Lade Inhalt...

Der Mossad: Ein Dossier über den israelischen Auslandsgeheimdienst

©2004 Studienarbeit 32 Seiten

Zusammenfassung

Der schlagkräftigste der Geheimdienste ist der Auslandsgeheimdienst Mossad. In diesem Dossier wird ein Einblick in die vielschichtigen Verstrickungen des Mossad in die Politik im Nahen Osten und der internationalen Politik gewährt. Ihm und seinen Spione, den sogenannten Katsas, ist es beispielsweise zu verdanken, dass die ägyptische Luftwaffe 1967 durch einen exakt ausgeführten Luftangriff der IAF (Israeli Airforce) am Boden zerstört werden konnte. In Ägyptens Luftwaffe eingeschleuste Agenten konnten genaueste Informationen über Abwehrmaßnahmen, Personal und Einsatzbereitschaft der Ägypter einholen. Der überraschende, israelische Angriff trug maßgeblich dazu bei, dass der ägyptische und syrische Angriff praktisch schon im Vorfeld scheiterte. Eine weitere verblüffende Leistung war die Entführung Adolf Eichmanns in Argentinien 1960.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis


1. Die Anfänge des Mossads

Wie bereits im Vorwort erwähnt, hat der Mossad seinen Ursprung in der Zeit als Palästina noch britisches Mandatsgebiet war. In diesem Gebiet lebten Juden und Moslems auf relativ kleinem geographischem Raum miteinander. Die Briten wendeten bei ihrer Mandatsausübung die gleiche Methode an, die sie auch bei ihren anderen Herrschaftsgebieten anwendeten. Sie versuchten, es allen Bevölkerungsgruppen und Ethnien gleich recht zu machen. Dies scheiterte in Palästina. Die arabische Bevölkerung fühlte sich übergangen, als 1917 die Balfour-Deklaration in Angriff genommen wurde.[1] Die Angriffe auf jüdische Einrichtungen und Zusammenstöße zwischen den beiden Volksgruppen nahmen zu.

An einem Freitag im September 1929 wurden von den Rabbinern möglichst viele Männer zusammengerufen, um gemeinsam an der Klagemauer zu beten. Sie wurden jedoch überraschender Weise von den Arabern angegriffen. Sie benutzten dabei Steine aber auch Schusswaffen. Es gab zwar viele Verletzte, aber niemand wurde bei dieser Attacke getötet.

Trotzdem wurde den Beteiligten klar, dass sie vor weiteren Angriffen besser informiert sein sollten. Die Juden begannen einen Fond einzurichten, von dem Araber als Informanten angeworben werden sollten. Nicht nur die Sammlung an Informationen über die Araber wurde ständig erweitert, man begann auch damit, die britischen Mandatsherren auszuspionieren. Die Haganah bestand zu diesem Zeitpunkt bereits.

Ab 1933 begann die Auswanderung deutscher Juden nach Palästina, als sich zu jener Zeit das Hitler-Regime in Deutschland etabliert hatte. Der Jischuw, die jüdische Gemeinschaft in Palästina sorgte für ihre Versorgung und Unterbringung. Durch diese zusätzliche jüdische Einwanderung provoziert, revoltierten die Araber 1936 gegen die Juden und Briten. Diese Revolte konnte von den Briten vorerst unterdrückt werden.

Die Haganah wurde weiter ausgebaut, um auf künftige Attacken der arabischen Nachbarn besser gefasst zu sein. Sie wurde weiter verstärkt, als nach dem Ende des zweiten Weltkrieges klar wurde, dass es einen Exodus europäischer Juden nach Palästina geben würde. 1945 verfügte die Haganah bereits über eine politische Abteilung und eine Einheit, die für die Beschaffung von Waffen zuständig war. Juden, die während des Krieges in der Aufklärung und in den Geheimdiensten der Alliierten gedient hatten, waren eine willkommene Verstärkung für die jüdische Selbstschutzorganisation.

Die Flucht von Hunderttausenden ehemaligen jüdischen KZ-Häftlingen bescherte gleich zwei große Schwierigkeiten. Zum einen würden die Konflikte mit den Arabern unweigerlich wieder hochkommen und zum andern würden die Briten eine Einwanderung dieser Juden verhindern wollen. Es sollte vermieden werden, dass es zu einem Ungleichgewicht zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung kommt.

