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Wirtschaftliche Analyse der Energieversorgungskonzepte in Masdar City, Abu Dhabi (VAE)

Bachelorarbeit 2010 61 Seiten

Leseprobe

2 Rahmenbedingungen der VAE und Ökostadt Masdar City

Bei der Untersuchung der Rahmenbedingungen der Ökostadt Masdar City ist es bedeutsam, erst einmal die Gegebenheiten der Region in der Wüste aufzuzeigen. Die Beachtung der Klimabedingungen der VAE ist sehr wichtig für die Planung und Durchführung des Projektes und stellt eine große Herausforderung für alle beteiligten Parteien dar. Um die Realisierung des Projektes zu gewährleisten, ist es wichtig, die wirtschaftliche und die geographische Lage der Hauptstadt des Emirats Abu Dhabi zu analysieren. Darauf folgend wird die bereits vorhandene Energieversorgung und Energiewirtschaft in den VAE dargestellt, damit der Leser mit ihr vertraut wird. Die Masdar Initiative hat viele Bereiche und ist eine Unternehmung, die sich speziell der Energiewirtschaft widmet und sich auch bei der Weiterentwicklung von technologischen Energiekonzepten und erneuerbaren Energien allgemein engagiert.

2.1 Gegebenheiten der Region in der Wüste

Die Förderation der VAE besteht aus sieben Emiraten und wurde am 02.12.1971 gegründet. Der Jahrestag wird alljährlich als Nationalfeiertag gefeiert. Die sieben Emirate sind Abu Dhabi, Dubai, Sharjah, Ajman, Umm Al-Qaiwain, Ras Al-Khaimah und Fujeirah.[1] Die souveränen VAE gehören zu den jüngsten Ländern der Welt und werden vom Staatsoberhaupt Scheich Khalifa bin Zayed al Nahyan regiert, der auch gleichzeitig der Herrscher des Emirats Abu Dhabi ist.[2]

Seit der Gründung den VAE hat sich das Land schnell weiterentwickelt und die Einwohnerzahl stieg von 200.000 Emiratis bei Gründung auf heute ungefähr sechs Mio. Einwohner an, wobei der Ausländeranteil auf ca. 80 % geschätzt wird.[3] Die heutige Gesamtbevölkerung setzt sich zusammen aus Menschen der gesamten arabischen Länder, aus Asien, Europa, Afrika sowie Nord- und Südamerika. Der Islam ist Staatsreligion, wobei die Ausübung anderer Glaubensarten in der VAE erlaubt und die freie Religionsausübung somit in den Emiraten gewährleistet ist.[4]

Die Abbildung 2.1 zeigt die geografische Lage der VAE am Persischen Golf. Die VAE grenzen an die Nachbarstaaten Oman und Saudi-Arabien.[5] Die Gesamtfläche beträgt 83.600 km² und befindet sich auf 22-26,5° nördlicher Breite und 51-56,5° östlicher Länge.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Die geografische Lage der VAE am Persischen Golf

Quelle: [Huber 2010]

In der Region scheint fast das ganze Jahr über die Sonne und die Temperaturen liegen zwischen Oktober und März im Durchschnitt bei 26° tagsüber und im Sommer werden Temperaturen von bis zu 50° bei hoher Luftfeuchtigkeit erreicht. Dies ist ein großer Vorteil für die Solarenergiewirtschaft und bedeutet bei einem Projekt wie der Ökostadt eine große Bereicherung.[6] In der Abbildung 2.2 sind die ermittelten durchschnittlichen Sonnenauf- und Sonnenuntergangszeiten von Abu Dhabi in einer übersichtlichen Grafik für den Zeitraum eines Jahres dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2: Sonnenverhalten in der VAE

Quelle: [Tukiainen 2010]

