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Friedrich Fröbel: Darstellung der zentralen pädagogischen Grundannahmen Sphärentheorie und Spielgabenkonzeption

Studienarbeit 2007 21 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

2. Biographie Friedrich Fröbels

2.1. Kindheit und Lehrjahre

Friedrich Wilhelm August Fröbel wurde am 21. April 1782 als jüngstes von sechs Kindern des Pfarrers Johann Jakob Fröbel in Oberweißbach/ Thüringen geboren. Von seinem Vater hat er eine tiefe Religiösität und Naturverbundenheit vermittelt bekommen.

Nach eigenen Aussagen haben die religiösen Ansichten seines Vaters, die sonntäglichen Predigten, die Konfirmation und die Ratsuchenden im Hause einen großen Einfluss auf seine geistige Entwicklung gehabt und den Grundstein für seine christliche Weltanschauung gelegt. 2

Friedrichs Mutter verstarb bereits in seinem ersten Lebensjahr, wie es heißt, an den Folgen der schweren Geburt; und so musste er „den wohltätigen Einfluss der Mutterliebe entbehren, deren Wert ihm eben dadurch später einleuchtete.“ 3

1786 heiratete sein Vater erneut; jedoch schenkte diese Frau Friedrich nur wenig Aufmerksamkeit und kaum mütterliche Liebe. Dies führte angeblich soweit, dass sie ihm das „Du“ verweigerte und ihn mit „Sie“ ansprach. Der junge

Fröbel wächst in seiner frühen Kindheit freudlos und ohne viel Zuwendung auf. Schließlich lebte er 5 Jahre bei seiner Verwandtschaft, anstatt im Elternhaus. Dort findet er Zugang zu einer „...Bubengemeinschaft und genoss ein frohes Arbeits- und Spielleben, wie es seinem Alter entsprach.“ 4

1797 begann Fröbel eine Lehre als Rentsekretär und später als Förster.

Im Jahr 1799 begann er ein Studium der Naturwissenschaften in Jena, welches er aber aus finanziellen Gründen abbrechen musste.

1802 stirbt sein Vater und Fröbel begibt sich auf Wanderschaft.

Er übte einige Jahre seinen erlernten Beruf in der Forst- und Landwirtschaft aus.

2.2. Lehr- und Erziehungstätigkeit

Nach den unruhigen Wanderjahren siedelte Fröbel nach Frankfurt/ Main über. Dort wollte er sich der Architektur widmen.

Doch 1805 machte er Bekanntschaft mit dem Pädagogen Anton Gruner, der ihn als Lehrer in seiner Pestalozzi - Musterschule in Frankfurt anstellt.

Zu dieser Zeit beschäftigte Friedrich sich intensiv mit pädagogischen Fragen und wurde mit der Lehre und den Bestrebungen Pestalozzis vertraut. Dies ist sein erster Kontakt mit der Pädagogik.

Im Herbst 1805 wanderte Fröbel zu Fuß nach Yverdon, Schweiz, um Pestalozzi zu besuchen.

Zur Finanzierung seines erneuten Studium wird Fröbel nun Haus- und Privatlehrer für die drei Söhne der adeligen Familie des Barons von Holzhausen. Gemeinsam mit den Kindern bezog er das Landhaus „Auf der Öde“ und verwirklichte damit sein Konzept eines pädagogischen Landlebens.

Prägende Personen für Fröbel sind daher Johann Heinrich Pestalozzi und Caroline von Holzhausen, der er bei der Erziehung ihrer Söhne half und als Mutterfigur ansah. Für Fröbel ist sie das Idealbild einer Mutter, und da ihm immer die mütterliche Wärme fehlte tat es ihm gut, sich im „...Strahlbereich der mütterlichen Wärme...“ zu bewegen. 5

Durch den Militärdienst wurde Fröbels Wirken als Erzieher unterbrochen.

Als Soldat im „Lützower Freikorps“ nahm er am Befreiungskampf gegen Napoleon teil. Hier lernte er Wilhelm Middendorf und Heinrich Langenthal kennen, die ihn später unterstützten und mithalfen, seine Erziehungsideen in die Praxis umzusetzen.

2.3. Keilhau und Der Pädagoge Fröbel

Die Keilhauer Zeit von 1817-1831 war bis 1826 eine Zeit des Erprobens und Praktizierens.