Die Juden bereiteten sich auf die drohende Konfrontation vor und es wurden Schiffe organisiert, damit die Flüchtlinge über den Seeweg nach Palästina einreisen konnten. Die Briten hatten Befehl keins, dieser mit Menschen meist völlig überladenen Schiffe, an Land kommen zu lassen. Dabei kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Flüchtlingen und den britischen Soldaten. Die Juden, die mit knapper Not den Vernichtungslagern entkommen waren, mussten nun abermals schweres Leid erdulden. Andererseits sollten schweren Auseinadersetzungen zwischen den Bevölkerungsgruppen im Nahen Osten vermieden werden, wodurch sich die britische Regierung dazu gezwungen sah, die Flüchtlinge teilweise mit brutaler Gewalt von der Einreise über das Meer abzuhalten. Der Exodus erfolgte jedoch auch über den Landweg, meist quer durch den Balkan.

1948 zogen sich die Briten aus Palästina zurück und im Mai wurde der Staat Israel gegründet. Daraufhin wurde der neue Staat von Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien angegriffen. Es war vor allem auch den überlegenen Geheimdienstinformationen zu verdanken, dass Israel im Juli 1949 so siegreich aus diesem Krieg hervorging.

Ben Gurion, der erste Ministerpräsident Israels, richtete nach dem Krieg fünf Geheimdienste ein. Durch schwere Unstimmigkeiten zwischen den verschiedenen Geheimdiensten, Ministerien und Regierungsbeamten, die um größtmögliche Macht und Einfluss kämpften, entschied sich Ben Gurion am 2. März 1951 dafür, alle, im Ausland stattfindenden Operationen, in einer einzigen Organisation zusammenzufassen. Der Mossad war geboren.

Wenige Wochen nach der Gründung des neuen israelischen Geheimdienstes wurden im Irak Dutzende, mit den Israelis kollaborierenden Juden und Araber, sowie zwei Mossad-Agenten festgenommen. 17 der Kollaborateure wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, während die übrigens freigesprochen wurden. Die jüdischen Agenten wurden nach schwerer Folterung freigekauft.

Ein weiteres Fiasko geschah 1952, als man feststellte, dass der Mossad-Agent Theodore Gross als Doppelagent fungierte. Er war auch für den ägyptischen Geheimdienst tätig. Isser Harel, der kurze Zeit später Chef des Mossad werden sollte, lockte Gross zurück nach Tel Aviv. Dort wurde er verhaftet und zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er verstarb während der Haft.

2. Ein kleiner Junge entzweit Israel

1962 bekam Isser Harel von Ministerpräsident Ben Gurion den Auftrag Jossele Schumacher ausfindig zu machen. Jossele war ein achtjähriger Junge, von dem vermutet wurde, dass er von der Sekte seines Großvaters, der ultra-orthodoxen Neturei Karta, entführt wurden war. Der Großvater namens Nachman Shtarkes hatte sich geweigert, der Polizei bei der Suche nach dem Jungen behilflich zu sein und wurde daher festgenommen. Schwere Proteste wurden daraufhin seitens der orthodoxen Juden entfacht und Ben Gurion geriet unter Druck, die Sache zu klären. Der Entführungsfall drohte das Land in zwei Lager zu spalten, die orthodoxen Juden auf der einen, die liberalen Juden auf der anderen Seite. Sie nutzten den Vorfall, um ihren Meinungsverschiedenheiten auch in anderen Dingen Luft zu machen. Da die Polizei den Jungen nicht finden konnte, sollte stattdessen der Geheimdienst sein Glück versuchen. Nachman wurde in der Zwischenzeit wieder freigelassen.

Jossele war der Sohn von Arthur und Ida Schumacher. Da sie unter finanziellen Schwierigkeiten litten, hatten sie ihn in die Obhut des Großvaters gegeben. Der Großvater erzog seinen Enkel nach streng religiösen Mustern, immer mehr zum Missfallen seiner Eltern. Nachman wiederum kritisierte ihren weltlichen Erziehungsstil und wollten ihn wieder zu sich nehmen. Bei ihrem nächsten Besuch war ihr Sohn jedoch spurlos verschwunden.