Im Gebiet der arabischen Halbinsel befindet sich eines der größten Trockengebiete der Erde; die Ursache für dieses Klima ist die geografische Lage der VAE in der Region des nördlichen Wendekreises.[7] Die Luftzirkulation und die Windzonen in den Emiraten werden in dem WRU-Bericht 2008, Heft 34, folgenderweise beschrieben: „Aufgrund der weltweiten Luftzirkulation steht in den Wintermonaten der Nordhalbkugel die Sonne über dem südlichen Wendekreis im Zenit […] Die Westwindzone der gemäßigten Breiten verschiebt sich infolgedessen in diesem Zeitraum nach Süden, so dass Nordarabien in den Bereich der mäandernden Tiefdruckgebiete gelangt. Diese ziehen von Westen über das Mittelmeer in Richtung Osten […] Den größten Teil ihrer Feuchtigkeit und ihrer Kraft verlieren die Luftmassen jedoch bereits auf ihrem Weg.“[8] In der Tabelle 2.1 werden anhand einer übersichtlichen Grafik die wichtigen Faktoren der klimatischen Lage von Abu Dhabi aufgezeigt, wie z.B. Temperaturen, Windgeschwindigkeit und Niederschlagswerte. Dabei ist zu erkennen, dass fast kein Regen fällt, außer in den Wintermonaten von Dezember bis März, und dann überwiegend in den Gebirgen. Die Windströmung kommt hauptsächlich von Norden und dem Süden, auch ist von Sandstürmen in den VAE nicht abzusehen.[9]

Tabelle 2.1: Wichtige klimatische Faktoren in Abu Dhabi

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: [Tukiainen 2010]

Diese Faktoren der geografischen Lage, des Klima und der wirtschaftlichen Position, welche im nächsten Abschnitt dieses Kapitels behandelt wird, spielen eine große Rolle bei einem solch großen Projekt wie der ersten Ökostadt, die voraussichtlich im Jahre 2016 bezugsfertig sein wird.

2.2 Die Wirtschaftslage der Emirate

In der Region der arabischen Golfstaaten zählen die VAE zu einem der rentabelsten Wirtschaftsmärkte. Die strategische geografische Lage ist sehr günstig und bildet eine wichtige Verbindung des asiatischen Marktes mit dem europäischen Markt. Die VAE bieten den Investoren ein weitgehend tolerantes Arbeitsklima, sodass diese sich schnell an die vorhandene Gesellschaft anpassen, weil die VAE heutzutage multikulturell strukturiert sind.[10] Des Weiteren ist es für manche Investoren wichtig, sich in der Freihandelszone niederzulassen, die sich im Umkreis der Häfen befindet. So haben sie die Möglichkeit, ihre Güter zollfrei in das Land zu importieren, um sie weiterzuverarbeiten oder in einen anderen Markt zu exportieren.[11]

Die Haupteinnahmequelle der Emirate ist der Rohöl- und Gasexport. Anfangs wurden die Einnahmen in den Wohlstand der Bevölkerung investiert, was die Grundlage des Erfolgs und damit den Aufstieg des Landes ermöglichte. Somit gehören die VAE zu einem der führenden Ölproduzenten der Welt. Fortschritte in der Industrie erlangten sie durch die niedrigen Energiepreise und etablierten sich so im Bereich der Herstellung von Erzeugnissen mit hohem Energieaufwand. Die Konzentration in der Industrie richtete sich an erster Stelle auf Zementwerke, gefolgt von Aluminiumschmelzwerken, Konservenfabriken und der Produktion von Düngemitteln.[12]

Auch die Emirate sind von der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen worden, aber durch die Regierung von Abu Dhabi, das reichliche Reserven ihrer Rohstoff-Basis besitzt, überstanden sie die Krise weitestgehend stabil. Am meisten von der Krise betroffen in den Emiraten war der Nachbarstaat Dubai, welcher eine hohe Verschuldung und Engpässe im Finanz- und Immobiliensektor aufweist und so auf eine Unterstützung durch die Regierung von Abu Dhabi angewiesen ist, denn Dubai verfügt über fast gar keine eigenen Ölvorkommen.[13]

