Hebel. Der Hebel ermöglicht große Renditen, birgt jedoch auch große Verlustrisiken für den Investor.

3.4 Szenario

3.4.1 Szenario 1 Hebelprodukte

Im folgenden Szenario soll ein Knock-out bei einer Put- Option simuliert werden. Als Basiswert nehmen wir hier die Allianz AG. Aktie aus dem Dax mit der (WKN: 840400). Für folgende Simulation nehmen wir an, dass der Kurs bei T 1 100 € beträgt, ein Hebel von 4 besteht und der Kurs des Basiswertes sich pro Zeiteinheit (T) um 5 % steigert. Des Weiteren wird angenommen, dass der Knock out bei 125 € des Basiswertes liegt. Bei einem Hebel von 4:1 beträgt der Preis der Put- Option 25 €. Daraus ergibt sich folgende Tabelle:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1 : Renditevergleich Knock out Simulation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Knock-out Simulation

Im Beispiel (Abb. 2) hat der Investor darauf gesetzt, dass der Aktienkurs der Allianzaktie einbricht. Die Allianz AG Aktie hat sich jedoch entgegen dessen Erwartungen entwickelt und ist gestiegen. Dies hatte zur Folge, dass der Basiswert die Knock-out Schwelle in T 5 überschritten hat und das Zertifikat entwertet wurde. Somit hat der Investor ohne Stop-Loss einen Totalverlust erlitten. Dem Investor mit Stop-Loss bleibt abhängig von der Emittentenregelung noch ein prozentueller Anteil seines Kapitals.

[...]


[1] Vgl. Castner, J. (9. April 2010). http://www.finanzen.net. Abgerufen am 7. Dezember 2013 von http://www.finanzen.net/nachricht/zertifikate/Partizipationsschein-Das-Indexzertifikat-feiert-Geburtstag-767952.

[2] Vgl. Juraj, J., & Hunziker, S. (2010). Rendite und Risiken von Zertifikaten. Berlin: Erich Schmit Verlag.S.23 f.

[3] Vgl. Müller, S. (Jahr Unbekannt). Das Rating von Zertifikaten ein Vergleich. Berlin.S. 3 http://www.derivateverband.de/DE/MediaLibrary/Document/Studies/SG_Rating_DDD.pdf.

[4] Vgl. Preißner, A. (2008). Erfolgreich investieren in Zertifikate. Heidelberg: Redline Wirtschaft GmbH S. 13 f.

[5] Vgl. Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (2007). Basisinformationen über die Vermögensanlagen in Wertpapieren . Köln: Deutscher Genossenschafts Verlag e.G. S. 118.

[6] Vgl. Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (2007). Basisinformationen über die Vermögensanlagen in Wertpapieren . Köln: Deutscher Genossenschafts Verlag e.G. S. 119; vgl. dazu auch: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. (28. 10 2013). http://www.vz-nrw.de. Abgerufen am 9. 12 2013 von http://www.vz-nrw.de/Welche-Risiken-haben-Zertifikate.

[7] Vgl. Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (2007). Basisinformationen über die Vermögensanlagen in Wertpapieren . Köln: Deutscher Genossenschafts Verlag e.G. S. 119.

[8] Vgl. Landesbank Baden-Württemberg. (12. 6 2013). Basisprospekt über ein Angebotsprogramm zur Ausgabe von basiswertabhängigen Zertifikaten. Stuttgart S. 79 f.

[9] Vgl. Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (2007). Basisinformationen über die Vermögensanlagen in Wertpapieren . Köln: Deutscher Genossenschafts Verlag e.G. S. 119.

[10] Vgl. Preißner, A. (2008). Erfolgreich investieren in Zertifikate. Heidelberg: Redline Wirtschaft GmbH S. 50 f.

[11] Vgl. HW-treasury. http://www.hw-treasury.de. http://www.hw-treasury.de/index.php/zertifikate/54- vorteile-von-zertifikaten (Zugriff am 18. 12 2013).

[12] Vgl. HW-treasury. http://www.hw-treasury.de. http://www.hw-treasury.de/index.php/zertifikate/54- vorteile-von-zertifikaten (Zugriff am 18. 12 2013).

[13] Vgl. Scoach Europa AG. (9 2007). Hebelprodukte - Optionsscheine und Knock-outs. Frankfurt/Main S. 5.

[14] Vgl. HW-treasury. http://www.hw-treasury.de. http://www.hw-treasury.de/index.php/zertifikate/54- vorteile-von-zertifikaten (Zugriff am 18. 12 2013).

[15] Harengel, J., & Scheuble, S. (2006). Alles, was Sie über Zertifikate wissen müssen. München: FinanzBuch Verlag S. 101.

[16] Ebd., S. 103.

[17] Vgl. Harengel, J., & Scheuble, S. (2006). Alles, was Sie über Zertifikate wissen müssen. München: FinanzBuch Verlag S.117.

[18] Harengel, J., & Scheuble, S. (2006). Alles, was Sie über Zertifikate wissen müssen. München: FinanzBuch Verlag S. 98.

[19] Harengel, J., & Scheuble, S. (2006). Alles, was Sie über Zertifikate wissen müssen. München: FinanzBuch Verlag S.107.

[20] Vgl. Jordan, Markus. Zertifikate simplified. München: FinanzBuch Verlag, 2005 S. 116

[21] Harengel, J., & Scheuble, S. (2006). Alles, was Sie über Zertifikate wissen müssen. München: FinanzBuch Verlag S. 120.

[22] Vgl. Juraj, J., & Hunziker, S. (2010). Rendite und Risiken von Zertifikaten. Berlin: Erich Schmit Verlag.S.118 f.

[23] Vgl. Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (2007). Basisinformationen über die Vermögensanlagen in Wertpapieren . Köln: Deutscher Genossenschafts Verlag e.G. S. 52 f.

[24] Vgl. Winkler, D. (2006). Profi-Handbuch Zertifikate: Die moderne Form der Geldanlagen. Berlin: Walhalla Verlag S. 100.

[25] Vgl. Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (2007). Basisinformationen über die Vermögensanlagen in Wertpapieren . Köln: Deutscher Genossenschafts Verlag e.G. S. 121.

[26] Vgl. Ebd., S. 121.

[27] Vgl. Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (2007). Basisinformationen über die Vermögensanlagen in Wertpapieren . Köln: Deutscher Genossenschafts Verlag e.G. S. 121.

[28] Vgl. Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V. (2007). Basisinformationen über die Vermögensanlagen in Wertpapieren . Köln: Deutscher Genossenschafts Verlag e.G. S. 52.

[29] Vgl. Preißner, A. (2008). Erfolgreich investieren in Zertifikate. Heidelberg: Redline Wirtschaft GmbH S. 13 f.

Details

Seiten
54
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783958206106
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Erscheinungsdatum
2015 (Februar)
Note
2
Schlagworte
Bonus-Zertifikat OTC Börsenplatz Bonität Liquidität

Autor

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