Viele Leute innerhalb des Mossad fühlten sich mit der ihnen gestellten Aufgabe unterfordert. Trotzdem setzte Harel eine Operation von beträchtlichem Umfang in Gang, an der nicht weniger als 40 Agenten beteiligt waren. Zwei Agenten wurden bei ihrer Arbeit enttarnt. Ein Agent hatte sich in eine Gruppe Chassidim[2] geschleust. Weil er deren Gebete nicht kannte, fiel er sofort auf. Dies zeigt, dass die Katsas ihre Aufgabe nicht ernst genug nahmen. Eine Enttarnung innerhalb einer Gruppe von Terroristen oder in einem feindlichen Staat hätte schlimmste Folgen für einen Agenten. Innerhalb Israels hatten die Demaskierten nichts Ernsthaftes zu befürchten. Diese Misserfolge verstärkte das Engagement Harels und er begann seine Suche nach dem Kind weltweit auszudehnen.

In Paris wurde ein Rabbi in einer kompromittierenden Situation mit zwei Prostituierten, in die ihn zwei Agenten gedrängt hatten, fotografiert. Mit diesen Fotos wollten sie ihn erpressen, das Versteck Josseles zu verraten. Er konnte sie jedoch davon überzeugen, dass er darüber keine Kenntnis besaß.

In London mischten sich zehn als orthodoxe Juden verkleidete Mossad-Agenten in einer Synagoge unter die Gläubigen. Sie fielen auf, als man ihre falschen Bärte bemerkte. Sie wurden von der Polizei verhaftet, aber später wieder laufen gelassen.

Endlich jedoch hatte man eine Spur, die letztendlich zu Jossele führte. Madeleine Frei war eine französische Adlige, die während der deutschen Besatzungszeit in Frankreich jüdische Kinder vor dem KZ bewahrte. Nach dem Krieg konvertierte sie zum Judentum und besuchte seitdem regelmäßig Israel und hatte dabei auch Kontakt mit der Sekte der Neturei-Karta und Josseles Großvater.

Im August 1962 wurde sie von Mossad-Leuten aufgespürt und Isser Harel gelang es sie zu überzeugen, dass sie das Versteck Josseles preisgeben müsse. Er wurde in einem Wohnhaus in New York versteckt. Mit Unterstützung von FBI-Agenten verschafften sich die Agenten des Mossad Zugang zu der Wohnung und brachten den Jungen zurück zu seinen Eltern nach Israel.

Der Graben zwischen orthodoxen und weltlichen Juden konnten jedoch trotzdem nicht überwunden werden und das Ende Isser Harels als Mossad-Chef zeichnete sich ab. Er geriet in Kritik, nicht zuletzt wegen der langen Suche nach Jossele und der aufgewendeten Mittel ihn zu finden. Die Kritik kam besonders seitens Meir Amits, eines im Krieg erfahrenen Offiziers und engem Vertrauten Ben Gurions. Er wurde der Nachfolger Harels im März 1963.

3. Von Kidons und Sajanim

Ende 2000 hat der Mossad erstmals in einer Zeitungsanzeige um Nachwuchs geworben. Diese Anzeige erschien in hebräischen Zeitungen auf der ganzen Welt. Von den über 6ooo Bewerbern wählte man nur 20 aus, die ihre Ausbildung zum Agenten in Israel beginnen durften. Ein Agentenführer des Mossads wird als Katsa bezeichnet. Es wird niemand gesucht, der sich wegen des Geldes bewirbt. Ein klarer Verstand und ein festes Weltbild sowie ein gutes Urteilsvermögen wird verlangt. Daher gehört auch der radikale Zionist[3] nicht zum gesuchten Personenkreis. Die Katsas werden drei Jahre lang ausgebildet. In der Ausbildung lernen sie den Umgang mit Handfeuerwaffen, wie man „tote Briefkästen“ anlegt oder wie man Verhöre, bei denen physische und psychische Gewalt eingesetzt wird, übersteht.

Der Mossad verfügt auch über eine Einheit, deren Aufgabe es ist Feinde zu töten, die für Israel eine Gefahr darstellen oder um Rache zu üben. So wurden beispielsweise mehrere Mitglieder des schwarzen Septembers umgebracht. Die Terrorgruppe war für das Massaker an den israelischen Athleten 1972 in München verantwortlich. 1988 wurde der Stellvertreter des PLO-Chefs Jassir Arafat Khalil al-Wazir alias „Abu Dschihad“ in seiner tunesischen Villa getötet. Einen Agenten, der an der Durchführung eines solchen Attentats beteiligt ist, nennt man Kidon[4]. Die Kidons sind in der Regel zwischen zwanzig und dreißig Jahren alt. Sie werden von ehemaligen Kidons im Negev ausgebildet, wo sich ein komplettes Trainingszentrum befindet. Dort lernen diese „Agenten des Todes“ wie man Menschen mit den verschiedensten Methoden und Mitteln umbringen kann.