Die Abbildung 2.3 gibt eine klare Darstellung des BIP der VAE nach den Wirtschaftssektoren für das Jahr 2005. Der Grafik ist zu entnehmen, dass 64 % des gesamten BIP nicht dem Erdöl- und Bergbau-Sektor zugerechnet werden, auch wenn er mit 36 % den größten Anteil des BIP ausmacht. Die Entwicklung der Wirtschaft im Produktionsbereich steht an zweiter Stelle mit 13 %, bedingt durch die kostengünstigen Produktionsbedingungen und die gut ausgebaute Infrastruktur. Des Weiteren wird die Produktionswirtschaft von der Regierung gefördert und deshalb nimmt dieser Sektor auch den zweitgrößten Anteil am gesamten BIP nach den Wirtschaftsektoren ein. Mit dem gestiegenen Pro-Kopf-Einkommen und der steigenden Kaufkraft besetzt der Groß- und Einzelhandel Rang drei des nach Sektoren aufgeteilten BIP.[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.3: BIP der VAE nach Wirtschaftssektoren

Quelle: [Schlesinger 2008, S.48]

Um unabhängig von den fossilen Energieträgern zu werden und um diese Ressourcen zu schonen, setzen die VAE immer mehr auf andere Wirtschaftsbereiche, um das wirtschaftliche Wachstum nicht zu unterbrechen. Diese Sektoren, die die VAE fördern und aus denen sie profitieren, sind im Einzelnen:[15]

- Handel und Re-Export
- Bauwirtschaft
- Tourismus
- Industrie
- Finanzen und Versicherungen
- Sonstige Dienstleistungen

Im Industriezweig werden umweltschonende Hochtechnologien und kapitalintensive verarbeitende Produkte anvisiert. Neben der Produktion von Zement, Aluminium und Düngemitteln konzentriert sich die Industrie in den Segmenten Automobilbau und Zubehör, Luftfahrt, Schiffbau, Arzneimittel sowie im Gold- und Chemiesektor.[16] Durch den steigenden Energiebedarf sind die VAE auf den Import von ausländischer Technik und Know-how angewiesen, weshalb die Scheichs den Zukunftsmarkt der Energiewirtschaft und die erneuerbaren Energien für sich entdeckten und in ihrem Land umsetzen wollen, um unabhängig von den Ressourcen Öl und Gas zu werden.[17] Deshalb werden neue Bauprojekte umweltfreundlicher und nachhaltiger ausgeführt. Von der Finanzkrise abgesehen beträgt das Budget aktiver Projekte von 2009-2011 rund 423 Mrd. US $ und deckt damit mehr als zwei Drittel aller aktiven Bauprojekte im gesamten arabischen Golf ab.[18]

In dem Emirat Abu Dhabi, wo der Bautrend in den vergangenen Jahren begann und wo Masdar City entsteht, sind, abgesehen vom Immobilien- und Bausektor, weitere infrastrukturelle Megaprojekte geplant, welche die lokale Wirtschaft weiter ankurbeln und diese vielfältiger gestalten sollen.[19]

2.3 Die Energieversorgung und die Energiewirtschaft der VAE

Das starke Wirtschaftswachstum fordert immer mehr Energie. Die Nachfrage nach Strom und Wasser steigt mit der wirtschaftlichen Konjunktur und deshalb erfordert die Energiewirtschaft der VAE einen Mix aus neuen Energien, damit der Bedarf für die Zukunft gedeckt und eine Entlastung des Klimas sichergestellt wird. Die Weltwirtschaftskrise hatte auch die Energiemärkte angegriffen und auch die VAE blieben nicht verschont, als der Ölpreis nach einem Höchstwert von 147 $ pro Barrel auf 33 $ sank, wodurch die Einnahmen der Emirate erheblich gesunken sind.[20] Weitere Gründe für den hohen Energieverbrauch sind der verschwenderische Umgang mit Wasser und Strom bei der Verwendung von unzähligen Pools und Brunnen, der Bewässerung von Parkanlagen und Mittelrasenstreifen und bei der Straßenreinigung und der allgegenwärtige Einsatz von Klimaanlagen sowie auch die Beleuchtung aller Straßen und Autobahnen, was nachhaltigen ökonomischen Grundsätzen widerspricht. Der Bereich der Versorgung der Bevölkerung mit Wasser und Strom ist ein lebensnotwendiges Unterfangen.[21]