Erst im Jahr 1816 wendete sich Fröbel erneut der Arbeit als Pädagoge zu. Er kümmerte sich um die Erziehung seiner Neffen seines verstorbenen Bruders. Später kommen die Söhne eines anderen Bruders hinzu und so kam er auf die Idee, die „Allgemeine Erziehungsanstalt“ in Griesheim/ Thüringen zu gründen. Da sich in dieser Gegend kein geeignetes Haus fand, siedelte Fröbel mit seinen

Zöglingen im Juli 1817 nach Keilhau um, „...wo ein Internat mit Familiencharakter ...“ 6 entstand. Dort entwickelte Friedrich Fröbel Erziehungsmodelle für Vorschulkinder im Alter von drei bis sieben Jahren. Aus anfangs sechs Kindern, die er unterrichtete und erzog, wurden bald sechzig.

Er führte mit seinen Schülern Garten- und Handwerksarbeiten durch. Die Schüler und Erzieher begannen, sich mit Lebensmitteln selbst zu versorgen, denn Fröbel betont sie zu „freien, denkenden und selbsttätigen“ 7 Menschen erziehen zu wollen und sie auf das Leben vorzubereiten.

1818 heiratete Fröbel Henriette Hoffmeister. Die Ehe blieb kinderlos.

In den darauf folgenden Jahren erschienen allgemeine und schulpädagogische Schriften.

1820 schrieb er die fünf Keilhauer Schriften, und verfasste den Helba-Plan, welchen er jedoch nie verwirklichte.

1826 veröffentlichte Fröbel die Wochenschrift „Die erziehenden Familien“ und sein bedeutendstes, aber schwer zugängliches Hauptwerk „Die Menschenerziehung, die Erziehungs-, Unterrichts- und Lehrkunst, angestrebt in der allgemeinen deutschen Erziehungsanstalt zu Keilhau. Erster Band. Bis zum begonnenen Knabenalter“. Ein zweiter Band, der die Zeit des Jugendalters und seine schulpädagogische Betreuung beschreiben sollte, ist nie erschienen. In diesen Schriften vertritt er die Meinung, dass der Mensch ein produktives und schöpferisches Wesen sei. Wäre dies nicht der Fall, würde jenes an der falschen Erziehung und den sozialen Einflüssen liegen.

1831 siedelte Fröbel mit seiner Frau in die Schweiz über und eröffnete eine weitere Erziehungsanstalt; diese zog aber auch nach kurzer Zeit nach Willisau um.

Fröbel übernahm für einige Jahre die Leitung einer Erziehungsanstalt.

Ab 1837 begann er mit der Herstellung von Lehr- und Spielmaterialen (Entwicklung der Fröbelschen Spielgaben).

Zwei Jahre später, nach dem Tod seiner Ehefrau, gründete der Pädagoge eine „Spiel- und Beschäftigungsanstalt“ in Blankenburg. Dort entwickelte er die noch heute gebräuchlichen Flecht- und Faltarbeiten und arbeitete mit Naturmaterialen. Diese Anstalt wurde 1840 in „Kindergarten“ umbenannt.

1844 erschien ein weiteres Buch von Fröbel, „Mutter- und Koselieder“.

Über die Jahre erarbeitete er die Grundlagen für die Berufe der Kindergärtnerinnen und -pflegerinnen. Und 1850 gründete er die erste Schule zur Ausbildung derer.

Leider ordnete 1851 die preußische Regierung die Schließung der Kindergärten an, da Fröbel durch eine Verwechselung des Namens in Verruf geraten war, politisch radikale Ansichten zu vertreten. Karl August Varnhagen von Ense äußerte sich dazu: „Der stupide Minister von Raumer hat einen Befehl gegen die Kindergärten erlassen, sich auf ein Buch von Karl Fröbel berufend. Er verwechselt Friedrich und Karl Fröbel.“

Friedrich Fröbel sieht sein Lebenswerk in Gefahr und versucht durch Überprüfungsaufträge das Verbot zu verhindern; doch er scheiterte.

Trotzdem unternahm er viele Reisen zur Verbreitung seiner Ideen, so dass in Westeuropa und den USA solche Einrichtungen gegründet wurden.

1852 verstarb Friedrich Fröbel in Marienthal. Und erst acht Jahre später wurde das Kindergarten-Verbot in Deutschland aufgehoben.

1864 gründete Angelika Hartmann den ersten Kindergarten nach Fröbel in Köthen, Sachsen-Anhalt. Im Jahre 1908 und 1911 wurde in Deutschland die Ausbildung von Kindergärtnerinnen durch staatliche gesetzliche Regelungen anerkannt.

3. Fröbels Pädagogik

3.1. Sphärentheorie

Für Friedrich Fröbels Weltanschauung waren die Studiengänge im Bereich der Naturwissenschaften von Bedeutung.