Um auch im Ausland erfolgreich arbeiten zu können benötigen die Katsas sogenannte „sichere Häuser“. Diese Häuser, die in vielen Hauptstädten der Welt stehen und entweder gekauft oder gemietet werden, sind mit abhörsicheren Nachrichtenwegen ausgestattet. Sie haben zumeist bombensichere Türen und Fensterscheiben, die undurchlässig für die Strahlen von Richtmikrofonen sind.

Die Enttarnung von Eli Cohen in Syrien und Wolfgang Lotz und seiner Frau in Ägypten ermutigten Meir Amit dazu, überall auf der Welt jüdische Helfer anzuwerben. Sie werden Sajanim genannt und arbeiten auf freiwilliger Basis. In der Regel bekommen sie nur die Unkosten für ihre Dienste erstattet. Jeder Sajan kann bestimmte Hilfeleistungen geben. Ein Sajan, der Arzt ist, kann beispielsweise einen, bei einem Schusswechsel verwundete Agenten versorgen, ohne die Polizei zu informieren. Ein Sajan, der bei einer Autovermietung tätig ist, kann Fahrzeuge besorgen, ohne dass darüber schriftliche Aufzeichnungen existieren. Die Helfer sammeln Informationen aus den Medien, gehen Gerüchten nach und berichten über Insider-Informationen.

4. Israels Atomprogramm

1956 bekam Israel von der französischen Regierung einen Atomreaktor geliefert. Laut Aussage der israelischen Regierung sollte die Energie, die der Rektor liefern würde, Meerwasserentsalzungsanlagen betreiben und dazu beitragen den Negev landwirtschaftlich nutzbarer zu machen. In Wirklichkeit wollte man in ihm Material für den Bau atomarer Bomben herstellen. Frankreich schickte neben dem Reaktor auch andere nukleare Ausrüstung nach Israel.

Die israelische Regierung sowie das Militär waren sich jedoch nicht einig in der Entscheidung Israel zu einer Atommacht zu machen. Sogar der heutige Ministerpräsident Ariel Scharon war dagegen. Doch Ben Gurion entschied sich für die nukleare Bewaffnung und so wurde im Negev, nahe Dimona, eine Atomanlage aus dem Boden gestampft. Es bestand allerdings das Problem, dass man über keinerlei spaltbares Material verfügte.

Ein Teil dieses Materials wurde aus einer amerikanischen Fabrik in Pennsylvania Namens Numec geschmuggelt, die nukleares Material verarbeitete. Agenten des Mossad, darunter Eichmann-Jäger Rafi Eitan organisierten die Beschaffung von Material und Know-how. Das FBI bekam keine rechtliche Handhabe, um den vermuteten Abtransport des Materials nach Israel zu unterbinden.

Offiziell diente die Anlage in Dimona zivilen Zwecken. US-Präsident John F. Kennedy war ein entschiedener Gegner einer atomaren Bewaffnung Israels. Er drängte auf eine Inspektion der Anlage und wurde daraufhin von der jüdischen Lobby in den USA unter Druck gesetzt. Sie hatte Kennedys Wahlkampf mitfinanziert und deutete an, dass eine weitere Unterstützung von seinem Wohlwollen in der Frage über etwaige Inspektionen abhängen könnte. Zudem befürwortete der US-Verteidigungsminister Robert S. McNamara das israelische Anliegen. Kennedy lenkte ein, indem er zwar weiterhin auf Inspektionen bestand, diese sollten jedoch von einer amerikanischen Delegation durchgeführt werden und nicht von der internationalen Atomenergiebehörde. Die Israelis konnten die Amerikaner bei ihrer Inspektion jedoch hinters Licht führen. Es war ein falsches Kontrollzentrum eingerichtet wurden und bestimmte Teile der Anlage waren nicht zugänglich.

All dies fand weitgehend unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit statt. Dies sollte sich ändern, als ein ehemaliger Wissenschaftler aus Dimona mit seinem Wissen an eine britische Zeitung herantrat.