Fossile Energieträger sind nur begrenzt vorhanden und damit nicht unendlich. Die nachgewiesenen Erdölreserven in den VAE betragen ca. 98,1 Mrd. Barrel und stehen auf Rang 3 in der Welt. Die geschätzten Erdgasreserven betragen ungefähr 5,8 Bil. m³ und nehmen damit den dritten Platz im gesamten Nahen Osten ein. Außergewöhnliche Investitionen fließen in den Ausbau der besseren Energieerzeugung, speziell aus Gas, und die damit verbundenen Industriesektoren. Die Preispolitik in den VAE strebt eine Stabilisierung des Ölmarktes an, was mittels einer Zusammenarbeit mit der OPEC (Organisation erdölexportierender Länder), OAPEC (Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten) und den GCC (Kooperationsrat der arabischen Staaten des Golfes) realisiert werden soll.[22]

Die Nachfrage nach Wasser ist hoch und die Bedürfnisse der Bevölkerung, Industrie und Landwirtschaft müssen gedeckt werden, da die Niederschlagswerte im arabischen Golf niedrig sind und es selten regnet. Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, nutzen die Emirate außer ihren geringen Grundwasservorkommen energieintensive Meerwasserentsalzungsanlagen, aus denen Trink- oder Brauchwasser für die Industrie gewonnen wird. Bei diesem Verfahren wird der Salzgehalt des Meerwassers mit einem chemischen Verfahren entzogen. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung von Entsalzungstechnologien steigen immer mehr, da die Emirate sich auf dieses Gebiet spezialisiert haben. 50 % der weltweiten Entsalzungs-Projekte befinden sich in den Emiraten.[23] Bis zum Jahre 2015 soll der Wasserverbrauch auf ca. 25 Mio. hl täglich steigen, wobei allein der Verbrauch der privaten Haushalte von Abu Dhabi auf 10 Mio. hl anwachsen wird.[24]

Der Markt des Elektrizitätssektors steigt in den VAE mit dem Wirtschaftswachstum schnell an und bis 2020 soll der Bedarf nach Energie 40 GW betragen. Die Gewinnung von Strom erfolgt zu 99 % in Gaskraftwerken, wobei die meisten davon an Entsalzungsanlagen gekoppelt sind, sowie der Bedarf zukünftig die Kapazitäten nicht ausreichend decken können wird. Die installierte Gesamtkapazität der VAE in 2007 beträgt 17 GW und versorgt die wichtigen Regionen der Emirate. Der Strom-Pro-Kopf-Verbrauch in den Emiraten beträgt ca. 12.000 kWh und liegt damit über dem OECD-Mittelwert. Um die Auslastung der Stromversorgung in den Golfstaaten besser auszunutzen und das Stromnetz zu entlasten, entstand das GCC-Elektrizitätsnetzwerk (GCC Power Grid), wobei die Emirate dem Verbund im März 2009 zugestimmt haben. Investitionen und Modernisierung der wichtigsten Energieträger und Projekte in den VAE sind die Bereiche:[25]

- Erdöl
- Erdgas
- Petrochemiesektor
- Erneuerbare Energien
- Nuklearenergie

Der Auftrag für den Bau von vier Atomkraftwerken ging an die Republik Korea, und dies war ein großer Schritt für beide Parteien. Der Import von nukleartechnologischem Know-how wird für die Emirate eine weitere Bereicherung in der Energiewirtschaft sein.[26]