Die Entwicklung seiner Sphärentheorie um 1810 war von zentraler Auswirkung für die pädagogischen Arbeiten seinerseits.

Das „Sphärengesetz“ von 1811 ist sein erfolgreicher Versuch, den Zusammenhang von „Einheit und Mannigfaltigkeit“ philosophisch zu begreifen.

Gleichzeitig versuchte er, seine Beziehung zu Caroline von Holzhausen damit zu analysieren. Es waren scheinbar religiöse Standpunkte, die sie trennten. Denn 50 Jahre später schrieb Fröbel: „Sie will Religion machen und bauen und will religiöse (fromme) Menschen machen und aufbauen, und ich will Religion sich entwickeln lassen und werden lassen, wie ich die Menschen sich religiös entwickeln und werden lassen will.“ 8

Fröbel entwickelte außerdem in der Sphärentheorie die Idee, dass dem menschlichen Streben grundsätzlich drei Richtungen gegeben sind: die des Dreiklang von Mensch - Natur - Gott. Diese drei des menschlichen Geistes folgen nach Fröbel ein- und demselben Gesetzen. Er geht davon aus, dass sie eins sind, obwohl sie viele Gegensätze erzeugen. Auch verglich er das Gesetz mit der Polarität zwischen Anziehung und Abstoßung.

„Sphära (das ist das stetige, stets allseitig lebendige schaffende, immer von neuem Insichselbstruhen), ist das Grundgesetz im All, in der physischen wie in der psychischen (in der Körper- wie in der Seelenwelt), in der moralischen wie in der intellektuellen Welt, in der empfindenden wie in der denkenden Welt.“ 9

Alle Dinge - eben dieses alles Seiende ein Sein und das Sein ist nach Meinung Fröbels sphärisch. Er dachte, dass bei jedem lebenden Wesen und bei allen Dingen, Gesetzmäßigkeiten zu erkennen sind, von denen es in seinen Wesen und seiner Art bestimmt wird; jene Gesetzmäßigkeit liegt im Inneren der Sache und des Lebewesens.

Auch würde jedes Ding (lebendig oder nicht) mit sich selbst im Gegensatz liegen - in der Entfaltung der Einheit und in der Einheit des Mannigfaltigem.

Inneres und Äußeres sind stets anders und „doch ist beides aufeinander bezogen“. 10

Daher wird das Sphärengesetz auch als polarer Gegensatz bezeichnet.

Diese Gegensätze, die Fröbel in vielerlei Gestalt im alltäglichen Leben ausmacht - beispielsweise Mann und Frau, Tag und Nacht, Erkennen und Empfinden, Plus und Minus - entstammen dennoch den gleichen Ursprung.

Zur Verdeutlichung des Sphärengesetzes nutze Fröbel das Bild der Kugel. Sie ist der einfachste geometrische Körper, der von einen Zentrum weg sich in alle Richtungen gleichförmig ausdehnt. Daraus ergibt sich, dass im Zentrum der Kugel das Göttliche als Ursprung allen Seins steht. Die Kugel ruht in sich, so scheint es dem Pädagogen, genau wie das menschliche Wesen und alle Wesen und Dinge in sich ruhen und sich von Innen nach Außen äußern. 11

Immer wieder versuchte Fröbel dieses Weltgesetz in einer mathematischen Formel auszudrücken. Denn, so glaubte Fröbel, wenn es eine Wissenschaft der Götter gebe, wäre es die Mathematik.

Diese ganzen theoretisch- philosophischen Annahmen tauchen immer wieder in Fröbels pädagogischen Überlegungen auf und so ist der Ball nicht ohne Grund die erste seiner Spielgabe.

[...]


2 Theodor Rutt (Hrsg.): Friedrich Fröbel. Ausgewählte pädagogische Schriften. Paderborn (1965), S. 119

3 zit. n. Beyer 2000, S.31

4 Hoffmann, 1951, S.147

5 Hoffmann, 1951, S. 153

6 Frey, 2001, Seite 20

7 vgl. Boldt, Rosemarie/ Eicher, Wolfgang: Fr. Fröbel, Köln, 1982, S.61

8 Ebenda, Seite 41

9 Ebenda

10 Ebenda, Seite 43

11 vgl. Reble, 1999, S. 232

Details

Seiten
21
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783958206786
Dateigröße
4.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v297739
Note
1,3
Schlagworte
Spielgabe Kindergarten Koselied Menschenerziehung Keilhau

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