Mordechai Vanunu arbeitete von 1977 bis 1985 als Techniker in Dimona. Aufgrund von linksorientierten Äußerungen und pro-arabischen Positionen kündigte man ihm. Er wanderte nach Sydney aus und trat zum Christentum über. Dort lernte er den kolumbianischen Journalisten Oscar Guerrero kennen. Dieser nahm Kontakt zum Büro der Sunday Times in Madrid auf. Das Blatt schickte einen ihrer Reporter zu Vanunu, um ihn bezüglich seiner Arbeit in Dimona zu interviewen. Der Reporter nahm Vanunu mit nach London. Guerrero merkte, dass er bei der Geschichte außen vor bleiben würde. Er erzählte einem Bekannten, der früher für den australischen Geheimdienst gearbeitet hatte, von der Absicht der Sunday Times, Vanunus Geschichte zu veröffentlichen. Guerrero hoffte auf die Unterstützung seines Bekannten. Stattdessen gab dieser die Informationen des Kolumbianers an die ASIO (Australian Security and Intelligence Organisation) weiter. Der Geheimdienst wiederum teilte sein Wissen dem Mossad mit.

Der Mossad war zu diesem Zeitpunkt bereits über Vanunus Lebenslauf im Bilde, da Guerrero schon vorher dem Sunday Mirror sein Wissen über Mordechai Vanunu angeboten hatte. Der Inhaber der Mirror-Gruppe, Robert Maxwell war der einflussreichste Sajan über den der israelische Geheimdienst verfügte. Seit diesem Zeitpunkt hatte man in Tel Aviv angefangen zu überlegen, wie man mit dieser Situation umgehen sollte. Es wurde bekannt, dass Vanunu Fotografien aus Machon-2, eine der wichtigsten Anlagen des Atomkomplexes, gemacht hatte. Diese Fotografien würden Vanunus Berichten Glaubwürdigkeit gegenüber der Weltöffentlichkeit verleihen.

Die Sunday Times versteckte den Wissenschaftler in London, und informierte die dortige israelische Botschaft darüber, was sie von Vanunu wusste. Dies beunruhigte die israelische Regierung und veranlasste Robert Maxwell, einen Artikel herauszubringen, in dem die Behauptung, dass Israel eine Atommacht sei, als haltlos und Guerrero und Vanunu als Schwätzer dargestellt wurden. Der Artikel enthielt zudem ein großes Foto von Vanunu, was diesen in größte Nervosität versetzte. Kurze Zeit später wurde er von Sajanim ausfindig gemacht. Nun wollte man Vanunu nach Israel schaffen, um ihn zu verhören und ihn für seinen Verrat zu bestrafen. Cheryl Ben-Tov, eine Mossad-Agentin, die sich als amerikanische Touristin ausgab, lockte Vanunu nach Rom. Dort wurde er von Mossad-Agenten überwältigt und per Schiff nach Israel gebracht, wo man ihn nach eingehenden Verhören zu lebenslanger Einzelhaft verurteilte.

Die Einzelhaft wurde nach elf Jahren auf internationalen Druck hin aufgehoben. Im Frühjahr 2004 entließ man ihn aus dem Gefängnis. Er wird jedoch weiterhin überwacht und erhält keine Erlaubnis Israel zu verlassen. Mordechai Vanunu lief der israelischen Politik der „Zweideutigkeit“ , mögliche Gegner über sein Atomwaffenpotenzial im Unklaren zu lassen, zuwider.

Nach Meinung von Experten verfügt Israel mittlerweile über das sechstgrößte Atomwaffenpotenzial der Welt. Israel hat bis zum heutigen Tag nicht offiziell bestätigt, dass es über nukleare Waffen verfügt.

[...]


[1] In der Balfour-Deklaration spricht sich Großbritannien für eine jüdische Heimstatt in Palästina aus.

[2] Chassidismus: reilgiöse und spirituelle Bewegung innerhalb der jüdischen Religion.

[3] Zionismus: eine religiös-politisch motivierte Bewegung, die auf die Gründung eines jüdischen Staates abzielt. Als Zionist bezeichnet man einen radikalen Vertreter jüdischer Interessen.

[4] Hebräisch: „Bajonett“

Details

Seiten
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2004
ISBN (PDF)
9783958205796
ISBN (Paperback)
9783958200791
Dateigröße
4.4 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Erscheinungsdatum
2015 (Februar)
Note
1,3
Schlagworte
Adolf Eichmann Osirak Khalid Meshal Lillehammer Jonathan Pollard
Zurück

Titel: Der Mossad: Ein Dossier über den israelischen Auslandsgeheimdienst
book preview page numper 1
book preview page numper 2
book preview page numper 3
book preview page numper 4
book preview page numper 5
book preview page numper 6
book preview page numper 7
book preview page numper 8
32 Seiten
Cookie-Einstellungen