2.4 Die Masdar Initiative und Ihre Geschäftsbereiche

Die Masdar Initiative wurde im April 2006 vom Kronprinzen von Abu Dhabi, Scheich Mohammed bin Zayed al Nahyan, ins Leben gerufen[27] und verfolgt die Zukunftsvision einer dynamischen, offenen Wirtschaft. Sie bildet den Kern der langfristig veränderten Strategie der Energiewirtschaft in Abu Dhabi und soll den Stadtstaat zu einem globalen Kompetenz-Zentrum für die Forschung, Entwicklung und Innovation erneuerbarer Energien weiterentwickeln. Masdar ist ein arabisches Wort; es bedeutet „Quelle“ oder „Ursprung“ und ergänzt die Vision des verstorbenen ehemaligen Staatsoberhaupts, Scheich Zayed bin Sultan al Nahyan, um die Erhaltung der Umwelt des Landes für die Zukunft vorzubereiten.[28] Seine klare Zielvorstellung hat er in folgenden Worten ausgedrückt:[29]

„We cherish our environment because it is an integral part of our country, our history and our heritage. On land and in the sea, our forefathers lived and survived in this environment. They were able to do so because they recognised the need to conserve it, to take from it only what they needed to live, and to preserve it for succeeding generations.”[30]

Masdar ist die Firma Abu Dhabi Future Energy Company und eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Mubadala Development Company, einer staatlichen Aktiengesellschaft von Abu Dhabi, die sich auf langfristige und kapitalintensive Investitionen konzentriert.[31] Dieses vielschichtige Unternehmen dient der Förderung, der Entwicklung, der Vermarktung sowie der Bereitstellung von Lösungen für erneuerbare Energien und saubere Technologien.[32]

Um diesen Zielen gerecht zu werden, verfolgt die Masdar Initiative eine strenge Strategie, die fokussiert ist auf:

- Investition, Forschung und Entwicklung von Technologien im Bereich der alternativen Energien und deren Ansiedlung in Abu Dhabi,
- strategische Zukäufe in der ganzen Welt, um die Innovationskraft zu fördern,
- Finanzierung von aufstrebenden Unternehmen mittels Venture Capital und Private Equity
- sowie Förderung und Austausch von Wissen und Expertise im Bereich der erneuerbaren Energien zur Generierung eigener patentgeschützter Technologien.[33]

Die strategische Umsetzung der Masdar Initiative im Sektor der erneuerbaren Energien erfolgt in den Technologiebereichen Photovoltaik, Solarthermie, Wasserstoff, Technologie zur Abscheidung und Speicherung von CO2, Energieeffizienz und Energiespeicherung.[34] Das Gesamtprojekt von Masdar ist in fünf verschiedene Geschäftseinheiten unterteilt, wobei jeder Bereich verstärkt eine wichtige Rolle im gesamten Projekt einnimmt. In der Tabelle 2.2 sind alle Bereiche der Masdar Initiative, deren Bezeichnungen sowie ihre einzelnen Ziele dargestellt.[35]

Tabelle 2.2: Die Masdar Geschäftsbereiche und Ihre Tätigkeiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: [Masdar d 2010]

Das wesentliche Ziel ist die Forschung in erneuerbaren Energien und nachhaltigen Technologien in der neu gegründeten Hochschule, dem Masdar Institut für Wissenschaft und Technologie, die mit dem Massachusetts Institut für Technologie (MIT) und dessen internationalem Forschungsnetzwerk kooperiert, das mit anderen Hochschulen verknüpft ist. Weitere Ziele sind die Förderung von Clean Development Mechanism (CDM) und von Projekten der Kohlendioxid-Lagerung (Carbon Capture and Storage – CSS), die finanzielle Beteiligung an internationalen Unternehmen über den Clean Tech Fund und der Bau und die Realisierung der ersten Ökostadt der Welt, Masdar City.[36]

Die Masdar Initiative und damit auch die Regierung von Abu Dhabi ist die Veranstalterin des 2008 gegründeten World Future Energy Summit (WFES), der weltweit größten Konferenz und Ausstellung für erneuerbare Energien und die Umweltindustrie. Dieses Forum wird von vielen Ländern besucht, darunter Branchenführer, Investoren, Experten, Wissenschaftler und Politiker, um offene Fragen und nachhaltige Lösungen für die heutige Energiesicherheit und den Klimawandel zu finden.[37] Auf der WFES 2009 wurde auch der Zayed Future Energy Prize gestiftet, eine Auszeichnung, die für überragende innovative und nachhaltige Lösungen in Energiekonzepten der Zukunft vergeben werden soll. Abu Dhabi ist ein wichtiger Vorreiter für zukünftige alternative Energien geworden und der Sitz der International Renewable Energy Agency (IRENA) wird sich in Zukunft in Masdar City befinden.[38]

2.5 Masdar City und ihre nachhaltige Entwicklung

Die erste ökologisch ausgerichtete Planstadt wird gerade in den VAE gebaut. Sie wird ca. 30 km östlich von der Hauptstadt Abu Dhabi entstehen.[39] Bereits im Frühjahr 2008 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Ein großer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit wird gewagt, um erneuerbare Energiekonzepte in Masdar City umzusetzen und die Entwicklung der VAE voranzutreiben.[40]

Die Grundfläche von Masdar City beträgt ungefähr 600 Hektar (6 km²) und die bebaute Fläche 296 Hektar (2,96 km²), die sich auf zwei Quadratflächen verteilen werden.[41] Diese Stadt soll zum Standort eines international vernetzten Instituts für die Erforschung und Entwicklung von regenerativen Energien werden. Ein Konsortium aus Architekten, Verkehrsplanern, Ingenieuren für Klima, Versorgungstechnik und erneuerbare Energiesysteme entwickelte einen städtebaulichen Rahmenplan, der weitestgehend auf Nachhaltigkeit ausgelegt wurde. Die Stadtplanung wurde von Foster und Partners entworfen, welche nach den Grundsätzen der WWF „one planet living sustainability standards“ ausgerichtet sind. In der Stadt soll nach der Fertigstellung ca. 50.000 Bewohnern das Leben ermöglicht werden. Die festgelegten Zielwerte des Nachhaltigkeits-Standards sind an den ökologischen Fußabdruck der Stadt gebunden.[42] Prof. Matthias Schuler, Dipl.-Ing. und technischer Geschäftsführer der Transsolar Energietechnik GmbH und der Transplan Technik-Bauplanung GmbH, schrieb in dem Werk Metropole Ressourcen 2: „Masdar City wird die Anforderungen der zehn Nachhaltigkeitsprinzipien – zero carbon, zero waste, sustainable materials, sustainable food, sustainable water, habitats and wildlife, culture and heritage, equity and fair trade, health and happiness – sogar noch übertreffen.“[43] Bei den örtlichen Gegebenheiten wurden das Klima und die Kultur berücksichtigt und bei der Planung mit einbezogen. Die Ausrichtungen der Gebäude müssen den klimatischen Bedingungen entsprechen, wobei die Planer sich hier auf Bezugsstädte mit gleichen Klimabedingungen, z.B. Dubai und Muscat (Hauptstadt von Oman) bezogen haben. Bei diesem Konzept stehen die Gebäude dicht beieinander und sind durch sehr schmale Straßen getrennt, wodurch die Gehwege im Schatten liegen, sodass durch eben diese Anordnungen weniger Energieeinträge vorhanden sind. Klimatische und kulturelle Gegebenheiten in den VAE wurden für das Projekt Masdar City eingehend studiert, mit dem Ergebnis, dass hier ein Fokus auf den Schutz vor Sonne und Staub, das Sammeln von Tau zur Wassergewinnung sowie auf Stoffausscheidung mit minimiertem Wasserbedarf gelegt werden muss. Diese Aspekte bilden wichtige Faktoren der Basis der städtebaulichen Rahmenplanung. Der Nachhaltigkeits-Ansatz wurde bei der Entwicklung von Energie- und Komfortrichtlinien von dem Team genau geplant und die Gebäudelasten wurden eingehend untersucht.[44] Die Stadtfläche wurde bei der Planung in zwei Quadrate aufgeteilt, wobei im kleineren Quadrat ein Photovoltaik Solarkraftwerk den Energiebedarf der Aufbauphase decken soll, welches im Mai 2009 mit 10 MW ans Netz gegangen ist, bis genug Dachflächen mit Photovoltaik-Modulen angebracht sind, um die Stadt selbst zu versorgen.[45] In der Abbildung 2.4 wird die Planstadt aus der Vogelperspektive dargestellt, wobei hier die zwei Quadrate gut zu erkennen sind. Um sie herum befinden sich die Umgebungsflächen, welche für die Energieerzeugung und für die Freizeitnutzung angelegt sind. In der Umgebungslandschaft werden sich Photovoltaik-Felder und Produktionsstätten befinden. Des Weiteren werden Meerwasserentsalzungs-, Abwasserreinigungs- und Wasseraufbereitungsanlagen, Windparks und Forschungsbereiche entstehen. Drei Arten von Plantagen zur Erzeugung von Biotreibstoff werden sich auch in dem Bereich der Planstadt befinden. Die Besucherparkplätze und Besucherzentren sowie Freizeitbereiche und Sportanlagen werden sich ebenfalls außerhalb der Stadt auf dem Umgebungsgelände befinden, ebenso wie der Abfallverwertungsbereich.[46]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.4: Grafische Darstellung von Masdar City

Quelle: [Masdar k 2010, S.17]

Mit der Umsetzung dieser Stadtplanung stellt die Masdar Initiative – nicht nur für die zukünftigen Bewohner – eine große Herausforderung und eine Zukunftsvision zugleich dar, nämlich eine Vision mit Null-CO2-Ausstoß, Null-Abfall sowie Null-Umweltbelastung.[47] An CO2 sollen im Bereich der energieeffizienten Baugestaltung 56 %, in der erneuerbaren Energiegewinnung 24 %, im Transportwesen 7 %, im Sektor des Recyclings und der „waste-to-energy“ 12 % und die restlichen 1 % mit dem Emissionshandel eingespart werden. Eine herkömmliche Stadt verursacht dagegen Emissionen von rd. 1,1 Mio. Tonnen CO2, wobei 80 % bei der Baugestaltung und der Energiegewinnung aus Öl und Gas, an Mülldeponien 13 % und im Bereich des Transports 7 % aus fossilen Brennstoffen anfallen.[48] In der Tabelle 2.5 ist der Masdar Development Masterplan mit allen Projektmitgliedern, die an dem Bau von Masdar City beteiligt sind, dargestellt. Die Verwirklichung des Vorzeigeprojektes Masdar City wird der globalen Nachahmung dienen, denn das Konzept der emissionsfreien Stadt soll weltweit kopiert werden.[49]

Tabelle 2.3: Masdar City Masterplan Development

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: [Schuler 2008, S. 140]

Es gibt eine Reihe von Elementen, die in die Schaffung einer nachhaltigen Stadtentwicklung oder Sanierung eingehen. Die Elemente umfassen:

- Energiegewinnung und -bewirtschaftung
- Wasserversorgung und deren Management
- Abfallwirtschaft
- Planung, Technik und Architektur
- Nachhaltige Baumaterialien
- Verkehrsplanung und deren Management

Die wesentlichen Bestandteile einer nachhaltigen Entwicklung ergeben sich aus dem Gleichgewicht und der Integration von Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft.[50] Die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung ist letztendlich das Zusammenwirken von ökonomischen, ökologischen und den sozialen Faktoren, welches das so genannte magische Dreieck der Nachhaltigkeit bildet.[51] Im nächsten Kapitel werden die Masdar Projekte sowie die erneuerbare Energiekonzepte betrachtet.

[...]


[1] Vgl. United Arab Emirates (2003), S. 67.

[2] Vg. Schlesinger (2008), S. 2.

[3] Vgl. Auswärtige Amt a (2010).

[4] Vgl. United Arab Emirates (2003), S. 67.

[5] Vgl. Auswärtige Amt a (2010).

[6] Vgl. United Arab Emirates (2003), S. 68.

[7] Vgl. Schlesinger (2008), S. 15.

[8] Schlesinger (2008), S. 15.

[9] Vgl. United Arab Emirates (2003), S. 68.

[10] Vgl. Schlesinger (2008), S. 3.

[11] Vgl. Schlesinger (2008), S. 37-38.

[12] Vgl. Schlesinger (2008), S. 37.

[13] Vgl. Auswärtige Amt a (2010).

[14] Vgl. Schlesinger (2008), S. 48.

[15] Vgl. Schlesinger (2008), S. 48-49.

[16] Vgl. United Arab Emirates (2003), S. 85.

[17] Vgl. Germany Trade and Invest a (2010), S. 1.

[18] Vgl. Germany Trade and Invest b (2010), S. 18.

[19] Vgl. Hecht-El Minshawi (2008), S. 59.

[20] Vgl. Germany Trade and Invest a (2010), S. 1.

[21] Vgl. Schlesinger (2008), S. 8.

[22] Vgl. United Arab Emirates (2003), S. 87.

[23] Vgl. Schlesinger (2008), S. 106-107.

[24] Vgl. United Arab Emirates (2003), S. 95.

[25] Vgl. Germany Trade and Invest a (2010), S. 12.

[26] Vgl. Germany Trade and Invest c (2009).

[27] Vgl. Masdar a (2010).

[28] Vgl. Masdar b (2010), S. 1.

[29] Übersetzung: „Wir haben eine hohe Wertschätzung für unsere Natur, denn sie stellt einen wesentlichen Teil unseres Landes, unserer Geschichte und unseres Erbes dar. In ihr lebten bereits unsere Vorfahren und sicherten sich ihren Fortbestand, sei es an Land oder im Wasser. Dies konnten sie, da sie die Wichtigkeit sie zu erhalten erkannten und daher nur so viel entnahmen was sie zum überleben brauchten, um sie für nachfolgende Generationen zu bewahren.“

[30] Masdar c (2010), S. 2.

[31] Vgl. Mubadala (2010).

[32] Vgl. Masdar PV a (2010).

[33] Masdar PV a (2010).

[34] Vgl. Masdar PV a (2010).

[35] Vgl. Masdar d (2010).

[36] Vgl. Germany Trade and Invest a (2010), S. 10.

[37] Vgl. WFES (2010).

[38] Vgl. Germany Trade and Invest d (2009).

[39] Vgl. Hamm (2009), S. 23.

[40] Vgl. Schuler (2008), S. 134.

[41] Vgl. Schuler (2008), S. 140.

[42] Vgl. Schuler (2008), S. 134.

[43] Schuler (2008), S. 134.

[44] Vgl. Schuler (2008), S. 134.

[45] Vgl. Hamm (2009), S. 23-25 und Hug (2009).

[46] Vgl. ETA (2007).

[47] Vgl. Masdar PV b (2010).

[48] Vgl. Masdar c (2010). S. 23.

[49] Vgl. Schuler (2008), S. 134.

[50] Vgl. Masdar e (2010), S. 7.

[51] Vgl. Wilkens (2007), S. 5-6.

Details

Seiten
61
Erscheinungsform
Erstausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783958207653
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Erscheinungsdatum
2015 (Februar)
Note
1,7
Schlagworte
Erneuerbare Energie Energieversorgungskonzept Öko-Stadt Energiewirtschaft Energiebranche

Autor

Mohamed Baschar Akkad, M.Sc., wurde 1983 in Salzgitter geboren. Sein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Georg-August-Universität Göttingen (B.Sc.) schloss er im Jahre 2010 ab und sein Studium Business Management an der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg absolvierte der Autor im Jahre 2013 mit dem akademischen Grad des Master of Science erfolgreich. Bereits während des Studiums sammelte der Autor umfassende praktische Erfahrungen in der industriewirtschaftlichen Branche. Fasziniert von Energieversorgungskonzepten und Erneuerbaren Energien verfolgte der Autor das Projekt „Masdar-City“ – Öko-Stadt in Abu Dhabi seit Baubeginn, um die Umsetzung in dem arabischen Emirat zu begleiten. Sein großes Interesse in der Solarwirtschaft und des Supply Chain Managements motivierte ihn, sich der Thematik des vorliegenden Buches zu widmen.
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Titel: Wirtschaftliche Analyse der Energieversorgungskonzepte in Masdar City, Abu Dhabi (VAE)